02.06.2006
Templeton: Mark Mobius zur derzeitigen Marktvolatilität
Köln, den 02.06.2006 (Investmentfonds.de) - Die derzeitige Volatilität
an allen globalen Aktienmärkten - ausgeprägter an den Emerging Markets -
stellt aus unserer Sicht eine gesunde Korrektur der Märkte dar. In einem
Bullenmarkt, der schon so lange läuft, eine durchaus normale Erscheinung.
Zur Zeit gibt es keine starken Anzeichen einer globalen Wirtschaftskrise,
obwohl die Fiskal- und Handelsbilanzdefizite der USA mit Sorge betrachtet
werden.
Die Volatilität an den Schwellenmärkten ist vor dem Hintergrund einer beinahe
drei Jahre anhaltenden Phase enormer Gewinne an den Aktienmärkten in aller Welt
zu sehen. Während diese Gewinne in den letzten Wochen abgeschmolzen sind,
sprechen die Fundamentaldaten des Marktes dafür, dass diese Korrektur nur von
kurzer Dauer sein wird. Für das Argument "nur keine Panik" spricht auch, dass
die KGV-Werte der meisten Aktienmärkte nahe an, wenn nicht sogar unter, ihren
langfristigen Durchschnitten liegen (die KGV der Emerging Markets liegen unter
denen der USA und Deutschlands). Das unterstützt auch die These, dass diese
Bereinigung dazu führte, dass die Aktienmärkte etwas von dem Dampf ablassen
konnten, der sich deutlich aufgebaut hatte.
Genauer gesagt, haben die Aktienmärkte der BRICLänder aus unserer Sicht durch
diese Korrektur - nach einem massiven Anstieg, der weitgehend von Momentum-Käufen
getrieben worden war - nur eine dringend nötige Atempause eingelegt. Angesichts
der angemessenen Bewertungsniveaus bei vielen Unternehmen hoher Qualität können
wir dennoch einen Ausstieg aus einem dieser Märkte nicht rechtfertigen.
In der Tat betrachten wir diese Korrektur als eine Gelegenheit für weitere
Käufe und sind zuversichtlich hinsichtlich der weiteren Aussichten. Seitdem haben
sich die Aktienmärkte Ende März wieder leicht erholt. Zum Handelsschluss am Freitag,
den 26. Mai, tendierten die Märkte in Asien wieder fester. In Hongkong gewann der
Hang Seng Index 1,3%, in Japan der Nikkei 225 Index 1,8% und in Indien der Sensex
Index 1,3%. Auch in Europa legten die Märkte wieder zu. In Paris gewann der
CAC-40 Index 1,1%, in Frankfurt der Xetra Dax 0,4% und in London der FTSE-100
Index 0,9%. In China erholte sich der Shanghai Composite Index ebenfalls von der
jüngsten Marktvolatilität, als Schnäppchenjäger die Kurse zum Börsenschluss am
Freitag, den 26. Mai, in die Höhe trieben. Diese Gewinne ergaben sich auch aus
einer Revision der bereits boomenden Wirtschaft des Landes. Peking revidierte
das BIP-Wachstum für das erste Quartal von der vorläufigen Schätzung von 10,2%
auf nun 10,3%.
Obwohl das globale BIP seit 11 Quartalen in Folge mit einer Jahresrate von 4%
gewachsen und die globale Inflation trotz der Verdreifachung des Ölpreises
seit dem Jahr 2003 relativ niedrig geblieben ist, entwickelt sich die Weltwirtschaft
trotz dieser jüngsten Anpassungen insgesamt erfreulich. Natürlich gibt es auch
einige Probleme, z. B. höhere US-Zinsen, einen schwächeren US-Dollar und
rückläufige Rohstoffpreise. Betrachtet man diese Faktoren nacheinander, so
steigen die US-Zinsen seit beinahe zwei Jahren und sind vom Markt bereits
weitgehend berücksichtigt. In Bezug auf den schwächeren US-Dollar sollte man
beachten, dass die asiatischen Währungen seit einiger Zeit unterbewertet sind
und eine gewisse Aufwertung unvermeidlich scheint.
Tatsächlich kann eine derartige Aufwertung die Entwicklung der Binnenwirtschaft
der asiatischen Länder unterstützen. Nun zu den aufgeblähten Rohstoffpreisen.
Es wird häufig gefordert, dass diese Preise wieder sinken müssen; eine gewisse
Korrektur ist zu erwarten. Aber die Gewinnspannen sind so extrem hoch, dass
Unternehmen wie die russische Lukoil sogar mit Ölpreisen von nur USD 30 pro
Barrel sehr gut leben können. Es ist gewiss zutreffend, dass der massive
Kursanstieg bei einigen Anlageklassen vom Momentum getrieben wird. Dennoch
unterscheidet sich die Lage sehr deutlich von der Technologieblase Ende der
1990-er Jahre. Damals schütteten Anleger viel Geld in zahlreiche Unternehmen,
die keine Gewinne erzielten und keine Dividenden ausschütteten.
Auch in Bezug auf die jüngsten Gewaltausbrüche in Brasilien hat sich die Lage
nicht geändert. Wir als Anleger haben Gewalt und Verbrechen in den Städten
Brasiliens bereits seit langem berücksichtigt. Mit Interesse verfolgen wir
die jüngsten Maßnahmen der Behörden, gegen die Verbrecherbanden vorzugehen,
die aus den Gefängnissen heraus operieren. Dabei geht es darum, die Bosse
in Einrichtungen zu verlegen, die von den wichtigsten Brennpunkten weiter
entfernt sind.
Mai 2006
Mark Mobius, Singapur
Quelle: Investmentfonds.de