22.06.2006
Robeco: Werden die Korrekt. an den Märkten anhalten? - Makroökonomischer Ausblick
Köln, den 22.06.2006 (Investmentfonds.de) - Die aktuellen Unsicherheiten an den
Finanzmärkten werden bisweilen als eine Reaktion auf die wachsende Inflationsangst
gewertet. Das könne aber nicht der einzige Grund sein, sagt Lex Hoogduin,
Chefvolkswirt bei Robeco. Denn zum einen seien Aktien bei wachsenden Inflations-
ängsten die bessere Absicherung als Rentenpapiere. Dennoch leiden gerade die
globalen Aktienmärkte unter Kurseinbrüchen. Zum anderen treiben unsichere Inflationserwartungen die Nachfrage nach Gold in die Höhe. Der Goldpreis gab
aktuell jedoch nach.
Was also hat den Aufruhr an den Märkten verursacht?
Für Lex Hoogduin ist es zum einen die Erkenntnis der Anleger, dass die Welt nicht
mehr so stabil und vorhersehbar ist, wie bisher angenommen. Einer der Gründe
hierfür ist die ungewisse Währungspolitik der amerikanischen Zentralbank (Fed).
Vor allem die Unsicherheit über den Zeitpunkt der Wende des US Zins- und
Wachstumszyklusses ist mit der Hauptgrund für die gestiegene Risikowahrnehmung
und die Volatilität. Zum anderen waren die Risikoprämien aufgrund des gestiegenen
Risikoappetits der Anleger an vielen Märkten auf einem sehr niedrigen Niveau.
Durch die Korrekturen wurden die Risikoprämien großteils wieder auf ein "normales"
Niveau zurückgeführt. Lex Hoogduin geht nicht davon aus, dass dieser Umkehrungs-
prozess schon abgeschlossen ist. Die Langzeitzinsen in den USA und Europa sind
niedriger als während eines Wachstumstrends unter dem Gesichtspunkt der Preis-
stabilität zu erwarten sei.
Werden die Korrekturen an den Märkten kurzfristig anhalten?
Hoogduin hält das durchaus für möglich. Es müsse sogar damit gerechnet werden,
dass die Kurse unter ein gesundes Maß fallen. Der Ausblick für die US-Wirtschaft,
der Ölpreis oder politische Einflüsse wie die Situation im Iran und im Mittleren
Osten sind Faktoren, die zu einer Überhitzung führen könnten. Vor allem schlechte
Nachrichten der beiden letztgenannten Faktoren können zu einer erhöhten Risiko-
aversion der Anleger führen, gute Nachrichten hätten den gegenteiligen Effekt.
Ausblick USA
Entscheidend für Lex Hoogduin ist jedoch die Situation in den USA. Der Tumult an
den Märkten sei von den den amerikanischen Finanzmärkten ausgegangen und habe sich
dann auf die restlichen Märkte ausgeweitet, die Rohstoffmärkte eingeschlossen. Die
Auswirkungen an den restlichen Märkten waren sogar noch stärker als am US-Markt
selbst. Grund hierfür ist, dass diese Märkte als risikoreicher wahrgenommen werden
als die USA.
Für den Ausblick der USA gibt es für Hoogduin derzeit zwei Kernfragen. Zum einen
stellt sich die Frage, wie weit die Geldpolitik nach Meinung der Fed angezogen werden
muss, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen. Zum anderen ist unklar, wie sehr
sich die US-Wirtschaft abkühlen wird. Derzeit scheint für Hoogduin das Szenario einer
milden Abschwächung (Wachstum zwischen 2,5 und 3 Prozent) am wahrscheinlichsten.
Langfristig gesehen sei eine Abkühlung unvermeidlich. Das Wachstum liege über seinem
Potenzial und es gäbe kaum Reservekapazitäten, so Hoogduin. Die Fed werde in naher
Zukunft eine Abschwächung einfädeln, da ist sich Hoogduin sicher. Die Frage lautet
also nicht, ob es zu einem Rückgang des US-Wachstums kommt, sondern wann der Rückgang
eingeleitet wird und wie stark die Abkühlung sein wird. Eine leichte Abkühlung deute
sich bereits an. Jedoch liege das Wachstum höher als bisher angenommen. Es ist also
fraglich, ob die Abschwächung ausreichen wird, um die Inflation unter Kontrolle zu
bekommen.
Diesen Monat sei es für die Fed am vernünftigsten, nichts zu unternehmen, sagt Lex
Hoogduin. Grund hierfür sind für ihn die zugrundeliegenden Daten. Dennoch sei es
diesen Monat sehr wahrscheinlich, dass der US-Notenbankchef Ben Bernanke die Zinsen
um 25 Basispunkte anheben wird, um Spektikern zu zeigen, dass er die Inflation
ernstahft bekämpft.
Die von der US-Wirtschaft ausgehenden Entwicklungen an den Finanzmärkten scheinen
bislang keinen großen Einfluss auf die Volkswirtschaften in der Eurozone und Japan
zu haben. Die Eurozone hält mit einer Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts
zwischen 2 und 2,5 Prozent den Kurs. Die Deflation in Japan scheint überwunden, so
Hoogduin. Der bisher geringe Einfluss auf diese Volkswirtschaften könne sich jedoch
ändern. Die Abschwächung des US-Wachstums und / oder die höheren Risikoprämien
könnten das Wachstum der restlichen Märkte negativ beeinflussen. Dennoch geht
Hoogduin davon aus, dass dieses Jahr für die Weltwirtschaft gut bleibt.
Bildlich gesprochen könnte man sagen, dass am bisher wolkenlosen, blauen Himmel ein
paar Wolken aufgezogen sind. Vorerst bleibt die Regenwahrscheinlichkeit jedoch gering.
Quelle: Investmentfonds.de