11.08.2006
HSBC: Marktbericht zu Asien August 2006
Köln, den 11.08.2006 (Investmentfonds.de) -
Überblick
Der Juli 2006 war wie die Monate zuvor eher enttäuschend für die globalen
Aktienmärkte. Der Ausbruch der Kämpfe im Libanon, steigende Rohölpreise und
eine Verschärfung der chinesischen Geldpolitik führten dazu, dass das
positive Momentum an den weltweiten Aktienmärkten schwer zu halten war.
Überraschenderweise zeigten sowohl die Märkte in Asien ex Japan als auch die
der Emerging Markets insgesamt eine gute Performance. Spitzenreiter waren die
Märkte Thailands und der Philippinen. Die Liquidität am philippinischen Markt
profitiere weiterhin von eingehenden Überweisungen im Ausland arbeitender
Philippinos. Das absehbare Ende der politischen Krise in Thailand sei für den
dortigen Markt positiv, so die Analysten von HSBC. Weniger positiv erging es
den zyklischen Assetklassen im Juli 2006. Vor allem die Märkte in Taiwan mussten
hier Verluste hinnehmen und das nun schon den zweiten Monat in Folge.
Insgesamt seien die regionalen Portfolios derzeit defensiver ausgerichtet, so die
Asienspezialisten von HSBC. Grund hierfür seien vor allem die anhaltende Un-
sicherheit der Investoren in Bezug auf die künftigen Zinsen und das weltweite
Wirtschaftswachstum. Die HSBC-Analysten gehen davon aus, dass es an den Märkten
insgesamt in den nächsten Monaten etwas rau werden könnte. Mittelfristig bleiben
sie aber bei Ihrer positiven Einstellung gegenüber den asiatischen Märkten. Hier
seien die Bewertungen günstig und die Gewinnaussichten gut.
In der zweiten Jahreshälfte 2006 nimmt der Binnenkonsum einen großen Stellenwert
in den HSBC-Portfolios ein. Diese Strategie sei vor allem im Hinblick auf eine
Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums von Vorteil, so die Analysten.
Besonders in Ländern wie China und Indien sollte das Wirtschaftswachstum trotz
der weltweiten Abschwächung positiv bleiben. Diese Tatsache sollte auch dem
Wachstum und den Unternehmensgewinnen in anderen Ländern der Region zugute kommen.
Außerdem seien einige ausgewählte infrastrukturnahe Titel in Asien interessant,
da Unternehmen in China und dem Mittleren Osten bevorzugt in diesen Bereich
investieren.
Auf Länderbene sei derzeit vor allem China attraktiv. Hier finden die HSBC-Analysten
nach dem Bottom-up-Prinzip interessante Titel. Vor dem Hintergrund eines Wirtschafts-
wachstums von über zehn Prozent seien die Aussichten für Unternehmensgewinne hier
besonders attraktiv. Die Experten rechnen damit, dass in der bevorstehenden Berichts-
saison einige Unternehmensgewinne positiv überraschen werden. Das käme auch den
Aktienpreisen zugute.
China: Positives Wachstum
Die meisten Maßnahmen der Regierung, die Wirtschaft abzukühlen, seien bereits auf
den Weg gebracht. Daher gehen die Asienspezialisten von HSBC davon aus, dass sich
die chinesische Regierung in den nächsten Monaten nur mit der detaillierten
Umsetzung dieser Maßnahmen beschäftigen wird. Vorher werde nicht mit weiteren
administrativen Maßnahmen gerechnet. Nach Angaben der National Development and
Reform Commission (NDRC) liegt das Wirtschaftswachstum für die ersten neun Monate
2006 bei 10,8 Prozent. In dieser Prognose ist die Abschwächung auf 10,6 Prozent
im dritten Quartal bereits einkalkuliert. Marktbezogene Maßnahmen wie Zinsschritte
oder Erhöhungen der Reservebestimmungen seien zwar noch denkbar, vom Markt aber
weitestgehend eingepreist.
Die HSBC-Analysten gehen davon aus, dass die derzeitige Verschärfung der Geldpolitik
milde ausfallen werde und deshalb nur begrenzt Einfluss auf den positiven
Wachstumstrend Chinas haben wird. Vor allem der gesunde Binnenkonsum und das
Investitionswachstum sollten Chinas Wirtschaftswachstum weiter unterstützen.
