22.09.2006
HSBC: Markteinschätzung asiatische Märkte
Köln, den 22.09.2006 (Investmentfonds.de) - Im August 2006 kehrte wieder Stabilität
an die Märkte weltweit zurück und Aktien konnten zum ersten Mal seit April 2006
Gewinne verzeichnen (der MSCI World Index stieg um 2 Prozent). Zudem erhöhte die
amerikanische Zentralbank den US-Leitzins zum ersten Mal seit August 2003 nicht,
auch wenn sie sich künftig weitere Zinsschritte vorbehält. Der Volatilitätsindex
(VIX) bewegte sich wieder in Richtung früherer Tiefstände zurück.
Die Top-Performer in Asien waren Indien und Indonesien. Indien bleibe von der
Abkühlung der Weltwirtschaft weitestgehend unberührt und profitiere weiterhin
von starken Mittelzuflüssen aus dem Ausland. In Indonesien hat sich vor allem
die drastische Zinssenkung der Zentralbank positiv ausgewirkt.
Trotz der verbesserten Lage an den Aktienmärkten richten die Asienspezialisten
derzeit ihre regionalen Portfolios defensiver aus. Grund hierfür sei die anhaltende
Unsicherheit der Investoren in Bezug auf Zinsentwicklungen und das weltweite
Wirtschaftswachstum. In den nächsten Monaten könne es an den Märkten auch weiterhin
etwas rau bleiben. Dennoch gehen die HSBC-Analysten mittelfristig davon aus, dass
die asiatischen Märkte attraktiv bleiben. Vor allem günstige Bewertungen und gute
Gewinnaussichten gäben Grund zu dieser Annahme.
Für die zweite Hälfte des Jahres setzen die Asienanalysten von HSBC weiterhin auf
Titel im Bereich des Binnenkonsums. Diese Strategie könne sich vor allem vor dem
Hintergrund einer Abkühlung des weltweiten Wirtschaftswachstums bezahlt machen. Nach
Meinung der HSBC-Experten bleibe das Wachstum in Ländern wie China oder Indien
unabhängig von der weltweiten Entwicklung stark, was dem Wachstum der gesamten Region
zugute kommen könnte.
China: Gute Zwischenbilanz
Die Zwischenberichte zu den Unternehmensgewinnen des ersten Halbjahres 2006 sind
besser ausgefallen, als vom Markt erwartet. Zudem deuten sich bei den meisten
Unternehmen auch für die zweite Jahreshälfte positive Gewinne an. Wie von den HSBC-
Spezialisten angenommen, haben sich die Sparmaßnahmen der Regierung nur geringfügig
auf Unternehmensgewinne ausgewirkt. Vorsichtig sind die HSBC-Experten im Bereich des
Bausektors. Hier könnte die Razzia der Regierung gegen nicht autorisierte
Sachinvestitionsprojekte zu einer Abkühlung der Investitionsausgaben im zweiten
Halbjahr 2006 führen.
Der Binnenkonsum bleibe weiterhin stark, so die HSBC-Analysten. Grund hierfür sei
unter anderem der Anstieg der Beamtengehälter im Juli dieses Jahres um 20 Prozent.
Negativ für China sei der aufgeblähte Handelsbilanzüberschuss. Er könne zu Spannungen
der Handelsbeziehungen Chinas mit den wichtigsten Handelspartnern USA und Europa
führen. Hinzu komme die große Anzahl der in der Pipeline stehenden Börsengänge, die
schätzungsweise rund 20 Milliarden US-Dollar an Liquidität vom Markt abziehen könnten,
was den Markt belasten könnte. Es sei jedoch möglich, dass diese negativen Effekte
durch Spekulationen um eine Aufwertung des Renminbi und einer Ausweitung der
Investitionsrichtlinien aufgefangen werden. Letzteres führe zu zusätzlichen Mittel-
zuflüssen, die hauptsächlich den chinesischen H-Shares und RedChips in Hongkong
zugute komme. Insgesamt stehen die HSBC-Analysten dem chinesischen Markt neutral
gegenüber.
Indien: Langfristig gute Gewinnaussichten
Aufgrund der aktuellen Bewertungen haben die Asienspezialisten von HSBC eine
neutrale Haltung gegenüber dem indischen Markt. Der Indien-Fonds von HSBC sei
derzeit eher defensiv und value-orientiert ausgerichtet. Der Markt sei nach den
Kurseinbrüchen im April 2006 sehr schnell wieder auf die Beine gekommen, weshalb
sich vor allem die LargeCaps wieder auf teurem Territorium bewegten. Mittel- bis
langfristig sind die HSBC-Analysten dem Markt gegenüber jedoch positiv
eingestellt. Für das Finanzjahr 2006/2007 gehen die Analysten von einem Wachstum
des Bruttosozialprodukts von sieben bis acht Prozent aus. Zudem werde sich die
Währung im Vergleich zum derzeitigen Niveau stärken.
Die Untergewichtung des Finanzsektors und der Verbrauchsgüter sei reduziert und um
attraktive MidCap-Titel aus dem Bausektor ins Portfolio aufgestockt worden. Diese
seien derzeit günstig bewertet. Die Politik sei aktuell das größte Risiko für den
indischen Markt. Grund hierfür seien die zunehmenden Unstimmigkeiten zwischen
Verbündeten in der Regierung. In dem Bundesland Uttar Pradesh stehen im März 2007
Wahlen an. Ihr Ausgang hat großen Einfluss auf die indische Politik, da das
Bundesland die größte Anzahl an Abgeordneten im Parlament stellt.
Korea: Gewichtung neutral
Korea zeigte im August 2006 die zweitschlechteste Performance in Asien seit
Jahresbeginn. Zudem sei Korea der einzige Markt in Asien, an dem ausländische
Investoren unterm Strich Aktien verkauft hätten. Korea sei einer der Märkte in
der Region mit der höchsten Liquidität. Deshalb leide der koreanische
Aktienindex (KOSPI) trotz günstiger Bewertungen vor allem unter Mittelabflüssen
aus den Emerging Markets. Weitere Einbrüche erwarten die Analysten jedoch nicht,
da sich inländische Institutionen verstärkt in Aktien engagieren würden. Dennoch
sollte sich an der mäßigen Performance des KOSPI kurzfristig nichts ändern.
Die Gewinnaussichten des MSCI Korea für 2006 wurden weiter nach unten korrigiert.
Die Experten gehen von einem Verlust von - 5,6 Prozent aus. Die Aussichten für 2007
wurden hingegen nur leicht von 16,8 auf 16,5 Prozent korrigiert. Grund hierfür sei
ein erwarteter Aufschwung des Gewinnwachstums im Technologiesektor. Der makroökono-
mische Ausblick für Korea werde sich nach Meinung der HSBC-Analysten in nächster
Zeit nicht verbessern. Exporte nehme ab und auch beim Binnenkonsum deuten erste
Anzeichen auf eine Abschwächung hin. Dennoch werden sich die Bedingungen nicht
signifikant verschlechtern, so die Asienspezialisten von HSBC. Die Bewertungen
koreanischer Aktien seien auch weiterhin attraktiv, weshalb HSBC dem koreanischen
Markt insgesamt neutral gegenüber steht. Mittelfristig sei der Ausblick sogar
positiv. Verbesserte Handelsbedingungen könnten den Markt pushen.
Quelle: Investmentfonds.de