21.03.2006
Aktienmarkt: DAX schaut wieder stärker auf die USA
Mainz (ots) - Der DAX ist schneller als allgemein erwartet in den
Bereich von 6.000 Indexpunkten vorgerückt. Bei den regelmäßig
diskutierten Faktoren „Restrukturierungsphantasie", „attraktive
Bewertung" und „Dividendenerhöhungen" wurden die optimistischen
Markterwartungen sogar noch übertroffen. Unternehmen wie Commerzbank,
Continental, Linde und MAN haben in der abgelaufenen Berichtssaison
insbesondere auf der Kostenseite nochmals positiv überrascht. Die
Hoffnungen, dass ein Großteil der DAX-Unternehmen die Dividende
anheben würde, wurden erfüllt - die DAX-Unternehmen werden für 2005
insgesamt die Rekordsumme von 21 Mrd. EUR ausschütten. Das 29 Mrd.
EUR schwere Angebot von E.ON für die spanische Endesa und das 14 Mrd.
EUR Angebot von Merck für Schering haben zudem die
Übernahmespekulationen weiter angeheizt. Des Weiteren haben die
Hoffnungen auf eine konjunkturelle Belebung in Deutschland mit dem
beeindruckenden Anstieg des Ifo-Index auf ein 14-Jahres-Hoch weiteren
Rückenwind erhalten.
Jedoch stellt sich gerade angesichts des Ifo-Rekordhochs zunehmend
die Frage nach den weiteren Kraftreserven der Faktoren, die in den
vergangenen Quartalen den deutschen Aktienmarkt zu einer starken
Outperformance im internationalen Vergleich getrieben haben. Die
historischen Beispiele Dezember 2003, Januar 2000 oder Juli 1994
zeigen, dass es dem DAX zunehmend schwer fällt, nach einem
Ifo-Index-Rekordhoch weitere Kursgewinne zu verbuchen. Darüber hinaus
zeichnet sich ab, dass auch die Gewinndynamik auf Unternehmensebene
abnimmt. Eine Reihe von DAX-Konzernen - u.a. E.ON, Deutsche Telekom,
Deutsche Post - haben für 2006 lediglich eine Stagnation der Gewinne
in Aussicht gestellt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des DAX von knapp 14
(2006) hat sich mittlerweile den internationalen Maßstäben angenähert
(Beispiel: KGV MSCI World 15), die Bewertungslücke hat sich damit
sukzessive eingeengt. Als ein weiterer Faktor könnte eine schärfere
Gangart der Notenbank, die bereits die US-Märkte in den vergangenen 2
Jahren gebremst hat, nach den inflationskritischen Äußerungen von
EZB-Präsident Trichet zunehmend auch die Aktienmärkte in Europa
bremsen.
Der Katalysator für weitere Kursgewinne des DAX liegt damit mehr
und mehr in den USA. Sollte es den US-Börsen gelingen, einen
Aufwärtstrend durchzusetzen, dürfte dies dem DAX nochmals unter die
Arme greifen. Auslöser für diesen Aufwärtstrend könnte, ähnlich wie
in 1995, die US-Notenbank sein. Damals wirkte das Ende der
Leitzinserhöhungen durch die Fed als Befreiungsschlag für die Wall
Street. Der S&P startete einen stetigen Aufwärtstrend und legte um 34
Prozent zu. Der deutsche Aktienmarkt konnte diesem Trend folgen, wenn
auch mit einer im Vergleich zu den US-Börsen unterdurchschnittlichen
Entwicklung. Mit Blick auf das allmählich näher rückende Ende der
Leitzinserhöhungen in den USA besitzt der DAX demnach weiteres
Potenzial. Auf Einzeltitelebene bieten zur Zeit insbesondere die
Finanzwerte Allianz, Münchener Rück und Deutsche Bank sowie die
Automobiltitel VW und DaimlerChrysler vielversprechende Perspektiven.
Originaltext: LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
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Quelle: news aktuell