19.07.2006
DWS: Marktbericht Europa
Köln, den 19.07.2006 (Investmentfonds.de) -
Wechselbad im Juni. Nachdem die Aktienmärkte zur Monatsmitte noch ein Tief markiert
hatten, setzte danach eine deutliche Erholung ein. Zunächst nutzten Schnäppchenjäger
die niedrigen Bewertungen und griffen bei Standardwerten zu. Danach sorgte die
US-Notenbank für weitere Kursdynamik. Im Zuge der erwarteten Zinserhöhung um 25
Basispunkte wies die Federal Reserve zwar weiterhin auf die Inflationsrisiken hin,
gleichzeitig – so die Interpretation – stellte sie jedoch eine Zinspause in Aussicht.
Zudem zeigten diverse Daten eine leichte Abschwächung der US-Wirtschaft, so dass
weiterhin mit einer „weichen Landung“ der Konjunktur zu rechnen ist.
Diese Impulse reichten bis nach Europa und trugen zu einem Monatsplus im marktbreiten
Dow Jones STOXX 600-Index von 0,6 Prozent bei. In Europa signalisierten die
Stimmungsindikatoren eine weiterhin robuste wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung. Zum
Beispiel verbesserte sich der Ifo-Geschäftsklimaindex in Deutschland auf ein
15-Jahres-Hoch. Die Inflationsrisiken sind unserer Meinung nach geringer als in den
USA.
Auf Sektorenebene verlief die Kursentwicklung im Juni gemischt: Automobilaktien zeigten
sich sehr schwach; die Preisnachlässe in den USA, der hohe Ölpreis und der feste Euro
belasteten. Unter dem Strich schlossen nach der relativ guten Wertentwicklung im
Vormonat auch Telekomwerte, nachdem die bekannten strukturellen Probleme wieder in den
Vordergrund getreten waren. Überdurchschnittlich gut schnitten dagegen die Branchen
Einzelhandel, Pharma und Nahrungsmittel ab, die von den Anlegern als „sicherer Hafen“
gesucht waren.
Auf der Unternehmensseite herrschte vor den anstehenden Quartalsberichten noch
weitgehend Ruhe vor dem Sturm. Bei einzelnen Titeln gab es aber doch Bewegung: Das
britische IT-Unternehmen Misys profitierte von Übernahmegerüchten und legte deutlich zu.
Gleiches gilt für die griechische Emporiki Bank, an welcher der französische Crédit
Agricole Gefallen gefunden hat. Der Luxemburger Stahlkocher Arcelor legte nach dem
nochmals erhöhten Übernahmeangebot des Konkurrenten Mittal zu.
Negativ auf fiel der europäische Rüstungs- und Raumfahrtkonzern EADS;
Produktionsverzögerungen bei dem neuen Großraumflugzeug A 380 wurden von der Börse hart
bestraft. Stark ins Minus rutsche auch
der österreichische Sportwettenanbieter Betandwin, der wieder einmal das Ziel von
Leerverkäufen war. An unserer Einschätzung vom Vormonat hat sich im Wesentlichen nichts
geändert: Die Inflation bleibt in Europa ein Thema, jedoch könnten Zinserhöhungen für
eine gewisse Entspannung sorgen. Derzeit sind auch keine Zweitrundeneffekte zu
erkennen. Für den Aktienmarkt sprechen eine niedrige Bewertung, eine stabilen
Entwicklung der Unternehmensgewinne, eine robuste Konjunktur und fehlende
Anlagealternativen.
Quelle: Investmentfonds.de