23.05.2006
Activest Meinung: Die internationalen Finanzmärkte
Köln, den 23.05.2006 (Investmentfonds.de) -
Aktienmärkte
Die Volatilität an den Börsen ist unverändert hoch, so dass die zuletzt
ausgebildeten Unterstützungsböden noch weiteren Testversuchen hinsichtlich
einer nachhaltigen Belastbarkeit ausgesetzt werden dürften. Symptomatisch
dafür der japanische Nikkei, der Montag früh nach guter Eröffnungsphase
vergeblich gegen einen Kurswiderstand anlief, um nachfolgend erstmals seit
8. März wieder unter 16.000 auf einem mehr als zweimonatigen Tief zu schließen.
Ursächlich waren Stimmungseintrübungen u.a. auch im Hinblick auf die fallenden
Rohstoffnotierungen nach den deutlichen Kurssteigerungen in den Vorwochen.
Im Unterschied zum nahezu "entleerten" Terminkalender am Montag sieht die
Berichtswoche im Verlauf wieder eine Vielzahl an relevanten Konjunktur- und
Preisdaten insbesondere für die USA vor, zumal mit Schwerpunkten zum Privaten
Verbrauch und den Immobiliensektor. In Europa wird gerade nach der erneut
rückläufigen ZEW-Umfrage dem Ifo-Geschäftsklima für Mai eine umso höhere
Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Schließlich hat sich der Gesamtindex
im April entgegen den Erwartungen nochmals verbessert. Hingegen fiel die
Erwartungskomponente im aktuellen Zyklus erstmals vom März-Rekordniveau zurück.
Die Berichtssaison der Unternehmen nähert sich nach den USA nun auch in Europa
der Zielgeraden. Knapp 95% der S&P 500-Unternehmen konnten im Durchschnitt ein
Gewinnplus von gut 15% ausweisen und mit ihrem Rückblick somit überzeugen.
Europa konnte die Erwartungen an die Berichtssaison bislang mehrheitlich
ebenfalls robust erfüllen. Von den für diese Woche terminierten
Unternehmensberichten dürften aber vermutlich kaum deutlichere Markteinflüsse
ausgehen.
Rentenmärkte
Nach der Devise "kleine Ursache - große Wirkung" wurde der US-Bondmarkt im
Wochenverlauf von teilweise scharfen Kursreaktionen bewegt. Sie führten zum
Wochenausklang aber zu einer bemerkenswerten Bilanz. Mit einem Niveau von
zwischenzeitlich 5,03% am Freitag rentierten 10-jährige T-Notes so niedrig
wie seit Ende April nicht mehr. Umgekehrt wurde noch am Montag mit 5,20% für
die Benchmark-Anleihe die höchste Rendite seit dem Zyklustief von Anfang
September notiert.
Zunächst setzte die Berichtswoche mit einer Serie von Konjunkturdaten ein,
die jeweils Bondmarktfreundlicher ausfielen als vom Markt unterstellt. Erst die
Verbraucherpreise am Mittwoch schickten dann Aktien- wie Rentenkurse weltweit
nochmals auf Talfahrt. Im Gegensatz zu den Erzeugerpreisen zogen dabei die
bereinigten Kernraten stärker als erwartet an. Sie riefen umgehend Befürchtungen
wach, dass die nach jüngsten Einschätzungen im Beobachtungsstand operierende Fed
neue Anhaltspunkte vorfinden könnte, um weiter an der Zinsschraube drehen zu
müssen.
Die teilweise durch Sonderfaktoren verzerrten Konjunkturdaten werden im
Wochenverlauf in einem ohnedies nervöseren Bondmarktumfeld weiter zu hektischen
Kursausschlägen in beiden Richtungen führen. Vergangenen Donnerstag konnte die
10-jährige Rendite den gleitenden 20 Tage-Durchschnitt (5,10%) nach unten
durchbrechen. Sie bewegt sich nun auf die marktpsychologisch wichtige 5%-Marke zu.
Von den weltweit wieder aufkommenden Inflationsängsten wurden auch Eurobonds zur
Wochenmitte "infiziert", wobei der neuerliche Kursrückschlag nicht mehr über das
Jahres-Renditehoch der Vorwoche bei 4,10% für 10-jährige Anleihen hinausführte.
Die vom US-Markt ausstrahlende Entspannung führte auch am Euromarkt wieder unter
die marktpsychologisch wichtige 4%-Marke. Für sich betrachtet sollten die zu den
inländischen Konjunkturdaten ausgedrückten Markterwartungen zu einer Stabilisierung
der jüngsten Erholungsansätze von Euroanleihen führen können.
Quelle: Investmentfonds.de