27.06.2006
Activest Meinung: Die internationalen Finanzmärkte
Köln, den 27.06.2006 (Investmentfonds.de) -
Aktienmärkte
Nahe liegend im Vordergrund steht das FOMC-Meeting am Donnerstag (29.06.) als
zentralem Wochenereignis. Trotz der "Streuung" in den öffentlichen Kommentaren mit
zuletzt teilweise divergierenden und verunsichernden Tendenzaussagen einzelner
Fed-Gouverneure erscheint eine nächste Leitzinsanhebung auf dann 5,25% als
wahrscheinlichstes Szenario. Dieser Schritt ist an den Märkten auch weitgehend
eingepreist.
Die US-Konjunkturdaten verdeutlichen im Gesamtbild die gegenwärtige Dilemma-Situation
der Fed. In der Tendenz spiegelt sich in den aktuellen Daten ein wachsender Preisdruck
wider, während die US-Wirtschaft insgesamt erkennbar an Dynamik einbüßt hat. Die
Hauptsorge der Aktienmärkte liegt darin, dass die US-Notenbank in ihrem bislang noch
intakten Zinserhöhungszyklus ihre geldpolitische Straffung überziehen könnte.
Im Unterschied zur Wall Street, die bereits in der Vorwoche zu einer erkennbaren
Marktstabilisierung ansetzte, konnten in der zurückliegenden Woche auch die europäischen
Börsen ihre Unterstützungsniveaus weiter nach oben ziehen. In Folge der ausgedehnten
Konsolidierungsformationen wurden auch die steil fallenden Abwärtstrends seit den
Mai-Tops mehrheitlich durchbrochen. Allerdings gelang bisher nur wenigen Märkten in
unserem internationalen Universum die Rückkehr über die 200-Tagelinie.
Rentenmärkte
Angesichts der wenigen Konjunkturdaten im Rückblick war die Stärke der Marktbewegungen
mit einem neuen Vierjahreshoch bei 5,23% für die Renditen 10-jähriger US-Treasuries doch
erstaunlich. Trotz der mehrheitlich eher schwächeren Konjunkturdaten kletterten die
Renditen im Wochenverlauf - und auf Schlusskursbasis zum achten Mal in Folge -
kontinuierlich an. Dahinter steht vor allem die wachsende Nervosität der Märkte,
die Fed könnte in ihrem bislang intakten Zinserhöhungszyklus die geldpolitische
Straffung überziehen.
Trotz der mittlerweile klar überverkauften Markttechnik lässt das deutlich angespannte
Marktsentiment einen Anstieg bis in den Bereich von 5,30%/5,33% (Mai-Hoch 2002) bei
belastenden Marktdaten noch nicht ausschließen. Umgekehrt würde vor allem aus der
Erklärung zur Zinsentscheidung der Fed von der Andeutung einer temporären
Zinserhöhungspause eine deutlichere Erholungsbewegung angestoßen werden können.
Angesichts des aktuell volatilen Marktumfeldes würde ein Rückgang 10-jähriger Treasuries
bis in den Bereich 5,15%/5,10% dann ebenfalls kaum überraschen.
Im Euroraum legten die deutschen Erzeugerpreise im Mai um beunruhigende 6,2% ggü. VJ
zu, blieben aber zumindest im Monatsabstand hinter den Erwartungen zurück. Angesichts
der - streikbedingt - fehlenden Erfassung der deutschen Daten blieb die Rückwirkung
der deutlich schwächer als erwarteten und vermutlich revisionsbedürftigen
Auftragseingänge im Euroraum letztlich begrenzt. Umso nachhaltiger kletterten die
Renditen im Euroraum im Sog des US-Marktes. Im Unterschied zu Treasuries reichte der
Renditeanstieg bei 10-jährigen Eurobonds um immerhin 14 Renditestellen auf 4,08% aber
nicht ganz an die Doppelspitze und Jahreshoch von Mitte Mai bei 4,09% heran.
Quelle: Investmentfonds.de