Kurzfristig könnten gute Zwischenergebnisse der Unternehmen, die im August 2006
bekannt gegeben werden, zu einer Rallye am Markt führen. Große Börsengänge, die
im zweiten Halbjahr 2006 bei etwa 20 Milliarden US-Dollar liegen, könnten den Markt
belasten. Doch dieser negative Effekt werde wahrscheinlich durch der Ausweitung der
Investitionsrichtlinien aufgefangen. So komme es zu zusätzlichen Mittelzuflüssen,
die hauptsächlich den chinesischen H-Shares und Redships in Hongkong zugute kommen.
Korea: Gewinnaussichten mäßig
Korea zeige nach Taiwan die schlechteste Performance in Asien seit Jahresbeginn.
Zudem sei Korea der einzige Markt in Asien, an dem ausländische Investoren unterm
Strich Aktien verkauft hätten. Korea sei einer der Märkte in der Region mit der
höchsten Liquidität. Deshalb leide der koreanische Aktienindex (KOSPI) trotz
günstiger Bewertungen vor allem unter Mittelabflüssen aus den Emerging Markets.
Weitere Einbrüche erwarten die Analysten jedoch nicht, da sich inländische
Institutionen verstärkt in Aktien engagieren würden. Dennoch sollte sich an der
mäßigen Performance des KOSPI kurzfristig nichts ändern. Denn Investoren taxieren
den Ausblick der Zinsen und des weltweiten Wirtschaftswachstums. Da helfe es auch
wenig, dass die Bilanz koreanischer Exporte positiv war vor allem aufgrund der
wachsenden Bedeutung Chinas als Handelspartner. Die Gewinnaussichten des MSCI
Korea für 2006 wurden weiter nach unten korrigiert. Die Experten gehen von einem
Verlust von - 5,6 Prozent aus. Die Aussichten für 2007 wurden hingegen nur leicht
von 16,8 auf 16,5 Prozent korrigiert.
Thailand: Positive Signale durch Wahlen
Die Asienspezialisten von HSBC gehen davon aus, dass sich der thailändische Markt
in einer Spanne von 650 bis 700 Punkten bewegen wird. Im Vorfeld der Wahlen (15.
Oktober 2006, vielleicht auch später) könne es zu einer Rallye kommen, so dass der
Markt auch über 700 Punkten notieren könne. Der Markt würde jede neue Regierung
der derzeitigen Übergangsregierung vorziehen, so die HSBC-Analysten. Grund hierfür
seien vor allem die verzögerten Entscheidungen der Übergangsregierung bei Ausgaben.
Ein Anstieg des thailändischen Aktienindex über 750 Punkte sei jedoch un-
wahrscheinlich, da Investoren in Thailand bereits signifikant übergewichtet seien.
Die thailändische Wirtschaftskraft sei im dritten Quartal 2006 weniger stark. Das
liege daran, dass Entscheidungen der Unternehmen und auch der Konsumenten zum
größten Teil erst nach den Wahlen getroffen würden. Dann könne es auch zu Korrekturen
an den Märkten kommen, so die Analysten. Der Markt werde sich dann wieder auf
Gewinnrisiken wie dem hohen Ölpreis konzentrieren, der sich negativ auf die
Gewinnquote der Unternehmen auswirken könnte.
Nach Sektoren befragt, würden die HSBC-Spezialisten gerade ihre Übergewichtung des
Energiesektors zurückfahren. Derzeit bevorzugen sie die günstigen Banken. Hier
seien aufgrund der Liquidität die meisten Mittelzuflüsse zu erwarten. Zudem würden
Bauträger von Hausverkäufen profitieren. Diese seien ebenfalls aufgrund der
politischen Unsicherheit im Land bisher verschoben worden. Die HSBC-Experten
bleiben auch weiterhin im Tourismusbereich übergewichtet. Dieser Sektor sei
weniger anfällig für politische Unsicherheiten. Darüber hinaus gehen die Analysten
von einer Erholung des Sektors nach der Regensaison im dritten Quartal 2006 aus.
Quelle: Investmentfonds.de