15.05.2006
Einschätzung der Asienspezialisten von HSBC zu den asiatischen Märkten
Köln, den 15.05.2006 (Investmentfonds.de) -
Überblick
Die amerikanischen Zentralbank (Fed) habe angedeutet, dass sich ihr derzeitiger
Kurs einer straffen Geldpolitik dem Ende nähere. Die Steigung der US-Zinsstruk-
turkurve bewege sich zurück in den positiven Bereich. Das besänftige Sorgen um
eine Abschwächung des Weltwirtschaftswachstums und ermögliche den Rohstoffpreisen,
spektakulär zu steigen. Zusätzlich gäbe das Wachstum des chinesischen Bruttoin-
landsprodukts im ersten Quartal 2006 von 10,2 Prozent der Anlageklasse der
Rohstoffe weiteren Rückenwind. Kürzlich habe die chinesische Zentralbank
erstmalig seit Oktober 2004 die Kreditzinsen erhöht.
Insgesamt erfreuten sich Aktien großer Beliebtheit. Aktien der asiatisch-
pazifischen Region lieferten dabei weltweit die höchsten Erträge. Sie konnten
sogar die Rohstoffmärkte der Emerging Markets, die Erträge von sechs Prozent
lieferten, überholen. Indonesien war im April 2006 der Markt mit der besten
Performance, gefolgt von Australien mit einer Performance von rund zehn Prozent.
In Indonesien sorgte der Inflationsdruck dafür, dass Investoren in Erwartung
sinkender Zinsen den Markt neu bewerteten. Die gute Performance des australischen
Marktes sei auf die Rallye bei den Rohstoffpreisen zurückzuführen, so die
Analysten von HSBC.
Schlecht schnitten im April 2006 hingegen die Philippinen und Indien ab. Während
der philippinische Markt vor allem unter dem steigenden Ölpreis litt, konnten
indische Aktien das positive Momentum der letzten Monate nicht halten. Trotzdem
bleibe der indische Aktienindex MSCI India mit einem Zuwachs von 25 Prozent seit
Jahresbeginn einer der Besten.
Aufgrund des erneuten Vertrauens in die Weltwirtschaft haben vor allem die
zyklischen Sektoren der Region wie der Werkstoff- oder der Energiesektor die
höchsten Erträge erzielt. Die Asienspezialisten von HSBC gewichten derzeit den
Konsumsektor sowie den Immobiliensektor in Hongkong und Singapur über. Bei den
Märkten bleibe Korea auch weiterhin attraktiv, so die Experten. Nach dem
starken Lauf des koreanischen Marktes 2005 würden die verbesserten wirtschaft-
lichen Bedingungen und die bestechend guten Bewertungen zur Attraktivität
beitragen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des koreanischen Marktes liege 2006 bei
etwa 10,3 während der asiatische Durchschnitt bei 12,9 liege. Außerdem
favorisieren die Asienspezialisten China, vor allem aufgrund des anhaltend
starken Binnenkonsums und der verbesserten Gewinnaussichten der Unternehmen.
Taiwan, Malaysia und Singapur bleiben weiterhin untergewichtet.
China
Auch im April 2006 gewichten die HSBC Analysten den chinesischen Markt über. Sie
gehen davon aus, dass die Zinserhöhung der chinesischen Zentralbank vom 28. April
um 27 Basispunkte eine Präventivmaßnahme war, um das Wirtschaftswachstum auf ein
nachhaltiges Niveau von acht bis neun Prozent zu bringen. Nach Angaben des
Gouverneurs der chinesischen Zentralbank, Zhou Xiaochuan, sei die Zinserhöhung als
ein "Feintuning" der chinesischen Wirtschaft zu werten. Die im April 2006 bekannt
gegebenen Unternehmensgewinne 2005 waren insgesamt gut, so dass die Analysten von
HSBC nicht davon ausgehen, dass die derzeitigen Maßnahmen der Regierung gegen-
sätzliche Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne haben werden. Der Binnenkonsum
bleibe aufgrund der milden Inflation weiterhin stark. Die offizielle Einführung
des neuen Investmentprogramms werde für Ströme an Mittelzuflüssen in im Ausland
gelistete chinesische Aktien sorgen. Nach Meinung der HSBC-Spezialisten sollten
vor allem die in Hongkong gelisteten H-Shares und Red Chips davon profitieren.
