05.04.2006
Feri: Aktienmärkte sind derzeit noch preiswert
Köln, den 05.04.2006 (Investmentfonds.de) - Auf der 19. Frühjahrstagung präsentierte
die Feri Finance AG ihre aktuelle Konjunkturprognose und die Konsequenzen für die
Kapitalmärkte.
Konjunkturentwicklung
Die Analysten sehen trotz hoher Ölpreise und weiterer Zinssteigerungen keine
Anzeichen für eine Abschwächung der US-Konjunktur. Die aktive Fiskalpolitik sorgt
zusammen mit einem weiterhin robusten Welthandel für Dampf im Kessel der
Weltwirtschaftslokomotive USA. Die Abschwächung des Wirtschaftswachstums auf 1,7
Prozent im 4. Quartal 2005 – unter Umständen ein Effekt der Wirbelstürme – ist
laut Feri nur vorübergehender Natur; alle Indikatoren stehen für die USA aktuell
auf Wachstum. Nach einem Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent in diesem Jahr
zeichnen sich auch für die kommenden Jahre Steigerungsraten über der Marke von
drei Prozent ab – vorausgesetzt die Entwicklung des Ölpreises hält keine negativen
Überraschungen bereit.
Japan hat die Krise überwunden.
Nach Deflation und Bankenkrise und dem überwältigenden Wahlsieg Koizumis im Herbst
letzten Jahres zeigt das Wachstum im Jahr 2006 mit 3,4 Prozent neue Dynamik. Als
konjunkturelle Stütze wirkt hier besonders die robuste Nachfrage Chinas und der
schnell wachsenden Länder Südostasiens.
Emerging Markets
Der Aufholprozess in den „Emerging Countries“ ist laut Feri-Experten längst nicht
beendet. Die fortschreitende politische Stabilisierung der asiatischen Staaten
bereitet dabei den Weg für die Nutzung des enormen Arbeitskräftepotenzials, das
in erster Linie aufgrund des immensen Lohndifferentials zu den Industrienationen
attraktiv bleibt. Zusätzlich kommt es, bedingt durch den unvermindert hohen Ölpreis,
zu einem Einkommensstrom zugunsten der Erdöl exportierenden Länder. Insgesamt führt
dies zu einer verstärkten Nachfrage nach hochwertigen Konsum- und Investitionsgütern
wovon wiederum die Industrieländer verstärkt profitieren, so die Feri-Analysten.
Europa
Ein unverändertes Bild ergibt sich laut Feri-Experten für das „Alte Europa“. In den
großen Industriestaaten des Kontinents verlässt man sich noch immer auf Wachstums-
impulse aus dem Export. Die verbesserten Wachstumsaussichten verdecken den großen
Reformbedarf, der sich über die Zeit angesammelt hat. In jüngster Zeit erscheint
insbesondere Frankreich reformunfähig. Dabei ist an den Beispielen der
skandinavischen und angelsächsischen Länder abzulesen, dass sich ein mutiges Reform-
programm bereits in kurzer Zeit auszahlt. Das für das Jahr 2006 prognostizierte
Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent in Euroland wird sich im Jahr 2007 bereits
wieder auf 1,8 Prozent abschwächen. In Deutschland deuten die steigende Investi-
tionstätigkeit und die Ausweitung der Kreditvergabe auf eine Wachstumsbeschleuni-
gung in Richtung der Zwei-Prozent-Marke hin. Im Jahr 2007, so die Feri-Analysten,
wird die Mehrwertsteuererhöhung das deutsche Wachstum aber auf 1,5 Prozent
bremsen und mitverantwortlich für die Verlangsamung des europäischen Wachstums
sein.
Branchen: Globalisierung prägt zunehmend die Strukturen
Die wirtschaftliche Entwicklung in Europa wird laut Feri vorrangig von der Export-
industrie getrieben. Die umfangreichen Investitionen in den Schwellenländern treiben
dabei die Nachfrage nach Ausrüstungsgütern und Maschinen an. Hiervon wird die
deutsche Industrie, die zum wesentlichen Teil zu den Investitionsgüterbranchen
zählt, in hohem Ausmaß begünstigt. Weitere Impulse kommen darüber hinaus von der
auch im restlichen Europa zunehmenden Investitionstätigkeit. Ein Blick auf die
Industriebranchen in Asien, Lateinamerika, aber auch in Ländern wie den USA zeigt
laut Feri jedoch, dass trotz ihrer Exporterfolge die deutschen Branchen Weltmarkt-
anteile verlieren.
