15.08.2006
Rentenmarkt: Keine Euphorie
Mainz (ots) - Im bisherigen Jahresverlauf blieb die Marktsituation
überwiegend schwierig, nur der Mai und Juli bescherten jeweils einen
sprichwörtlichen Wonnemonat. Im Juli stützte sich die freundlichere
Stimmung vor allem auf zwei Aspekte: Zum einen haben die
weltpolitischen Gefahrenherde die Schlagzeilen beherrscht und zu
einem risikoscheueren Anlageverhalten beigetragen. Zum zweiten
deuteten diverse Konjunkturzahlen aus den USA verstärkt auf
Wachstumsrisiken hin, so dass die Renditerückgänge auch eine
fundamentale Untermauerung erfuhren. In dieser Gemütslage bewirkte
die zuvor mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartete Zinspause der
US-Notenbank entgegen dem historischen Muster aus den Jahren 1995 und
2000 bisher keinen Befreiungsschlag. Im Gegenteil weisen die
Notenbanken beidseits des Atlantiks weiterhin auf künftige Risiken
für die Preisstabilität hin. Dass ein geldpolitischer Kurs zudem auch
unerwartet Richtungsänderungen unterworfen sein kann, zeigt nicht
zuletzt die Wiederaufnahme der Zinserhöhungen durch die Bank von
England.
Konjunkturell präsentiert sich das Bild, das die weltgrößte
Volkswirtschaft derzeit bietet, noch recht unscharf. Die Daten zeigen
erkennbar eine Abschwächung im Immobiliensektor, und auch der
Arbeitsmarkt konnte zuletzt wiederum die Erwartungen nicht erfüllen.
Auf der anderen Seite stieg der ISM-Index für das verarbeitende
Gewerbe überraschend an und mag sich damit noch nicht in das
schwächere Gesamtbild einfügen. Unter dem Strich jedoch ist für die
US-Wirtschaft künftig mit einiger Wahrscheinlichkeit von
abgeschwächten Expansionsraten auszugehen. Die entsprechende
Unterstützung für die Anlage in Festverzinslichen bleibt jedoch
vermutlich begrenzt, solange sich nicht abzeichnet, dass die
Inflationsgefahren künftig auch ohne Fortführung des geldpolitischen
Straffungskurses unter Kontrolle bleiben. In diesem Punkt stimmen
jüngste US-Daten zu den Lohnstückkosten (+4,2 nach +1,6 Prozent) und
zur Produktivität (+1,1 nach +3,7 Prozent) im zweiten Quartal
nachdenklich. In dem Lohnsteigerungstrend (vor allem im
Dienstleistungssektor) könnten sich nicht zuletzt als Zeichen der
Enge in manchen Bereichen des Arbeitsmarktes bereits gewisse
Zweitrundeneffekte aus den hohen Rohstoff-, Benzin- und
Energiepreisen zeigen.
In Europa wird mehrheitlich mit bis zu zwei weiteren
Satzanhebungen gerechnet, doch dieser Kurs ist seitens der Notenbank
stark an die konjunkturelle Entwicklung gekoppelt. Mit einem
Abschwung in den USA würde sich vermutlich das Zeitfenster für eine
weitere geldpolitische Straffung in Euroland einengen, doch die EZB
signalisiert ebenso wie die Fed trotz zuletzt moderater Entwicklung
der Teuerungserwartungen am Markt weiter Wachsamkeit gegenüber
potenziellen Inflationsgefahren. Dennoch ermäßigten sich die Renditen
im Zehnjahresbereich im Vergleich zu den Juni-Hochs um rund
Basispunkte auf aktuell gut 3,9 (Euroland) bzw. 4,9 Prozent (USA).
Solange sich die mittelfristigen Risiken für die Preisstabilität
nicht abgebaut haben, bleibt das erreichte Niveau anfällig für
Korrekturen, so dass sich zunächst ein Festhalten an der im
bisherigen Jahresverlauf bewährten Strategie der Bevorzugung kürzerer
Laufzeiten anbietet.
Originaltext: LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
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Quelle: news aktuell