Die Erwartungen einer weiteren Aufwertung des Renminbi sowie ein verbesserter
wirtschaftlicher Ausblick sollten weitere Liquidität an den chinesischen Markt
bringen. Das könne 2006 zu einer Aktienpreisrallye beitragen.
Korea
Die Asienspezialisten von HSBC gewichten den koreanischen Markt weiter über.
Abgesehen von der Rallye im April, sei der Aufschwung des koreanischen Aktien-
indexes (KOSPI) seit Jahresbeginn der zögerlichste der Region, rechnet man in
heimischer Währung. Gehe man von US-Dollar aus, seien diese Zahlen aufgrund
der Aufwertung des koreanischen Won um 7,2 Prozent verzerrt. Die Gewinnerwar-
tungen pro Aktie für den MSCI Korea 2006 wurden enorm nach unten korrigiert
und liegen bei 0,4 Prozent Wachstum in 2006 und 16 Prozent in 2007. Die
allgemein erwartete Erholung des Technologiesektors verzögere sich zwar, die
Experten würden aber mit einem Einsetzen in der zweiten Hälfte 2006 rechnen.
Langfristig positiv für den KOSPI sei der zu beobachtende Trend weg von
Anleihen hin zu Aktien. Privatanleger würden langsam aber sicher ihr
Engagement in Aktien ausweiten. Grund hierfür seien die schwachen Aussichten
für Immobilienpreise unter der derzeitigen Regierung. Der KOSPI pendele sich
seit Mitte Januar zwischen 1280 und 1420 Punkten ein, sei dann im April 2006
nach oben ausgebrochen und habe, wie die Analysten von HSBC erwartet haben,
einen neuen Rekordwert erreicht. Korea bleibe auch weiterhin einer der
günstigsten Märkte der Region. Möglicherweise enttäuschende Unternehmensge-
winne im ersten Quartal 2006 scheinen bereits eingepreist zu sein.
Thailand
Die Gewichtung des thailändischen Marktes bleibe neutral, so die Asienanalysten
von HSBC. Nach den Wahlen habe es wie erwartet eine kurze Rallye gegeben, so
dass der thailändische Aktienindex (SET) nahe seines Jahresendziels stehe. Sollte
das Wahlergebnis vom 2. April annulliert werden und es innerhalb von sechs
Monaten zu Neuwahlen kommen, sehen die Analysten Spielraum für eine Revision des
Indexziels von etwa zehn Prozent. Neuwahlen würden von Investoren als eindeutiges
Zeichen gesehen werden, dem politischen Stillstand ein Ende zu bereiten, sofern
sie innerhalb der nächsten sechs Monate stattfänden. Hinzu käme die positive
Stimmung zum sechzigsten Thronjubiläum des Königs im Juni, was den SET in die
Höhe treiben könnte. Die Experten von HSBC sehen aufgrund des hohen Ölpreises
und der daraus resultierenden hohen Inflation eine wirtschaftliche Herausforderung
auf Thailand zukommen. Aus diesem Grund seien die künftigen Börsengänge und
Börsenplatzierungen von Rayong Refinery, einer Kupferraffinerie, Bangchak, einem
Petroleumhersteller, und Thai Beverage, einem Bier- und Alkoholproduzenten, für
die Asienspezialisten von HSBC eine interessante Gelegenheit, ihr Engagement in
Thailand zu erhöhen. Der hohe Ölpreis und ein höher als erwarteter Konsumenten-
Preis-Index würden wahrscheinlich einen Aufwärtsdruck auf den Leitzins ausüben
und somit kurzfristig auch die gesamte thailändische Wirtschaft unter Druck setzen.
Quelle: Investmentfonds.de