12.05.2006
Fidelity: Marktrückblick Europa
Köln, den 12.05.2006 (Investmentfonds.de) - Großbritannien
• Der britische Aktienmarkt tendierte im Wochenverlauf uneinheitlich, schloss
dann aber, aufgrund von Übernahmegerüchten um die Hypothekenbank Alliance &
Leicester, im Plus. Getragen von starken Öl- und Bergbautiteln hatten die Kurse
zu Wochenbeginn gewonnen, zur Wochenmitte jedoch wieder nachgegeben. Dahinter
standen Sorgen über die Inflation in den USA. Gegen Ende der Woche konnte sich
der Markt trotz Berichten über schwache Umsätze bei Unilever behaupten, da
Royal Dutch Shell und Imperial Chemical Industries (ICI) die Anleger mit guten
Zahlen erfreuten.
• Die Aktie des Chemiekonzerns ICI stieg sprunghaft, als das Unternehmen den
Abbau von 2.300 Stellen bis zum Jahr 2011 ankündigte, was jährliche Kostenein-
sparungen von 170 Mio. £ bewirken soll.
• Die Nasdaq Stock Market Inc. hat ihren Anteil an der London Stock Exchange
(LSE) von 15 % auf 18,7% erhöht und so ihre Position als größter Anteilseigner
ausgebaut. Die Amsterdamer Vierländerbörse Euronext erklärte unterdessen ihre
Übernahmegespräche mit der Konkurrentin LSE für beendet.
• Der britische Musikkonzern EMI hat sich mit einem Übernahmeangebot an die
Warner Music Group in Höhe von 4,2 Mrd. $ eine Abfuhr geholt. Zuvor hatten die
beiden Unternehmen die Möglichkeiten eines Zusammengehens ausgelotet, um sich
gegenüber Universal Music und Sony BMG, den beiden größten Musikkonzernen der
Welt, besser aufzustellen. Der britische Flughafenbetreiber BAA hat die mittlerweile
dritte Übernahmeofferte des spanischen Baukonzerns Ferrovial offiziell zurückgewiesen.
• Die Bank of England beließ ihren Leitzins im neunten aufeinander folgenden Monat
unverändert bei 4,5 %. Hintergrund waren ein Rückgang der Inflation sowie das
Wachstum der britischen Wirtschaft mit der höchsten Rate seit über einem Jahr.
• Laut einem Bericht des größten britischen Immobilienfinanzierers Halifax sind
die Immobilienpreise im April um 2% gegenüber dem Vormonat gestiegen und lagen 8%
über denen des gleichen Vorjahreszeitraums. Wie aus dem Bericht hervorging, liegt
der durchschnittliche Eigenheimpreis mittlerweile bei 178.992 £.
• Eine kräftige Konjunkturbelebung wurde im April in der britischen Fertigungsbranche registriert. Das Chartered Institute of Purchasing & Supply (CIPS) gab bekannt, sein
Einkaufsleiter-Index sei im April auf 54,1 Punkte gestiegen, den höchsten Wert seit
17 Monaten. Eine verstärkte Nachfrage aus den USA, Asien und Kontinentaleuropa bescherte
den Exporteuren volle Auftragsbücher. Der Dienstleistungssektor verzeichnete im April
das höchste Wachstum seit über zwei Jahren – den Unternehmen gelang es besser, höhere
Preise durchzusetzen.
• Die Kurse britischer Staatsanleihen gaben nach, und die Renditen zogen an. Positive
Indikatoren aus dem Hypotheken- und dem Dienstleistungssektor trugen zu der Erwartung
eines baldigen Zinsanstiegs bei.
Kontinentaleuropa
• Die kontinentaleuropäischen Aktienmärkte beendeten die Woche auf dem höchsten
Stand seit fast fünf Jahren. Hintergrund waren Übernahmespekulationen und kräftige
Quartalsgewinne, die den Optimismus hinsichtlich einer anhaltend positiven
Gewinnentwicklung verstärkten. Beschäftigungszahlen aus den USA, die schwächer als
erwartet ausfielen, linderten die Sorgen um eine mögliche neue Leitzinserhöhung.
• Unverändert beließ die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins am Donnerstag
bei 2,5%. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erklärte, man werde „große Wachsamkeit”
an den Tag legen. Er deutete an, die Leitzinsen könnten eventuell bereits im Juni
steigen, da die Inflation durch das kräftigere Wirtschaftswachstum, den rekordhohen
Ölpreis und die starke Kreditnachfrage geschürt werde. Die Analysten erwarten für
Juni eine Leitzinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt als Maßnahme gegen die
Inflation.
• Den europäischen Banken bescherten im ersten Quartal höhere Beratungsgebühren bei
vermögenden Kunden sowie bessere Erträge im Wertpapierhandel hervorragende Ergebnisse.
So konnte die Deutsche Bank ihren Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 55 % steigern,
Credit Suisse verzeichnete ein Gewinnplus von 36 %. Auch die größte europäische Bank
UBS vermeldete einen Konzerngewinn in Rekordhöhe. Der Netto-Überschuss lag mit
3,5 Mrd. SFr um 33 % über dem des gleichen Vorjahreszeitraums.
• BMW, der weltweit größte Hersteller von Luxusautos, hat im ersten Quartal ebenfalls
einen Rekordgewinn erzielt. Dank guter Absätze bei der neuen 3er-Reihe sowie der
Reduzierung der Beteiligung an Rolls-Royce wuchs der Reinertrag gegenüber dem Vorjahr
von 525 Mio. € um 81 % auf 948 Mio..
• BASF verzeichnete infolge des kräftigen Anstiegs der Öl- und Gaspreise einen
Gewinnzuwachs von 10 %. Der weltweit größte Chemiekonzern konnte seinen Quartalsgewinn
gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 861 Mio. € auf 950 Mio. € (1,2 Mrd. $) steigern.
Acht von Bloomberg befragte Analysten waren zuvor von 747 Mio. € im Mittel ausgegangen.
• Auch die Zahlen, die Royal Dutch Shell, Europas zweitgrößter Ölkonzern, und Total für
das erste Quartal vorlegten, übertrafen die Prognosen der Analysten. Ein Produktions-
rückgang und höhere Steuern wurden durch den hohen Ölpreis ausgeglichen, so dass Shell
gegenüber dem letzten Jahr einen Gewinnzuwachs von 3% auf 6,89 Mrd. $ verzeichnete,
während Total seinen Netto-Überschuss um 16 % auf 4,27 Mrd. $ steigern konnte.
Quelle: Investmentfonds.de