25.09.2006
DWS: Aktienmärkte Europa - Begrenztes Potenzial
Köln, den 25.09.2006 (Investmentfonds.de) - Während das Wetter in Europa im August
vielerorts Wünsche offen ließ, sorgten die Aktienmärkte insgesamt gesehen für
Zufriedenheit. Unterstützt von mehreren Faktoren, legten sie deutlich zu; der
marktbreite Dow Jones STOXX 600-Index gewann 2,7 Prozent, berichten die Experten
der DWS in der aktuellen Marktübersicht.
Makroseitig kam einerseits Rückenwind von der entspannten Lage an der Inflationsfront
dies- und jenseits des Atlantiks. In Europa scheinen die Zinserhöhungen Wirkung zu
entfalten. Andererseits zeigten die Wachstumsdaten vor allem in Europa, dass die
bisherigen Zinserhöhungen die Konjunktur nicht abwürgen dürften. Positives auch von
der Mikroseite: Mit ihren Geschäftszahlen im zweiten Quartal konnten die Unternehmen
mehrheitlich überzeugen. Nach einer IBES-Analyse hatten bis Ende August mehr als 80
Prozent der untersuchten Gesellschaften Bericht erstattet. Davon überraschten mehr
als 50 Prozent positiv, nur rund 30 Prozent enttäuschten die Erwartungen. Mit 19,5
Prozent lag das Gewinnwachstum deutlich über den erwarteten 13,3 Prozent. Positiv aus
wirkte sich auch eine gewisse Beruhigung in den politischen Krisenherden und – damit
verbunden – der Rückgang des Ölpreises.
Die Wertentwicklung der einzelnen Sektoren zeigte wiederum deutliche Unterschiede.
Während Versicherungen und Technologie einen Aufschlag von jeweils mehr als 5 Prozent
verbuchten, gab der Öl- und Gassektor mehr als 3 Prozent ab. Verlierer auf Einzelti-
telebene waren der Schweizer Zahnersatzspezialist Straumann und die skandinavische
Neste Oil. Die Aktie des britischen Softwareberaters LogicaCMG kam wegen der zu teuren
Übernahme des skandinavischen Konkurrenten WM Data unter die Räder. Bei den hoch
kapitalisierten Werten schockte die Deutsche Telekom die Märkte mit einer
Gewinnwarnung, worunter der gesamte Sektor leiden musste. Keinen Grund zur Freude
gaben auch die großen integrierten Ölkonzerne. Auf der anderen Seite wurden
italienische Bankenwerte nach der Ankündigung der Fusion von Banca Intesa und
Sanpaolo Imi kräftig angetrieben. Davon profitierten auch andere potenzielle
Übernahmekandidaten wie die deutsche Commerzbank. Der deutsche Solarwerte Q-Cells
stieg nach guten Unternehmenszahlen deutlich. Auf der Gewinnerseite bei den Large Caps
standen vor allem Banken und Versicherungen, ganz vorn die Finanzkonzerne BNP Paribas
und Fortis sowie die Versicherer Axa und Allianz.
Inflation und eine mögliche konjunkturelle Wachstumsschwäche bleiben mittel- und
langfristig die größten Risiken für die Aktienmärkte. Die aktuellen Daten zeigen, dass
die Zinserhöhungen für eine gewisse Entspannung an der Preisfront gesorgt haben.
Zweitrundeneffekte sind in Europa bislang nicht auszumachen. Es bleiben die positiven
Faktoren einer niedrigen Aktienmarktbewertung, einer stabilen Gewinnentwicklung, einer
recht robusten Konjunktur und fehlender Anlagealternativen. Die Entwicklung von
Inflation und Wachstum in den USA könnte weiterhin für eine gewisse Volatilität und
begrenzte Aufwärtschancen sorgen. Andererseits sprechen Bewertung und Liquidität für
ein begrenztes Abwärtsrisiko. Ergo gilt aus unserer Sicht: An schwachen Tagen
Qualitätswerte kaufen.
Quelle: Investmentfonds.de