30.03.2006
Activest: Vergangene Woche schloss der US-Bondmarkt auf...
Köln, den 30.03.2006 (Investmentfonds.de) - Aktienmärkte
Auch wenn sich die internationalen Börsen zum Wochenausklang im positiven Kursbereich
lagen, war die Wochenbilanz per saldo bescheiden. Als Unterstützung für die Märkte
erwies sich erneut die anhaltende M&A-Welle, die wieder neue Konsolidierungsfantasie
im Pharmasektor oder bei Telekommunikationsausrüstern aufkommen ließ. Die davon
ausgehenden Marktimpulse konnten überdecken, dass sich die Anzahl potenzieller Kurs-
treiber für den Gesamtmarkt mit Auslaufen der Quartalsberichtssaison merklich zurück-
gebildet hat. Dieser zurückgestaute Nachrichtenfluss wird vermutlich noch bis zum
Einstieg der US-Börse in die 'Preannouncement Season' im Vorfeld der Q1-Berichts-
periode anhalten. Hierin weisen US-Unternehmen auf deutlichere Abweichungen im
Geschäftsverlauf gegenüber vorherigen Erwartungen hin.
In dem zuletzt nachrichtenarmen Umfeld wurde letzten Freitag schon das überraschend
deutliche Minus der Neubauverkäufe in den USA um -10,5%, dem stärksten Rückgang seit
April 1997, vor dem morgigen FOMC-Meeting positiv aufgenommen. Zwar besteht kaum
Zweifel, dass die Fed ihren Leitzins zum 15. Mal seit Juni 2004 um weitere 25 Basis-
punkte auf nun 4,75% anheben wird. Zumindest kamen an der Börse aber wieder Hoffnungen
auf, die US-Notenbank könnte den verbleibenden Erhöhungsumfang doch eher begrenzen.
Dieses Thema wurde auch in Tokio nochmals 'gespielt' und bescherte dem Nikei 225 im
Rahmen seiner jüngsten Aufholbewegung sowohl intraday wie auch auf Schlusskursbasis
ein neues Siebenwochen-Hoch. Mit gleicher Begründung konnte sich der Euro von seinem
Zwischentief wieder leicht erholen und die Marke von USD 1,20 zurückerobern. Ein
anhaltend volatiles Verlaufsmuster prägte zuletzt der Ölpreis aus. Binnen einer Woche
konnte er sich von seinem kurzzeitigen Rutsch unter die 60-USD-Marke zuletzt wieder
erholen und oberhalb von 64 USD die höchsten Notierungen seit Anfang Februar ausprägen.
Sofern nicht wieder überraschende Unternehmensmeldungen in den Fokus der Börse rücken,
werden die Märkte die nun auch in Europa sukzessive auslaufende Berichtssaison 'abar-
beiten'. Ob bereits erste Ausläufer der 'Preannouncement Season' in den USA für das
Anfangsquartal 2006 auf das Marktgeschehen ausstrahlen, bleibt abzuwarten. Nach bis-
herigen Planungen wird Alcoa als erster Dow-Titel am 10. April die Q1-Berichtsperiode
eröffnen. Auf kurze Sicht steht das morgige FOMC-Meeting im Fokus der Börse. Während
die Anhebung um weitere 25 Basispunkte an den Märkten längst eingepreist ist, gilt
das Hauptinteresse dem nachfolgenden Wortlauf der Stellungnahme. Die Hoffnungen richten
sich darauf, Signale für eine zurückhaltendere geldpolitische Straffung herauslesen zu
können. Bei seinen jüngsten Aussagen zur US-Renditestrukturkurve ließ Fed-Chef Ben
Bernanke dabei zunächst aber noch keine Ansätze erkennen, die seitens der Fed auf eine
aktuell schwächere Bewertung der US-Konjunktur schließen lassen würden. Von Bedeutung
sind insbesondere die US-Daten am kommenden Freitag (Kerndeflator der Konsumausgaben,
Einkommensdaten und Frühindikatoren), wobei der zentrale Berichtsabschnitt im Monats-
kalender erst in der Folgewoche (u.a. ISM-Indizes und Arbeitsmarktbericht) ansteht.
