16.06.2006
Fidelity: Volatilität an den Märkten weltweit
Köln, den 16.06.2006 (Investmentfonds.de) - Ungeachtet positiver Fundamentaldaten
reagieren die Aktienmärkte zunehmend auf die erhöhte Risikoaversion der Anleger.
Am Morgen des 8. Juni 2006 eröffnete der Londoner FTSE 100 im Minus. Auch der
französische CAC-Index sowie der deutsche DAX notierten um mehr als 2% leichter.
Über Nacht verlor der Nikkei 3% seines Werts, während die Kurse an Wall Street den
dritten Tag in Folge nachgegeben hatten. Im Folgenden werden wir die Gründe für
diese Volatilität und ihre Bedeutung für Anleger in den großen Wirtschaftsregionen
näher beleuchten.
Das Sorgenkind heißt Inflation
Auslöser der aktuellen Verluste ist die Sorge, die US-Notenbank könnte auf die
Inflationsängste der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses Ende Juni mit einer
neuerlichen Anhebung der Zinsen reagieren. Zum Wochenauftakt hatte der USNotenbankchef
Ben Bernanke die Inflationssorgen der Zentralbank bestätigt. Zudem bezeichnete der
Chef der Notenbank von Atlanta, Jack Glynn, die jüngsten Inflationszahlen als
„beunruhigend“.
Nun befürchten die Anleger rund um den Globus, dass eine weitere Zinsanhebung in den
USA die amerikanische Wirtschaft drosselt, was unmittelbare Folgen für die Weltwirt-
schaft hätte. Hierzu passt die jüngste Umfrage der Notenbank von Philadelphia, die
eine deutlichere Abkühlung des Wirtschaftswachstums in den USA in der zweiten
Jahreshälfte andeutet als bisher erwartet. Laut dieser Umfrage wird ein Wachstum
von 2,9% prognostiziert, nach 3,1% aus früheren Prognosen.
Ein schwächerer US-Dollar könnte helfen, das US-Handelsdefizit zu senken und wäre
demnach wünschenswert. Die Aktienanleger aber prüfen derzeit alle Meldungen und Daten
aus der Wirtschaft daraufhin, ob sich ihre Befürchtungen berechtigt sind.
Keine Änderung der positiven Fundamentaldaten in Sicht
Zwar ist die Risikoaversion spürbar gestiegen, die Aktienbewertungen aber bleiben
attraktiv. Überdies erwirtschaften die Unternehmen weiter einen hohen Cashflow. In
Europa beispielsweise liegt die freie Cashflow-Rendite derzeit bei fast 7%. Als
weiterer Vorteil dürften sich die sanierten Bilanzen erweisen. Auf Basis dieser
Kennzahlen müssten die Bewertungen den Markt stützen.
Ein Blick auf die Unternehmen und ihre Gewinne zeigt, dass Letztere auch in nächster
Zeit weiter solide wachsen dürften. Im ersten Quartal steigerten US-Unternehmen ihren
Gewinn im Durchschnitt um 19% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Weltweit wird mit
einem Gewinnanstieg um 12% in diesem Jahr gerechnet. Auch die Bilanz der Gewinnkorrek-
turen nach oben fällt weiter positiv aus. Von dieser Seite ist ebenfalls mit Unter-
stützung zu rechnen.
Neben den attraktiven Bewertungskennzahlen sticht ein interessantes Merkmal des
aktuellen Markttrends deutlich hervor: die geringen Bewertungsunterschiede. Zwischen
den Regionen (Emerging Markets versus Industrieländer), Branchen, Marktkapitali-
sierungen, Anlagestilen und Fundamentaldaten haben sich die Bewertungsunterschiede
deutlich verringert und haben interessanterweise das Auftreten von Marktanomalien
begünstigt. Nebenwerte beispielsweise werden nun gegenüber Standardwerten mit einem
Aufschlag gehandelt, während sich der Abschlag bei Substanzwerten spürbar verringert
hat. Für Stockpicker hält ein solches Marktumfeld zahlreiche attraktive Anlagechancen
bereit.
Was bedeutet das für die Anleger?
Für aktive Stockpicker ist Volatilität an sich nichts Schlechtes, denn sie legt
Chancen offen, die zuvor im Verborgenen lagen. In den letzten Monaten waren die
Aktienkurse ungeachtet der Qualität der Unternehmen in allen Bereichen gestiegen.
In Phasen mit stärkeren Schwankungen aber trennt sich die Spreu vom Weizen. Heute
getroffene Anlageentscheidungen können daher die Grundlage für eine künftige
Outperformance legen. Für den Großteil der Privatanleger dürfte die beste Strategie
sein, nichts zu tun. Es ist nahezu unmöglich, an den Märkten den besten Zeitpunkt
abzupassen, und die Gefahr, den erneuten Aufschwung zu verpassen, ist einfach zu groß.
Wie zu erwarten, hat der Rückgang an den globalen Aktienmärkten die Nachfrage nach
festverzinslichen Anlageprodukten beflügelt. Hinterfragen sollte man dabei jedoch, ob
der Rückgang der Anleihenrendite und der damit einhergehende Anstieg der Anleihenkurse,
wie wir ihn diese Woche bei Staatsanleihen erlebt haben, lediglich eine Panikreaktion
auf den Kurseinbruch bei Aktien ist oder ob noch andere Ursachen vorliegen könnten.
In Frage käme auch die Angst vor nachlassendem Wachstum, denn Inflationssorgen ziehen
in der Regel höhere Anleiherenditen nach sich.
Quelle: Investmentfonds.de