22.09.2006
HSBC: Einschätzung zu den aktuellen politischen Ereignissen in Thailand
Köln, den 22.09.2006 (Investmentfonds.de) - Am 19. September 2006 hat das
thailändische Militär durch einen Putsch die Macht im Land übernommen und
das Kriegsrecht ausgerufen. Zum Zeitpunkt des unblutigen Putsches hielt sich
der derzeitige Ministerpräsident Thailands, Thaksin Shinawatra, in New York
bei einer Sitzung der Vereinten Nationen auf. Der Militärputsch hatte
unmittelbaren Einfluss auf den Kurs der thailändischen Währung. Noch am
selben Abend fiel der Bath um 1,3 Prozent im Vergleich zum US-Dollar, konnte
sich am nächsten Morgen jedoch schon wieder leicht erholen. Auch wenn der
Putsch an sich plötzlich und unerwartet kam, handelt es sich doch nur um den
Gipfel eines monatelangen politischen Tauziehens um die Macht im Land.
Hauptauslöser der politischen Krise in Thailand waren steuerfreie Aktien-
verkäufe der Präsidentenfamilie in Höhe von 1,9 Milliarden US-Dollar.
Die politische Situation in Thailand hatte seit langem einen negativen Einfluss
sowohl auf die Wirtschaft als auch auf den thailändischen Aktienmarkt. Vor allem
bedeutende Investitionsausgaben wurden von der bislang im Amt gewesenen Übergangs-
regierung verzögert, darunter auch Investitionen in die Infrastruktur in Höhe von
1,8 Milliarden Baht (44 Milliarden US-Dollar), die ursprünglich bereits im Juni
2005 verabschiedet wurden. Zudem gab es Verzögerungen im Bereich Sachinvestitionen,
einen Rückgang des Konsums und eine Abschwächung im Bereich des Kreditwachstums.
Die aktuelle politische Instabilität werde wahrscheinlich für einen Rückgang des
Tourismus sorgen, der gerade erst dabei sei, sich von den Nachwirkungen des
Tsunamis Ende 2004 zu erholen.
Die Militärführung hat angekündigt, dem Volk die Macht zurück zu geben. Entscheidend
für den Ausgang des Putsches, so Losa Mak, Fondsmanagerin des HSBC GIF Thai Equity,
könnte ein Eingreifen des thailändischen Königs sein. In dem Fall könnte der
Militärputsch nur von kurzer Dauer sein und die Bildung einer neuen Regierung ohne
Thaksin erleichtern. Sobald eine neue Regierung im Amt ist, sollte es an der
politischen und wirtschaftlichen Front übersichtlicher werden.
Auswirkungen für den Markt:
Kurzfristig gesehen geht Mak aufgrund der gestrigen Ereignisse von einer
Marktschwäche aus. Der thailändische Bath hat bereits gestern die bisher größten
Verluste an einem Tag verkraften müssen. Dennoch gehört der Bath auch weiterhin
zu den stärksten Währungen in Asien. Laut Mak sollte die derzeitige Schwäche des
thailändischen Aktienmarktes eine gute Kaufgelegenheit für Investoren bieten. Die
bisherigen Erfahrungen hätten gezeigt, dass sich der Markt in Thailand nach
Krisenzeiten deutlich erholt, so auch bei vorherigen Militärputschen (in den
letzten 76 Jahren gab es 18 Militärputsche, den letzten 1991).
Der thailändische Aktienmarkt ist bereits seit mehreren Jahren einer der
zögerlichsten in Asien. Grund hierfür sind vor allem politische Belange, der
hohe Ölpreis und hohe Zinsen. Der Ölpreis hat sich jedoch aktuell leicht verringert
und es wird erwartet, dass die thailändische Zentralbank die Zinsen im ersten
Quartal 2007 senkt. Niedrigere Zinsen wären positiv für den Aktienmarkt, vor allem
für Aktien, die auf Zinsen sensibel reagieren, wie Banken oder Bauträger. Thailands
Markt sei außerdem im asiatischen Vergleich günstig bewertet. Für die HSBC-
Portfolios hätten die derzeitigen politischen Entwicklungen in Thailand jedoch nur
geringe Auswirkungen, da die Gewichtung Thailands relativ niedrig sei.
Für die restliche asiatische Region sieht Mak keine große Gefahr. Die zugrunde
liegenden Fundamentaldaten in Asien seien stark. Sollte es dennoch zu negativen
Auswirkungen an anderen Märkten der Region kommen, seien diese höchstens von kurzer
Dauer.
Quelle: Investmentfonds.de