Die Feri-Experten sind der Meinung, dass die unternehmensnahen Dienstleistungen für
ihr eigenes Wachstum eine expansive Entwicklung der industriellen Basis benötigen.
Daher laufen sie derzeit noch der Industriekonjunktur zeitlich hinterher. Jedoch
kommen aus dem verschärften Tempo der Globalisierung neue und zusätzliche Nachfrage-
impulse. Insbesondere Bereiche wie Kommunikation, Transport, Reisen sowie speziali-
sierte Beratungsleistungen und ähnliches werden daher von den Veränderungen in den
globalen Wirtschaftsstrukturen begünstigt. Die übrigen Wirtschaftsbereiche wie
Bauwirtschaft oder Einzelhandel werden auch weiterhin von der anhaltend schwächeren
Binnenkonjunktur gebremst.
Ausblick Kapitalmärkte: Aktien stark, Renten schwach
Das Umfeld für Aktien ist weiterhin positiv. Nach dem Feri Aktienmarkt Rating sind
unter den entwickelten Märkten vor allem Japan interessant, da die Investitionser-
träge durch die erwartete starke Yen-Aufwertung zusätzlich steigen. Ein gutes
Rating weisen daneben die USA, Hong Kong, und Singapur auf. Auch die Börsen des
pazifischen Raumes und Westeuropas versprechen Kurssteigerungen, allerdings nicht
mehr in dem Maße wie in den vergangenen Jahren. Unter den Emerging Markets zeigen
laut Feri derzeit die Märkte Südostasiens eine gute Performance und weiterhin gute
Aussichten auf. Vor allem Taiwan, Malaysia, China, Thailand als auch, im latein-
amerikanischen Raum, Argentinien sind als besonders attraktiv einzustufen. Für die
Börsen Osteuropas und des restlichen Lateinamerikas verhindert die bereits hohe
Bewertung ein gutes Rating.
Für die Rentenmärkte erscheinen die Aussichten eher trüb, so Feri weiter. Nach der Fed
haben nun weitere Notenbanken einen restriktiveren geldpolitischen Kurs eingeschlagen,
um die Liquidität zu verknappen. Da nach dem Feri Rentenmarkt Rating die Renditen der
wichtigsten Märkte nach wie vor deutlich unter dem aus fundamentaler Sicht gerecht-
fertigten Zinsniveau liegen, zeichnet sich in vielen Industrieländern ein weiterer
Anstieg der langfristigen Zinsen ab. Im Bereich der Emerging Market Anleihen werden
die Risiken noch immer deutlich unterschätzt. Eine Ausweitung der Spreads ist hier
zu erwarten.
Ausblick Immobilien: Europäische Märkte im Aufwind
Steigende Investitionen und eine wieder anziehende Nachfrage haben in den letzten
Monaten dazu geführt, dass die meisten europäischen Büroimmobilienmärkte steigende
Mieten und leicht sinkende Leerstände verzeichneten. Auch in Deutschland mehren
sich die Zeichen für eine Trendumkehr. Allerdings ist das Angebot in den Immobilien-
hochburgen groß und die Nachfrage noch relativ verhalten. Beste Entwicklungsper-
spektiven bieten sich nach Meinung der Feri-Experten nach wie vor in den schnell
wachsenden Ländern Osteuropas, aber auch in Irland und den nordischen Staaten. Auch
deutsche Immobilien sind in der Gunst ausländischer Investoren in den letzten
Monaten bereits stark gestiegen. Die erheblichen Unterschiede in der Marktentwicklung
der einzelnen Regionen werden hierbei jedoch häufig übersehen.
Feri stellt fest, dass nach dem freundlichen Anlagejahr 2005 nun das Jahr 2006 unter
veränderten Vorzeichen steht. Die monetären Rahmenbedingungen verschlechtern sich;
Zinsen an den Rentenmärkten beginnen bereits zu steigen. Höhere Marktvolatilitäten,
sowohl bei Aktien als auch bei Renten, könnten jedoch für Hedge Fonds 2006 ein intere-
ssantes Anlageumfeld darstellen. Immobilieninvestitionen boten 2005 sehr gute
Anlagechancen, werden aber 2006 durch regionale Korrekturen geprägt sein. Die
Rohstoffmärkte leiden teilweise unter spekulativen Übertreibungen, bewegen sich
jedoch weiter im Rahmen starker fundamentaler Aufwärtstrends. Die Aktienmärkte sind
derzeit die preiswerteste Anlageklasse und erscheinen Feri weiterhin attraktiv.
Quelle: Investmentfonds.de