03.05.2006
Ölpreis: Konjunkturschreck oder Inflationstreiber?
Köln, den 03.05.2006 (Investmentfonds.de) -
Der jüngste Benzinpreisanstieg war kein "faules" Osterei - er ist
fundamental begründet. Angesichts des Preissprungs wettet der
Bondmarkt auf Inflationsgefahren. Das kann die Renditen
kurzfristig erhöhen.
Hoher Benzinpreis kein isolierter "Ostereffekt"
Wie jedes Jahr stiegen auch Ostern 2006 die Preise für Benzin an den
Zapfsäulen. Vielerorts wurde über das faule Osterei geunkt, das uns
die Mineralölkonzerne ins Nest gelegt haben. Angesichts der deutlich
steigenden Tendenz der Rohölpreise kann jedoch nicht von einem
isolierten "Ostereffekt" gesprochen werden. Denn die Nachfrage
nach Rohöl bleibt auf hohem Niveau.
Unsichere Lage begünstigt Preisschub
Mit der bevorstehenden "Driving Season" in den USA rückt die
angespannte Lage in punkto Benzin wieder verstärkt ins Bewusstsein
der Märkte. Auch die weltpolitischen Rahmenbedingungen sprechen eher
für steigende Rohölpreise: In Venezuela werden Ölfelder verstaatlicht,
die bisher von privaten ausländischen Konzernen erschlossen wurden.
Zudem sorgt die weiterhin unsichere "Gefechtslage" im Iran für Skepsis.
Ebenso ungünstig wirken sich die Unruhen in Nigeria aus.
Summa summarum weisen diese Aspekte auf fundamentale Ursachen der
Ausschläge bei den Rohölpreisen hin - mit unterschiedlichen Effekten
für die Kapitalmärkte.
Konjunktursorgen statt Inflationsgefahren
Ein natürlicher Reflex bei steigenden Ölpreisen wäre, einen
Inflationsimpuls zu erwarten: Höhere Produktionskosten werden
von den Unternehmen sukzessive an die Verbraucher weitergegeben.
Daraus entstehen Inflationsgefahren, denen die Notenbanken mit
Zinserhöhungen begegnen. Diese treiben letztlich auch die Renditen
für Staatsanleihen nach oben. In den Jahren 2004 und 2005 hat diese
Wirkungsspirale jedoch nicht gegriffen. Stattdessen überwog die Angst,
der Ölpreisanstieg könne die Weltkonjunktur in die Knie zwingen - und
Inflationsgefahren würden erst gar nicht entstehen. Resultat: Die
Renditen an den Bondmärkten gaben nach, obwohl sich die Weltwirtschaft
im Rückblick als äußerst robust erwies.
Steigende Bondrenditen zu erwarten
In den vergangenen Wochen scheinen die Bondmärkte dagegen intuitiv der
Interpretation anzuhängen, der hohe Ölpreis bringe Inflationsgefahren
mit sich: Seit Jahresbeginn sind die Renditen lang laufender
Staatsanleihen spürbar gestiegen. Ein Umschwenken von extremen
Konjunktursorgen zu extremen Inflationssorgen ist zwar keine zwingende
Folge. Dennoch dürften die Renditen - trotz einer moderateren Expansion
der Weltwirtschaft in den kommenden Quartalen und trotz des weiterhin
hohen Wettbewerbs auf den globalisierten Gütermärkten - kurzfristig
nach oben getrieben werden. Mittelfristig wird sich allerdings zeigen,
dass mit steigendem Ölpreis weder die Konjunktur einknickt noch die
Inflation aus dem Ruder laufen wird.
Quelle: Investmentfonds.de