Rentenmärkte
Vergangene Woche schloss der US-Bondmarkt auf unverändertem Niveau. Allerdings waren
die zwischenzeitlichen Kursausschläge heftig und vor dem Hintergrund der zumeist wenig
relevanten Konjunkturdaten überraschend. Noch wenig Resonanz im Markt fanden die
Frühindikatoren, die sich vorhersehbar abschwächten. Zum Wochenausklang schlossen die
Renditen 10-jähriger US-Treasuries nahe Tagestief und entfernten sich mit 4,67% weiter
von den Monatsspitzen von 4,80%. Angesichts der optimistischen Konjunktureinschätzung
von Fed-Chef Bernanke und den begleitenden Verschärfungsbefürchtungen der Märkte zogen
die Renditen in den kurzen Laufzeiten jedoch wieder an. Dadurch verstärkte sich die
Inversion der US-Renditekurve zunächst wieder.
Nach fast vierjährigem Hochpunkt vom Januar ist das Verbrauchervertrauen zuletzt
leicht eingeknickt. Der robuste Arbeitsmarkt sowie das verbesserte Börsenumfeld sollten
nun wieder stabilisierend gewirkt haben. Alle Konzentration des Marktes konzentriert
sich indes auf das FOMC-Meeting am Dienstag. Nach den jüngsten 'Ansagen' würde alles
andere als der nächste und mittlerweile 15. Erhöhungsschritt seit Juni 2004 überraschen.
Auch das anschließende Statement dürfte wohl noch keine abweichenden Erkenntnisse bringen.
Auf Basis der aktuellen Prognosedaten dürfte sich für die kommende Börsenwoche erneut
ein eher wechselhafter Verlauf abzeichnen. Ein Ausschöpfen des Schwankungskorridors für
die Renditen 10-jähriger T-Notes zwischen 4,63%-4,75% auf Wochensicht würde daher nicht
überraschen.
Gemischte Reaktionen lösten die Produzentenpreise zu Wochenbeginn aus. Ihr Anstieg um
0,2% in der bereinigten Kernrate war erwartungsgemäß verhalten, einschließlich der
sprunghaft verteuerten Energiepreise indes ernüchternd. Vor allem die EZB wird die
Risiken möglicher Übertragungswirkungen auf die diversen Preisstufen weiter kritisch
beobachten. Dies umso mehr, als auch die Importpreise für Februar mit gleicher Erklä-
rung stärker als erwartet anzogen. Zumindest die deutschen Verbraucherpreise im März
bestätigten nach vorläufiger Berechnung das bislang weiter entspannte Preisbild. Trotz
der teilweise sehr ausgedehnten Tagesschwankungen bildeten sich die Renditen 10-jähriger
Euroanleihen im Wochenverlauf leicht zurück und korrigierten damit ihre vorherige
relative Schwäche zu US-Treasuries. Entsprechend weitete sich der 'Transatlantik-Spread'
zur Vorwoche wieder auf mittlerweile 104 Basispunkte aus.
Nur wenige Konjunkturdaten prägen die Berichtswoche im Euroraum. Einmal mehr von
herausragender Bedeutung steht zunächst das Ifo-Geschäftsklima im Mittelpunkt. Die
zuvor rückläufigen ZEW-Konjunkturerwartungen wie auch ein ähnlich berechneter und
zuletzt nachgebender belgischer Unternehmensindikator könnten auch in den Ifo-Daten
eine erste Trendverlangsamung anzeigen. Nach den vorherigen Revisionen in den deutschen
Einzelhandelsdaten scheint sich der jüngste Erholungsansatz auf niedriger Basis zu
festigen. Bereits vor Monatsfrist sorgte der Arbeitsmarktbericht für Enttäuschung. Der
ungewöhnlich frostige März könnte den Rückgang der Winterarbeitslosigkeit erneut
verzögert und allenfalls eine leichte Erholung ermöglicht haben. Die Geldmenge M3 scheint
sich in einer Seitwärtsbewegung zu stabilisieren. Nach aktuellen Prognosen sollte von
den Konjunkturdaten kein marktbelastender Einfluss mehr ausgehen. Zentrale Bedeutung
kommt somit vor allem dem Ifo-Geschäftsklima und der im Markt erwarteten Ausbildung
eines Hochpunktes zu. Eine Bestätigung dafür würde in Verbindung mit zumindest leichtem
Rückenwind vom US-Bondmarkt den jüngsten flachen Zinssenkungstrends von Euroanleihen
bis in den Bereich von 3,60%/3,57% fortsetzen können. Die Korrekturanfälligkeit gegebenen-
falls nochmals bis in den Bereich der Märzspitzen bei 3,70% für 10-jährige Euroanleihen
erscheint jedoch noch nicht ausgestanden.
Quelle: Investmentfonds.de