02.06.2006
Bank Hofmann: Bewegung an der Währungsfront
Köln, den 02.06.2006 (Investmentfonds.de) - Im Zentrum des Marktgeschehens steht
einmal mehr der US-Dollar. Im Sog des Technologiebooms, der die USA zum magischen
Anziehungspunkt für internationale Kapitalien machte, kletterte der "Greenback" einst
sieben Jahre lang von einem Hoch zum anderen. 2002 trat dann als Folge der geplatzten
Blase eine markante Wende ein. Um ein Abgleiten in die Rezession zu verhindern,
musste die Fed das Zinsniveau auf ein rekordtiefes Niveau zurückführen. Ein riesiges
Defizit in der Leistungsbilanz und eine stark expansive Fiskalpolitik bildeten die
Zutaten eines kräftigen Baisse-Mixes für die US-Valuta. Bereits 2005 wurde der
Dollar allerdings wieder zu einer begehrten Anlagewährung. Ein starker Aufschwung
hatte die Zentralbank in Amerika nämlich dazu bewogen, ihre Geldpolitik mittels
eines längeren Reigens von Leitzinserhöhungen zu normalisieren, während auf dem
europäischen Kontinent und in Japan weiterhin ein ausgeprägt expansiver monetärer
Kurs zur Bekämpfung der hartnäckigen Wirtschaftsflaute angesagt war. Der immer
größere US-Zinsvorsprung wurde schließlich zum dominanten Wechselkurs-Bestimmungs-
faktor, obwohl das Defizit der amerikanischen Leistungsbilanz ungebremst weiter
zunahm. Dieser kurze historische Abriss lässt grundsätzlich wenig Positives für
den Dollar in den nächsten Monaten erwarten. Obwohl das Zinsgefälle zu den europäischen
Devisen wie auch zum Yen nach wie vor beachtlich groß ist, hat bereits die Erwartung,
dass es sich nun allmählich verringern dürfte, zu einem signifikanten Kursrutsch geführt.
Es zeichnet sich ab, dass die amerikanische Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte
deutlich an Dynamik verlieren wird. Deswegen ist davon auszugehen, dass sich die
geldpolitische Perspektive in den USA allmählich in die Richtung einer möglichen
Lockerung verschieben wird, während die Zentralbanken Europas und Japans vorerst
ihre Zügel noch straffen. Dieses Zinsszenario spricht in Verbindung mit dem Problem
des Defizits der Leistungsbilanz für eine deutliche weitere Abschwächung des Dollars.
Dies zumindest bis Ende 2006.
Im Austauschverhältnis des Euro zum Pfund Sterling wie auch zum Schweizer Franken
herrschte in den letzten drei Jahren eine im Vergleich zu früher ziemlich stabile
Situation. Unterschiedliche Entwicklungen führten jedoch inzwischen dazu, dass die
Europäische Einheitswährung zwischen Dezember 2005 und März 2006 gegenüber dem
Pfund Sterling und dem Schweizer Franken drei Prozent zulegen konnte. Seit Ende
März zeichnet sich nun wieder ein Favoritenwechsel ab, die Trends haben in die
Gegenrichtung gewendet und das Pfund Sterling wie auch den Schweizer Franken um
zwei Prozent steigen lassen. Bank Hofmann rechnet in den nächsten Monaten mit
einer Fortsetzung der neuen Tendenzen, denn einerseits stehen hinter dem Auftrieb
für die britische Devise merklich günstigere Konjunkturdaten und andererseits dürfte
die Schweizer Landeswährung angesichts steigender makroökonomischer Unsicherheiten
und entsprechender Nervosität an den Finanzmärkten noch in verstärktem Maß wieder
als sicherer Hafen entdeckt werden.
Auch das Kursschicksal der japanischen Währung wurde in den letzten Jahren weitgehend
durch Zinsdifferenzen geprägt. Als die US-Notenbank ab Mitte 2004 ihren Leitzins
allmählich in die Höhe schraubte, geriet die Nullzinspolitik der Bank of Japan dem
Yen zunehmend zum Nachteil und setzte ihn entsprechend unter Druck. Im Verhältnis
zum Euro besteht seit Anfang 2001 ein nie gebrochener Abwärtstrend von Nippons Valuta.
Andere fundamentale Kriterien, namentlich die nicht existente Teuerung und der
hohe Leistungsbilanzüberschuss Japans, haben indessen in den letzten Jahren ein
Aufwertungspotenzial geschaffen. In der zweiten Hälfte von 2006 wird die Bank of
Japan von ihrem jahrelangen Nullzinskurs abrücken, da die Deflation nun als
überwunden gelten kann. Unter stärkeren Aufwärtsdruck könnten die JPY-Notierungen
etwa ab Anfang 2007 geraten, wenn der Zinszyklus in den USA - und mit etwas
Verzögerung auch in Europa – wahrscheinlich nach unten dreht, während die japanische
Zentralbank immer noch im Begriff ist, das Zinsniveau nach oben zu normalisieren.
Quelle: Investmentfonds.de