14.06.2006
DWS: Marktkommentar Aktien Juni 2006
Köln, den 14.06.2006 (Investmentfonds.de) -
Von den USA ausgehende Inflations- und Zinssorgen lösten im Mai eine massive Korrektur
auf den europäischen Aktienmärkten aus. Der marktbreite Dow Jones STOXX 600-Index
verlor binnen Monatsfrist gut 5,2 Prozent – mithin die schwächste Bilanz seit langer
Zeit. Nur ein kleiner Teil der Indexwerte schloss den Monat im Plus. Auch gute
Unternehmensergebnisse wie insbesondere bei einer Reihe von Finanzwerten wurden
komplett ignoriert und von der Ausverkaufswelle überrollt.
Gewinne wurden vor allem in den Branchen und Segmenten mitgenommen, die zuvor am
stärksten von der Hausse profitiert hatten. Dementsprechend standen auf der
Verliererliste Industrie-, Grundstoff-, Energie- und Finanzwerte ganz oben. Hingegen
schnitten die Enttäuschungen von gestern wie Telekommunikation und Pharma relativ gut
ab. Arg gebeutelt wurde das Segment der Small Caps und MidCaps, und zwar
branchenübergreifend. Nach einer mehrjährigen Phase mit überdurchschnittlich guter
Wertentwicklung führten zum Teil panikartige Verkäufe bei niedriger Liquidität mitunter
zu zweistelligen prozentualen Tagesverlusten.
Immer wieder wurde die Inflationsentwicklung als größtes Risiko für die Aktienmärkte
dargestellt. Dabei lagen die die Korrektur auslösenden US-Daten tatsächlich nur
unwesentlich über den Erwartungen. Zudem hat sich der durch die hohen Rohstoffpreise
aufgebaute Inflationsdruck mittels Zinserhöhungen bis dato als beherrschbar erwiesen.
Auch sind bislang Zweitrundeneffekte in Form der Lohn-Preis-Spirale sowohl in den USA
als auch in Europa ausgeblieben, was auch von der Deutschen Bundesbank bestätigt wird.
Es hat den Anschein, als würden die Zentralbanken dem Thema Inflation erhöhte
Aufmerksamkeit schenken und die Erwartungen von Zinserhöhungen leicht nach oben
korrigiert werden müssen – obgleich deutliche inflationäre Tendenzen bislang nicht
erkennbar sind. Vor allem der US-Notenbank Fed stellt sich die schwierige Aufgabe
einer präventiven Inflationsbekämpfung, ohne dabei durch zu starke Zinserhöhungen die
Konjunktur abzuwürgen. In Europa ist die Situation angesichts einer geringeren
Verschuldung der privaten Haushalte etwas weniger angespannt. Das Schreckgespenst einer
Stagflation in den USA führte zudem zu einer Abwertung des US-Dollars gegenüber dem
Euro, was zusätzlich Druck auf exportorientierte europäische Aktien auslöste.
Fundamental hat sich auf den europäischen Aktienmärkten nicht viel geändert. Die
Inflation bleibt ein Risiko, Zinserhöhungen könnten jedoch für eine gewisse Entspannung
sorgen. Zudem sind in Europa derzeit keine Zweitrundeneffekte zu erkennen. Aus unserer
Sicht gilt weiterhin, dass die Märkte günstig bewertet sind, sich die Unternehmensgewinne
stabil entwickeln, die Konjunktur robust ist und Anlagealternativen rar gesät sind.
Kurz: Das Umfeld für Aktien ist unserer Einschätzung nach überwiegend positiv.
Quelle: Investmentfonds.de