23.05.2006
DWS: Warten auf Einstiegssignal aus Indien
Köln, den 23.05.2006 (Investmentfonds.de) -
(DER FONDS) „Der indische Aktienmarkt hat seine Korrektur gerade erst begonnen,
für neue Käufe ist es daher noch zu früh“, sagt Thomas Gerhardt von der DWS.
Allerdings hat sich der Manager des DWS Invest BRIC Plus (WKN A0D P7P) bereits
auf die Lauer gelegt, um auf das richtige Einstiegssignal zu warten. Mit
DER FONDS.com sprach Gerhardt über die vorübergehende Handelsunterbrechung
an der indischen Börse und die weiteren Aussichten für den Aktienmarkt.
DER FONDS.com: An der indischen Börse in Mumbai wurde für eine Stunde der
Handel unterbrochen. Was war der Auslöser?
Thomas Gerhardt: Die Aktienkurse waren innerhalb einer Viertelstunde von minus
3 auf minus 10 Prozent abgesackt. Ab dieser Marke kann die indische Börse den
Handel unterbrechen. Der Kursrutsch kam von den so genannten Margin Calls.
Anleger, die Aktien auf Kredit gekauft hatten, mussten entweder Geld
nachschießen oder die Aktien sofort verkaufen. Viele haben verkauft. Bei
weiteren Kursverlusten würden die Aktien als Kreditsicherheit nämlich nicht
mehr ausreichen. Nachdem der indische Finanzminister bekannt gab, dass die
Banken ihre Kreditlinien ausweiten würden, hat sich das Minus jedoch wieder
von 10 auf 4 Prozent verringert.
DER FONDS.com: Ist damit am indischen Aktienmarkt das Ende der Fahnenstange
erreicht?
Gerhardt: Die Aktienmärkte der Schwellenländer und insbesondere der indische
Markt haben ihre Korrektur erst vor etwa einer Woche begonnen. Bisher hat die
indische Börse knapp 20 Prozent eingebüßt. Eine gesunde Korrektur geht in etwa
20 bis 30 Prozent tief und dauert länger als ein paar Tage. Ich erwarte nun
für einige Monate eine Seitwärtsbewegung. In dieser Zeit werden die
Marktteilnehmer ihre Portfolios überprüfen und vielleicht ihre Favoriten
wechseln.
DER FONDS.com: Wie Sie Ihren Fonds auf die neue Situation ein?
Gerhardt: Ich liege bereits auf der Lauer. Es gibt einige Aktien, die mir
gefallen und die ich bereits auf einen neuen Kauf überprüfe. Für tatsächliche
Zukäufe ist es jedoch noch zu früh. Wenn mir die Bewertung bei einem Titel
gefällt und der Chart ein Kaufsignal anzeigt, werde ich allerdings zuschlagen.
DER FONDS.com: Welche Branchen halten Sie derzeit für besonders attraktiv?
Gerhardt: Das größte Problem in Indien ist noch immer die Infrastruktur des
Landes. Daher halte ich die Bauwerte inklusive der Baumaschinenhersteller
oder auch Zementmischer für sehr lukrativ. Außerdem werden die Konsumtitel
weiterhin besonders stark vom indischen Wirtschaftswachstum profitieren.
Dazu zähle ich auch Finanz- und Mobilfunkwerte. Zudem wird Indiens
Exportschlager, die Softwarebranche, auch in Zukunft ein Gewinnwachstum von
rund 40 Prozent im Jahr haben. Dieser Bereich ist daher ebenfalls sehr
interessant.
DER FONDS.com: Welche Rolle spielt Indien neben den anderen BRIC-Ländern
Brasilien, Russland und China in Ihrem Fonds?
Gerhardt: Derzeit haben wir die indischen Titel mit 18 Prozent im Portfolio
am geringsten gewichtet, denn sie waren vor der Korrektur im Vergleich zu den
anderen recht teuer. Ich könnte mir vorstellen, dass ich den Indien-Anteil in
den kommenden Monaten auf bis zu 25 Prozent hochfahre. Das hängt aber davon ab,
wie sich die anderen drei Märkte verhalten und ob ich geeignete Schnäppchen
finde.
INFO: Thomas Gerhardt (41) arbeitet seit 1993 bei der DWS, wo er das
Schwellenländer- und Asien-Pazifik-Team leitet. Er managt neben dem DWS Invest
BRIC Plus auch den Top 50 Asien (WKN 976 976) und den DWS Emerging Markets
(WKN 977 301). Gerhardt hat Betriebswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt
studiert.
-thg-
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Quelle: Investmentfonds.de