16.03.2006
Bankenverband: Chancen auf ein weltweit ausgeglicheneres Wachstum
Köln, den 16.03.2006 (Investmentfonds.de) - Trotz der hohen Energie- und Rohstoffpreise
befindet sich die Weltwirtschaft weiterhin in einer ausgesprochen guten Verfassung.
Das Wachstum ist nach wie vor überdurchschnittlich. 2006 dürfte zudem die Konjunktur
im Euro-Raum an Fahrt gewinnen und die wirtschaftliche Normalisierung in Japan weiter
voranschreiten. Das globale Wirtschaftswachstum würde dadurch breiter und besser
ausbalanciert. Eine spürbare Abschwächung der US-Konjunktur im zweiten Halbjahr sowie
ein neuerlicher Schub bei den Energiepreisen stellen für die Weltwirtschaft aus heutiger
Sicht die größten Risiken dar.
Nachdem die Konjunktur im Euro-Raum 2005 eher enttäuschend verlief, haben sich die
Aussichten für 2006 in den letzten Monaten sichtlich aufgehellt. Während die gute
Weltkonjunktur für weiterhin steigende Exporte sorgt, verdichten sich die Anzeichen
auf eine lebhaftere Investitionskonjunktur. Außerdem sollte die bereits im vergangenen
Jahr eingesetzte Verbesserung am Arbeitsmarkt dem privaten Konsum Auftrieb geben. In
der Währungsunion ist 2006 daher ein Wirtschaftswachstum von rund 2 % möglich.
Auch für Deutschland signalisieren die konjunkturellen Frühindikatoren einen guten
Start in das Jahr 2006. Neben den unverändert freundlichen Exportperspektiven hellen
sich inzwischen auch die Aussichten für die Binnennachfrage auf: Die günstige Ertrags-
lage der Unternehmen, verbesserte Abschreibungsbedingungen und eine höhere
Kapazitätsauslastung sollten den Ausrüstungsinvestitionen weiteren Schwung geben.
Zusammen mit einem sich allmählich belebenden privaten Konsum, der in der zweiten
Jahreshälfte von Vorzieheffekten aus der für 2007 geplanten Mehrwertsteuererhöhung
profitiert, dürfte die gesamtwirtschaftliche Leistung in Deutschland in diesem Jahr
um rund 1 ½ % steigen.
Ungeachtet der statistischen Verzerrungen zeichnet sich am deutschen Arbeitsmarkt
gegenwärtig eine Bodenbildung ab. Der Abbau von regulären Arbeitsplätzen läuft langsam
aus, und die Zahl der offenen Stellen ist deutlich gestiegen. Wegen der bisherigen
Arbeitsmarktreformen und der moderaten Lohnpolitik der vergangenen Jahre dürfte das
für 2006 prognostizierte Wirtschaftswachstum ausreichen, um im Durchschnitt dieses
Jahres – erstmals seit 2001 – wieder einen Rückgang der Arbeitslosigkeit zu erreichen.
Die Inflationsrate wird im Euro-Raum vor allem von dem Anstieg der Energiepreise geprägt.
Ohne Energieprodukte liegt die jährliche Teuerungsrate in Deutschland bei 1,2 und in
der Währungsunion bei 1,4 %. Da bislang keine nennenswerten Anzeichen für Zweitrunden-
effekte der Ölpreisentwicklung zu erkennen sind, bestehen gute Chancen, dass die
Inflationsrate sowohl in Deutschland als auch im Euro-Raum in den kommenden Monaten
wieder unter die 2 %-Marke sinkt.
Bei einem in den kommenden Monaten wieder nachlassenden Preisauftrieb besteht für
die Europäische Zentralbank aus heutiger Sicht kein Grund zu einer eiligen Straffung
der Geldpolitik. Zudem sollten die europäischen Währungshüter bei der Festlegung der
künftigen zinspolitischen Schritte auch die damit womöglich verbundene Aufwertung
des Eurokurses mit in den Blick nehmen, die den Expansionsgrad der Geldpolitik
ebenfalls reduziert.
Quelle: Investmentfonds.de