14.06.2006
Fondsmanager fürchten Inflation und Zinsschraube
Köln, den 14.06.2006 (Investmentfonds.de) -
(DER FONDS) Der Wirtschaftszyklus steht vor einem Wendepunkt: Nahezu die Hälfte
(42 Prozent) der weltweiten Fondsmanager glaubt, dass die Weltwirtschaft derzeit
überdurchschnittlich stark wächst. Einen Monat zuvor hatten das nur 33 Prozent gedacht.
Das geht aus der aktuellen Juni-Umfrage von Merrill Lynch hervor.
Knapp zwei Drittel der Befragten rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit verstärkter
Inflation und daher auch mit weiteren Zinserhöhungen der Notenbanken. Fast ebenso viele
Fondsmanager (61 Prozent) erwarten, dass sich gleichzeitig die globale Konjunktur
abschwächen wird. Im Vormonat waren es nur 43 Prozent. Eine schwächelnde Wirtschaft
hinterlässt jedoch auch Spuren in den Firmenbilanzen. Während im Mai noch 44 Prozent
der Befragten von sinkenden Unternehmensgewinnen ausgingen, sind es im Juni schon
57 Prozent. Und 59 Prozent erwarten für die kommenden sechs Monate sinkende Kurse an
den globalen Aktienmärkten.
Der gestiegene Pessimismus holt die bis vor kurzem noch favorisierten Anlageregionen
Japan und die Schwellenländer aus dem Rampenlicht. Japanische Aktien werden jetzt
noch von 43 Prozent der Fondsmanager übergewichtet; im Mai waren es noch satte
62 Prozent. Bei den globalen Schwellenländern ist die Optimistenquote von 49 Prozent
im Mai auf nunmehr ein Drittel (33 Prozent) geschrumpft. Cash ist hingegen leicht
in der Gunst der Fondsmanager gestiegen – der Baranteil in ihren Portfolios ist
im Durchschnitt von 4,1 auf 4,5 Prozent gewachsen. Dies sei eine der höchsten Quoten
seit Beginn der Umfrage, heißt es von Merrill Lynch.
Ausreichende Mittel für Neuinvestitionen wären also durchaus vorhanden, falls die
Inflationsangst wieder abnehmen sollte, kommentiert Merrill Lynch das Ergebnis.
Allerdings werde das Geld wohl nicht wieder vollständig in dieselben Regionen fließen,
aus denen es abgezogen wurde. Vielmehr zählten wieder Qualität und Größe. So will
laut Umfrage jeder vierte Fondsmanager (26 Prozent) US-Aktien in den kommenden zwölf
Monaten übergewichten; im Mai waren es nur 17 Prozent. Die Schwellenländer wollen
dagegen 29 Prozent der Befragten untergewichten – nach 21 Prozent im Vormonat.
Der Optimismus für Japan ging um 3 Prozentpunkte auf 26 Prozent zurück; der Anteil
der Pessimisten stieg um 5 Prozentpunkte auf 13 Prozent an.
Auf Branchenebene werden die Energieunternehmen von 40 Prozent der Befragten bevorzugt.
Jeder dritte Fondsmanager (33 Prozent) hingegen hält Pharma- und
Gesundheitsunternehmen für besonders attraktiv. Eher unbeliebt sind derzeit die
Unternehmen für höherwertige Konsumgüter und die Versorger. Beide Branchen werden von
35 Prozent der Befragten untergewichtet.
INFO: Merrill Lynch befragt monatlich Fondsmanager weltweit zu ihrer Einschätzung der
Finanzmärkte. Für die Juni-Umfrage wurden vom 2. bis 8. Juni 194 Fondsmanager befragt.
Die Umfrage-Teilnehmer verwalten zusammen ein Vermögen von etwa 568 Milliarden Dollar.
-thg-
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Quelle: Investmentfonds.de