25.09.2006
DWS: Aktienmärkte Japan - Auf leisen Sohlen
Köln, den 25.09.2006 (Investmentfonds.de) - Auch wenn der August weitgehend ruhig
und ereignislos verlief, konnte sich doch der Aktienmarkt bei dünnen Umsätzen heimlich,
still und leise nach oben arbeiten. Sowohl der Nikkei 225 als auch der breitere Topix
legten binnen Monatsfrist auf leisen Sohlen gut 4 Prozent zu. Überwiegend positive
makroökonomische Daten und Unternehmenszahlen bildeten einen guten Nährboden.
Der konjunkturelle Aufschwung im Inselreich währt nun bereits seit mehr als 50
Monaten – mithin die längste Expansionsphase seit Kriegsende. Sollte sich eine
leichte Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität abzeichnen, erachten wir das
als nicht unwillkommene Verschnaufpause. Nicht erfüllt hat sich bis dato die Hoffnung,
dass die gewünschte „Inflationierung“ nicht nur über die Rohstoff- und Energiepreise,
sondern auch – was die „gesündere“ Form ist – über höhere Löhne bzw. steigende
Konsumausgaben erfolgt. Und das, obwohl die Beschäftigung bei einer Arbeitslosenquote
von lediglich 4,1 Prozent brummt. Die Begründung, der Preisanstieg werde durch die
Umstellung des Warenkorbes begrenzt, erscheint uns nicht sonderlich überzeugend.
Sicherlich hat das schlechte Sommerwetter den privaten Konsum gedämpft, aber
offensichtlich funktioniert der Transaktionsmechanismus „höhere Beschäftigung –
steigende Löhne – steigender privater Verbrauch“ noch nicht wie erwünscht. Damit
scheint aus unserer Sicht vorerst die Gefahr gebannt zu sein, dass die Bank of Japan
nochmals die Zinsen anhebt – was sie unserer Einschätzung nach gern getan hätte –
und damit, auch angesichts der Abkühlung in den USA, geldpolitisch über das Ziel
hinausschießt.
Während die Wertentwicklung des Aktienmarktes insgesamt Anlass zur Freude gab,
musste das Segment der Nebenwerte, das sich gerade erst erholt hatte, gegen Ende
des Monats erneut einen kräftigen Rückschlag hinnehmen. Auslöser waren Turbulenzen
bzw. ein möglicherweise aufziehender Skandal bei der Beteiligungsgesellschaft
Softbank, deren Chef Son immer noch das Image eines Unternehmer-Rebellen anhaftet.
Dieser hatte den japanischen Vodafone-Ableger für umgerechnet 15 Mrd. US-Dollar
gekauft – nach Einschätzung des Marktes ein überhöhter Preis. Schon wird über
Finanzierungsprobleme, auch im Zusammenhang mit anderen Softbank-Beteiligungen,
spekuliert. Entsprechend dürfte die Unsicherheit bei Small und Mid Caps vorerst
anhalten.
Das weitere Geschehen an Kabuto-cho dürfte in starkem Maße von externen Faktoren
wie der Entwicklung der geopolitischen Krisenherde, der Rohstoffpreise sowie der
US-Konjunktur bestimmt werden. Der im Oktober erscheinende Tankan-Bericht könnte
die Akteure im Vorfeld eher vorsichtig agieren lassen. Allenfalls leichte
Streifspuren hinterlassen sollte unserer Einschätzung nach der zu erwartende
Rücktritt von Ministerpräsident Koizumi und die Wahl seines Nachfolgers Shinzo Abe
im September. Der gilt wie sein Vorgänger als Reformer, im Auftreten gegenüber
Japans asiatischen Nachbarn allerdings eher als konservativ. Unter der Voraussetzung,
dass eklatante politische und wirtschaftliche Störungen ausbleiben, rechnen wir für
die kommenden Wochen mit einer Seitwärtsentwicklung der Aktienkurse – mit leichten
Ausschlägen nach oben und unten entsprechend der Nachrichtenlage.
Quelle: Investmentfonds.de