29.03.2006
Früher in Rente: Lebensarbeitszeitmodelle auf dem Vormarsch
Frankfurt (ots) - Laut Umfrage von PricewaterhouseCoopers steigt die Attraktivität von Zeitwertkonten in deutschen Unternehmen / Finanzdienstleister preschen vor Immer mehr deutsche Unternehmen bieten Zeitwertmodelle oderplanen, sie in naher Zukunft einzuführen. Dies ergab die aktuelleBefragung "Zeitwertkonten als vergütungspolitisches Element" derWirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhousecoopers(PwC), an der Unternehmen aus den Bereichen Investitions- undKonsumgüterindustrie, Metall, Pharma und Handel teilnahmen. Geradevor dem Hintergrund der Einführung der staatlichen Rente mit 67Jahren und dem Wegfall der Altersteilzeit ab dem Jahr 2009 sindsolche Modelle für Michael Bursee, Vergütungsexperte bei PwC, einnotwendiger Schritt. "Wir brauchen zunehmend flexible Lösungen, dieArbeitnehmern erlauben, früher in Rente zu gehen und sichgleichzeitig für das Alter abzusichern." Lösungen, die Vorteile sowohl für Arbeitnehmer als auch fürArbeitgeber bieten, sind gefragt. Ein entscheidender Vorteil derZeitwertkonten ist, dass sie im Vergleich mit den üblichenVorruhestands- und Altersteilzeitregelungen häufig kostengünstigersind. Zeitwertkonten erlauben Arbeitnehmern, Vergütungs- undZeitanteile in ein Wertguthaben einzubringen, das sich durchFondssparmodelle am Kapitalmarkt verzinst. Dieses Guthaben kannspäter für einen vorgezogenen Ruhestand, ein Urlaubsjahr oder eineflexible Teilzeitarbeit in den letzten Erwerbsjahren genutzt werden.Daneben können die Guthaben auch in eine betrieblicheAltersversorgung umgewandelt werden. Von 61 befragten Unternehmen gaben 40 Prozent an, einWertkontenmodell eingeführt zu haben oder es zumindest zu planen.Hauptargument ist die flexible Gestaltung der Lebensarbeitszeit ihrerMitarbeiter (88 Prozent), gefolgt von der Möglichkeit desfrühzeitigen Ausstiegs aus dem Berufsleben (79 Prozent). Gut dieHälfte dieser Teilnehmergruppe schätzt es außerdem, ihrenMitarbeitern ein attraktives Anreizinstrument im Rahmen ihresGesamtvergütungspaketes zur Verfügung zu stellen sowie die Option dessteuerbegünstigten Brutto-Sparens (je 54 Prozent). Unter denBefürwortern von Zeitwertmodellen sind derzeit vor allem größereUnternehmen. Bursee: "Die Möglichkeiten, die diese Modelle bieten,werden im Mittelstand noch unzureichend genutzt." Vor allem für Finanzdienstleister und Berater scheint dieseArgumentation schlüssig zu sein. Mit 67 Prozent stellen sie diegrößte Gruppe der Befragten, die bereits für eine MitarbeitergruppeZeitwertkonten eingerichtet hat. Rund zwei Drittel der Metallbrancheund der Investitionsgüterindustrie planen die Einführung solcherModelle (40 Prozent). Am wenigsten verbreitet sind Zeitwertkonten inder Chemie- und Pharmaindustrie, 82 Prozent der Befragten planennicht einmal ihre Einführung. "Die Finanzdienstleister preschen hiervoran, weil sie eine größere Nähe zum Kapitalmarkt und zur Verzinsungvon Fondssparmodellen haben. Natürlich nutzen sie die Einführung auchgerne als Referenzprojekt", kommentiert Bursee das Studienergebnis. Die wichtigsten Kriterien bei der Gestaltung eines Zeitwertmodellsliegen für die Unternehmen in der Wertschätzung durch ihreMitarbeiter, der Flexibilität beim Aufbau des Zeitguthabens sowie derÜberschaubarkeit der Kosten. So bieten die meisten Unternehmenmehrere Möglichkeiten zum Aufbau eines Guthabens an: Feste sowievariable Gehaltsbestandteile können bei zwei Dritteln der Unternehmeneingestellt werden, weiterhin Überstunden (bei 67 Prozent) und Urlaub(bei 39 Prozent). Vielseitig sind auch die Möglichkeiten zur Nutzungdes Guthabens: Etwa 60 Prozent der Unternehmen bieten eineFreistellung vor dem Bezug der Altersrente, knapp die Hälfte eineUmwandlung in eine betriebliche Altersversorgung an. Weiter könnendie Guthaben bei einem Drittel der Teilnehmergruppe fürTeilzeitregelungen vor dem Eintritt in den Ruhestand sowie bei 20Prozent für kurz- und längerfristige Freistellungen während derBerufstätigkeit (zum Bespiel für Weiterbildung) verwendet werden. Die Unternehmen, die derzeit keine Einführung von Zeitwertkontenfür ihre Mitarbeiter planen, befürchten meist einen zu großenadministrativen Aufwand (70 Prozent) und zu hohe Kosten (30 Prozent)."In vielen Fällen werden Administrationsaufwand und Kostenüberschätzt. Professionelle Administrationsanbieter verwalten dieKonten zuverlässig und kostengünstig". 43 Prozent dieserTeilnehmergruppe finden das bereits bestehende Angebot ihresUnternehmens zur Entgeltumwandlung ausreichend. Was aber tun, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt? HoheMitarbeiterfluktuation geben 19 Prozent der Unternehmen als Grund fürihre Ablehnung von Lebensarbeitszeitkonten an. Tatsächlich wird mitdem Tod des Arbeitnehmers oder dem Ausscheiden aus dem Unternehmendie Auszahlung des gesamten Wertguthabens fällig - und damit auchSteuern und Sozialbeiträge. Grundsätzlich räumt der Gesetzgeber daherdie Möglichkeit ein, bei Firmenwechsel das Wertguthaben steuerlichund sozialversicherungsrechtlich neutral auf den neuen Arbeitgeber zuübertragen und dort weiterzuführen. Immerhin 44 Prozent derUnternehmen in der Stichprobe haben diese Möglichkeit in derAusgestaltung ihres Modells schon berücksichtigt. Die Ergebnisse der Umfrage "Zeitwertkonten als vergütungspolitisches Instrument" können Sie auch anfordern unter: karim.schaefer@de.pwc.comOriginaltext: PriceWaterhouseCoopers
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Quelle: news aktuell