21.03.2006
Rentenmarkt: Oberwasser für die Bären
Mainz (ots) - Die Mitte September 2005 auch im Euroraum begonnene
Trendumkehr bei den Renditen längerer wie auch kürzer laufender
Papiere ist in eine neue Phase eingetreten. Seit Jahresbeginn zeigt
der Zinsauftrieb wieder verstärkt Momentum und führte auch technisch
über wichtige Widerstandszonen hinaus. Die Sorgen sind dabei heute
durchaus ähnlich gelagert wie vor einem halben Jahr, als sich die
Konjunktur trotz des zu verdauenden höheren Ölpreisniveaus in guter
Verfassung zeigte und die Notenbanken zu Wachsamkeit mahnten. Jüngste
Äußerungen im Rahmen des G10-Treffens ließen wenig Zweifel an der
Einschätzung der führenden Notenbanken, dass die höheren Zinsen
bisher keine Gefahr für das Wachstum darstellen. Selbst die
japanischen Währungshüter haben sich nach fünf Jahren
Deflationsbekämpfung für eine Rückkehr zur geldpolitischen Normalität
entschieden. Per saldo legten zehnjährige Staatsanleihen in den USA
und Euroland allein seit Jahresbeginn rund 25 Renditestellen zu. Bei
zweijährigen Laufzeiten vollzogen vor allem Papiere aus Euroland
(plus 33 Renditestellen) trotz jüngster Konsolidierung einen
kräftigen Sprung.
Untermauert werden die Renditeschübe von einem anhaltend robusten
globalen Konjunkturbild. Konsolidierungsansätze bei
Stimmungsindikatoren erwiesen sich bisher trotz der deutlich erhöhten
Niveaus als temporär. Zuletzt fiel der deutsche ZEW-Index mit einem
unerwarteten Rückgang (63,4 nach 69,8 Punkte) auf, doch auch dies
wird allgemein nicht als Auftakt zu einer ausgeprägteren
Schwächephase eingestuft. Selbst wenn das verbleibende
Aufwärtspotenzial bei den international vielbeachteten
Frühindikatoren als zunehmend begrenzt anzusehen ist, dürften die
realwirtschaftlichen Daten des ersten Quartals und vermutlich noch
darüber hinaus insgesamt gut ausfallen. Der jüngste Konjunkturbericht
der US-Notenbank unterstreicht jedoch, dass selbst in einem
moderateren Expansionsumfeld (u.a. Immobilienmarkt) unverminderter
Preisdruck auf den Vorstufen und Lohnsteigerungen dazu führen, dass
trotz aktuell gedämpfter Preissteigerungen nicht automatisch auch die
längerfristigen Teuerungsgefahren gebannt sind.
Unter dem Strich stellt sich dem Anleger zunehmend die
Paradigmen-Frage, ob die Inflationsrisiken angesichts
fortgeschrittener Konjunkturzyklen und steigender Auslastung der
Kapazitäten in der derzeitigen Renditestruktur hinreichend
reflektiert sind. Unter Fristigkeitsaspekten öffnen sich zwar
institutionelle Käufer zuletzt sogar verstärkt wieder 30-jährigen
Anleihen, Kursrisiken spielen dabei jedoch nur eine untergeordnete
Rolle. Die stressfreiere Anlagevariante besteht in kürzeren
Laufzeiten zu inzwischen relativ attraktiver gewordenen Konditionen.
Hier spiegelt sich in den Terminmarktsätzen bereits eine
Leitzinserwartung per Ultimo 2006 von über 3 Prozent wider.
Originaltext: LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
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Quelle: news aktuell