05.04.2006
Konjunkturumfrage: Dt. Wirtschaft 2006 im Aufschwung
Köln, den 05.04.2006 (Investmentfonds.de) - Mit Blick auf die konjunkturelle
Entwicklung in Deutschland sind die Experten des Bankenverbandes in diesem Jahr
recht zuversichtlich und erwarten ein reales Wirtschaftswachstum von 1,7 %.
Das ist gegenüber dem Vorjahr nicht nur eine merkliche Beschleunigung, sondern
auch die höchste Wachstumsrate seit dem New-Economy-Boom 2000. Bedenkt man
ferner, dass das Potenzialwachstum in Deutschland gegenwärtig bei etwa 1 ¼ %
anzusiedeln ist, dann erlebt die deutsche Wirtschaft erstmals seit sechs
Jahren auch wieder einen veritablen Aufschwung.
Der unverändert gute Export wird in diesem Jahr von einer weiteren
Beschleunigung der Ausrüstungsinvestitionen unterstützt. Hier rechne man
mit einem Plus von fast 5 ½ % als Resultat der gestiegenen Wettbewerbs-
fähigkeit deutscher Unternehmen, der günstigen Ertragsperspektiven und der
für die Jahre 2006 und 2007 verbesserten Abschreibungsbedingungen. Zudem
wird endlich auch in der Bauwirtschaft ein Ende des langjährigen
Schrumpfungsprozesses sichtbar. Bei den Bauinvestitionen sollte es 2006
erstmals seit 1999 wieder einen Anstieg geben.
Etwas bessere Arbeitsmarktperspektiven stützen den privaten Konsum
Der private Konsum hat sich in den letzten Jahren als eine zentrale Schwachstelle
der deutschen Konjunktur erwiesen. Im vergangenen Jahr stagnierte die Verbrauchs-
nachfrage der privaten Haushalte. 2006 sehen die Experten hier nun eine Besserung.
Wichtige Impulse für den privaten Verbrauch werden dabei zunächst von der sich
abzeichnenden Stabilisierung am Arbeitsmarkt ausgehen. Im weiteren Jahresverlauf
rechne man sogar mit einer leichten Erholung am Arbeitsmarkt, so dass im Jahres-
durchschnitt die Zahl der Arbeitslosen um etwa 175.000 Personen sinken sollte.
Der etwa auf das gleiche Niveau geschätzte Beschäftigungsaufbau wird dabei nicht
nur in Form geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse, sondern auch durch eine
Zunahme der voll sozialversicherungspflichtigen Jobs erfolgen.
Der Beschäftigungsanstieg wird die Kaufkraft und Kaufbereitschaft der privaten
Haushalte stärken. Mit Blick auf die für 2007 geplante Anhebung der Mehrwertsteuer
sollten im Verlauf des zweiten Halbjahres dann auch noch Vorzieheffekte den
privaten Konsum beleben. Die Erfahrungen mit früheren Mehrwertsteuererhöhungen
legen nahe, dass die Konsumenten insbesondere bei langlebigen Konsumgütern, wie
Autos, elektronischen Geräten oder Wohnungseinrichtungen, geplante Anschaffungen
vorziehen werden, um auf diese Weise die Steuererhöhung zu umgehen. Im Schnitt
veranschlagen die Chefvolkswirte den Vorzieheffekt der Mehrwertsteuer auf 0,3
Prozentpunkte des diesjährigen Wirtschaftswachstums.
2007 bremsen Steuererhöhungen das Wachstum
2007 droht für das Wirtschaftswachstum in Deutschland allerdings wieder ein
Rückschlag, bedingt durch die Gegenbewegung zur 2006 vorgezogenen Nachfrage und
den dämpfenden Effekten der Steuererhöhungen selbst. Vor allem beim privaten
Konsum befürchte man eine empfindliche Beeinträchtigung. Im gesamten Jahr 2007
würde der Konsum der privaten Haushalte daher nur noch geringfügig um 0,2 %
zunehmen.
Die etwas langsamere Gangart der Weltkonjunktur wird 2007 auch das deutsche Ex-
portwachstum dämpfen. Da wegen des schwächeren privaten Konsums allerdings eine
noch stärkere Verlangsamung bei der Importentwicklung zu erwarten sei, sollte
die Außenwirtschaft 2007 wieder die mit Abstand wichtigste Wachstumsstütze in
Deutschland sein.
Nimmt man alles zusammen, dann wird sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum in
Deutschland 2007 auf 1,1 % abschwächen. Sollten in diesem Jahr allerdings noch
entscheidende Weichenstellungen auf zentralen wirtschaftspolitischen Feldern
gelingen, könnte es 2007 etwas besser kommen. Über positive Erwartungseffekte
wären dann mehr Investitionen und eine stärkere Zunahme der Beschäftigung möglich.
Das Wirtschaftswachstum könnte sich in Deutschland unter diesen Bedingungen sogar
stabilisieren – eine Perspektive, die für die Politik Ansporn sein sollte.
Quelle: Investmentfonds.de