15.08.2006
Aktienmarkt: Anhaltende Unsicherheit für Käufe nutzen
Mainz (ots) - Nach einer zweiten Ausverkaufswelle Mitte Juli
verzeichnete der deutsche Aktienmarkt in den letzten Wochen zwar eine
Stabilisierung, ein neuer nachhaltiger Aufwärtstrend konnte
allerdings noch nicht gestartet werden. Vielmehr sorgten das wieder
stärker in den Fokus gerückte geopolitische Risiko, ein anhaltend
hoher Ölpreis sowie eine Reihe von Gewinnenttäuschungen auf
Unternehmensebene immer wieder für Rückschläge.
Auch die herbeigesehnte Pause im Leitzinserhöhungszyklus der
US-Notenbank brachte den Aktienmärkten zunächst nicht den erhofften
Befreiungsschlag. Vielmehr ist das aktuelle Umfeld weiterhin von
deutlicher Skepsis bezüglich der konjunkturellen Entwicklung
gekennzeichnet. Dies fand auch in der Verarbeitung der
US-Berichtssaison ihren Ausdruck, in der negative Zahlen und
Ausblicke (u.a. Intel, Dow Chemical, UPS) eine überproportional
starke Wirkung entfalteten, obwohl die Gesamt-Zahlen eine positivere
Sprache sprechen. Mehr als 70 Prozent der S&P 500-Unternehmen konnten
die Konsensprognosen übertreffen. Insgesamt lag die Gewinnsteigerung
gegenüber dem Vorjahr damit auf Indexebene im zweiten Quartal mit 16
Prozent deutlich über den Erwartungen (+11 Prozent).
In Deutschland glich die Berichtssaison einem Wechselbad der
Gefühle. Nach schwachem Auftakt durch SAP und Infineon folgte eine
Reihe überwiegend positiver Überraschungen (u.a. Allianz, MAN,
Volkswagen). Zuletzt prägten aber wieder verstärkt negative
Quartalsberichte (u.a. Commerzbank, Deutsche Telekom) das Bild und
nährten damit Zweifel, ob der Gewinnzyklus nun nicht doch sein Hoch
erreicht habe.
Angesichts der schwelenden Krise im Nahen Osten, einer wieder
stärker wahrgenommenen Terror-Bedrohung nach den versuchten
Anschlägen in London sowie vieler eher vorsichtig gehaltener
Unternehmensausblicke dürfte die Risikoaversion auf Investorenseite
vorerst weiter hoch bleiben. Auch an der Ölpreisfront zeichnet sich
aufgrund der laufenden Hurrikansaison vorerst noch keine nennenswerte
Entlastung ab. In diesem von Unsicherheit geprägten Umfeld fällt es
schwer, an einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch der Aktienmärkte
zu glauben. Die saisonal ohnehin vorbelasteten Börsenmonate August
und September könnten sich damit auch in diesem Jahr schwierig
gestalten.
Jedoch erscheint nach den jüngsten Kursrückgängen das weitere
Rückschlagspotenzial selbst im Fall von Abwärtsrevisionen der
optimistischen Gewinnprognosen aufgrund des sehr günstigen
Bewertungsniveaus eher gering. Eine Richtungsentscheidung dürfte erst
im Zuge stärkerer Klarheit hinsichtlich des weiteren Schicksals der
US-Ökonomie anstehen. Die aktuell verstärkt ins Spiel gebrachten
Rezessions- oder gar Stagflationsszenarien erscheinen trotz
vorhandener Abkühlungstendenzen überzogen. Insofern bieten sich
schwache Handelstage weiterhin zum Positionsauf- bzw. -ausbau an.
Hierbei stellen insbesondere die großen deutschen Standardtitel
aufgrund der niedrigeren Bewertung gegenüber den Nebenwerten und der
gleichzeitig höheren "Stressresistenz" gegenüber Marktschwankungen
die zu bevorzugende Alternative dar.
Originaltext: LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
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Quelle: news aktuell