04.04.2006
Activest: Analyse der aktuellen Marktentwicklung
Köln, den 04.04.2006 (Investmentfonds.de) - Aktienmärkte
Nach anfänglich gedrücktem Börsenverlauf zogen die Märkte in der zweiten
Wochenhälfte zunächst wieder an. Vor dem Wochenausklang fehlte schließlich
aber ein entscheidender Impuls, um die Kurse nochmals weiter nach oben zu
treiben. Glattstellungen vor dem Wochenende bzw. zum Abschluss des Anfangs-
quartals dürften eine übrige Rolle gespielt haben.
Schwungvoll in die neue Börsenwoche bzw. das Auftaktquartal des neuen
Geschäftsjahres startete Tokio am Montag morgen. Eine Triebfeder war u.a. der
Tankan-Bericht. Er verfehlte zwar bei der Lagebeurteilung der Großunternehmen
die vorherigen Prognosen und blieb auch leicht unter dem Vorquartal. Allerdings
bestätigte der Ausblick die Konsensschätzungen, wie insbesondere auch die
Investitionsbereitschaft der Unternehmen vorherige Schätzungen übertraf. Seine
Aufwärtsbewegung seit Mitte März setzte schließlich der Ölpreis fort, zumal die
US-Energiebehörde am Mittwoch einen überraschend hohen Rückgang in ihrem
wöchentlichen Bestandssaldo meldete.
Impulse im Wochenverlauf dürften erneut von der Serie bedeutender Konjunktur-
daten sowohl in Europa wie den USA ausgehen. Hervorzuheben sind insbesondere
die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe sowie den Dienst-
leistungssektor. Den Wochenabschluss und zentrales Highlight bildet dann der US-
Arbeitsmarktbericht am Freitag, der nach bisherigen Konsensprognosen trotz
Normalisierungsanzeichen wieder mit robusten Zuwächsen erwartet wird.
Rentenmärkte
Mit der schärfsten Kurskorrektur auf Wochenbasis seit April 2005 reagierte der
US-Bondmarkt zum einen auf enttäuschte Hoffnungen über das erste FOMC-Meeting
unter Vorsitz von Fed-Chef Ben Bernanke. Zum anderen waren unerwartet feste Kon-
junkturdaten zu verarbeiten. Nicht ernstlich überraschen konnte die 15. Zinser-
höhung in Folge seit Juni 2004 um erneut 25 Basispunkte. Allerdings wurde der
Wortlaut gegenüber den vorherigen Stellungnahmen ohne nennenswerte Abweichungen
übernommen. Demnach sieht die Fed in der Konjunkturdelle von Ende 2005 nur eine
temporäre und von Sonderfaktoren beeinflusste Verlangsamung. Die Hoffnungen der
Märkte auf erste Fingerzeige für ein näher rückendes Finale der Verschärfungs-
politik wurden somit nicht erfüllt.
In dieser Woche wird sich in einem breiten Spektrum wichtiger Konjunkturdaten
der Marktfokus vor allem auf die beiden ISM-Berichte zum Verarbeitenden Gewerbe
und dem Dienstleistungssektor richten. Somit zeigt einerseits das Überraschungs-
potenzial bei den anstehenden Marktdaten noch nach oben. Andererseits könnten
erste Normalisierungseffekte im Konjunkturverlauf der US-Wirtschaft die zuletzt
starke Wachstumsphase wieder beruhigen. Insofern wäre es plausibel, wenn US-
Treasuries selbst bei robusten Konjunkturdaten im Wochenverlauf angesichts der
überverkauften Markttechnik das verbleibende Rückschlagspotenzial auf den
Bereich der o.g. Rendite-Hochpunkte von Mitte 2004 bei 4,90% begrenzen könnten.
Wesentlich "übersichtlicher" war der Terminkalender demgegenüber in Europa,
löste aber eine vergleichbare Kursbewegung aus. Hatten sich die Erwartungen
unter dem Eindruck der zuletzt rückläufigen ZEW-Konjunkturerwartungen allenfalls
noch auf eine moderate Verbesserung der Ifo-Daten eingestellt, so war der
kräftige Schub zu einem neuen Spitzenwert seit April 1991 schon bemerkenswert.
Vor allem die Ifo-Daten waren zu stark, um eine Abkoppelung vom Aufwärtstrend
der US-Bondrenditen zuzulassen. Stattdessen sprangen die Renditen 10-jähriger
Euroanleihen bereits im Vorlauf zum US-Markt über das bisherige Jahreshoch bei
3,71% hinaus bis nahe an das März-Hoch 2005 bei 3,81%. Die Richtungskorrektur
verlief bei Euroanleihen seit dem Jahrestief vom Januar bei 3,25% im Vergleich
zu US-Bonds sogar noch dynamischer. Demgegenüber zeigten Euroanleihen zumindest
im Wochenverlauf leichte relative Stärke, womit sich der Transatlantik-Spread
für 10-jährige Anleihen mit aktuell 107 Basispunkten leicht ausweitete.
Quelle: Investmentfonds.de