09.03.2006
Fidelity: Marktüberblick Europa
Köln, den 09.03.2006 (Investmentfonds.de) - Großbritannien
• Für britische Aktien verlief die Woche uneinheitlich: Manche Ergebnisse bertrafen
die Erwartungen der Analysten, andere sorgten für Enttäuschung. Barclays und
Lloyds TSB sorgten – als Vertreter der diese Woche herausragenden Bankbranche –
für positive Überraschungen, während die Ertragsprognosen von Reuters deutliche
Kursverluste auslösten.
• Barclays, die drittgrößte Bank der britischen Insel, meldete einen Vorsteuergewinn
in Rekordhöhe von 5,28 Milliarden Pfund (2004: 4,58 Milliarden). Ein großer Teil des
Gewinns wurde außerhalb Großbritanniens erzielt. Lloyds TSB meldete für 2005 ein
Gewinnwachstum von 4%. Die Aktien des Rüstungsunternehmens BAE Systems verloren,
obwohl der Betriebsgewinn für das gesamte Jahr den Erwartungen entsprach, da ein
großer defizitärer Pensionsfonds Sorgen um das gesamte betriebliche Pensionssystem
des Unternehmens aufkommen ließ.
• Nach der Veröffentlichung des jüngsten Sitzungsprotokolls der Zentralbank scheinen
Zinssenkungen in der nahen Zukunft weniger wahrscheinlich: Aus dem Sitzungsprotokoll
des Zinspolitischen Ausschusses der Bank of England vom 9. Februar ging hervor, dass
die Entscheidung, die Zinsen auf 4,5% zu belassen, mit acht zu einer Stimme getroffen
wurde. Dies lief der Erwartung von Beobachtern zuwider, zwei der Ausschuss-Mitglieder
würden Zinssenkungen befürworten. Die Entscheidung gegen eine Zinssenkung erfolgte
vor dem Hintergrund eines lebhafter werdenden Immobilienmarktes und verbesserter
Prognosen für die Konsumausgaben.
• Einer Untersuchung des Internet-Immobilienmaklers The Rightmove zufolge stieg der
durchschnittliche Kaufpreis von Häusern in England und Wales über die Marke von
200.000 Pfund. Grund für das Rekordhoch sind der Mangel an Verkäufern und steigende
Nachfrage.
• Die privaten Konsumausgaben erhöhten sich im 4. Quartal 2005 um 0,7%, so schnell
wie seit über einem Jahr nicht mehr. Wie das Nationale Statistikbüro mitteilte,
waren Güter und Dienstleistungen gleichermaßen betroffen.
• Die Auftragslage der Fertigungsbranche ist auf ihrem besten Stand seit März
vergangenen Jahres, so die monatliche Trendumfrage des Britischen Industrieverbands.
Die von dem Arbeitgeberverband befragten Unternehmen prognostizierten für die kommenden
Monate maßvolle Produktionssteigerungen.
Kontinentaleuropa
• In Europa wurden die Märkte von den Bank- und Versorgerwerten nach oben gezogen;
die Frage nach der Nachhaltigkeit des Anstiegs bleibt allerdings bestehen. Im
Wochenverlauf blieben Übernahmephantasien in der stark fragmentierten europäischen
Versorgerbranche ein zentrales Thema. In der Wochenmitte sorgten die guten
Ergebnisse der niederländischen Heineken-Brauerei für Freude bei den Anlegern.
• Der deutsche Energieriese E.ON will den spanischen Stromkonzern Endesa für 29
Milliarden Euro übernehmen und übertrifft damit das Gebot des kleineren spanischen
Rivalen Gas Natural, der zuvor 22,8 Milliarden Euro geboten hatte. Trotz der
höheren Summe schätzt der Markt das Angebot von E.ON als zu niedrig ein; auch
der Vorstandschef von Endesa teilt diese Einschätzung.
• Die beiden Versorger Gaz de France und Suez verzeichneten solide Kursgewinne nach
Spekulationen, die beiden Unternehmen könnten eine Allianz eingehen, um die Annäherung
des italienischen Rivalen Enel an Suez abzuwehren. Enel hatte Pläne angekündigt, sich
an dem belgischen Versorger Electrabel zu beteiligen und gleichzeitig nicht ausge-
schlossen, ein Gebot für Suez, Electrabels Mutterkonzern, abzugeben.
• In Deutschland wurde der Haushalt für das Jahr 2006 verabschiedet; dieser verstößt
zum fünften Mal in Folge gegen die Auflagen des EU-Wachstums- und Stabilitätspakts.
Der Haushaltsentwurf im Umfang von 262 Milliarden Euro sieht ein Defizit von 3,4% des
Bruttoinlandsprodukts vor und liegt damit erneut über der Obergrenze von 3%. Auf den
Vorwurf, die Koalitionsregierung von Bundeskanzlerin Merkel habe das erklärte Ziel
der Ausgabenkürzungen nicht erreicht, entgegnete Finanzminister Steinbrück, dass
zahlreiche Sparmaßnahmen ins nächste Jahr verschoben würden, um den zarten Aufschwung
der deutschen Wirtschaft nicht zu gefährden.
• In den großen Volkswirtschaften verbesserten sich das Geschäfts- und Verbraucher-
vertrauen: In Frankreich berichten die von dem nationalen Statistikbüro INSEE befragten
Unternehmensführer von einer Besserung der Auftragslage. Damit verringerte sich die
Sorge, französische Unternehmen könnten an dem stärkeren Wachstum der Weltwirtschaft
nicht ausreichend teilhaben. In Italien meldete das Statistikbüro ISAE eine Verbesserung
des Index für Verbrauchervertrauen auf seinen höchsten Stand seit September 2002; das
Geschäftsvertrauen hingegen verschlechterte sich zum ersten Mal seit acht Monaten. In
Deutschland verbesserte sich der viel beachtete Ifo-Geschäftsklima-Index auf 103,3
Punkte, seinen höchsten Stand seit 14 Jahren. In der Umfrage zeigen sich die Vertreter
der Fertigungsbranche optimistisch, ebenso der Einzelhandel.
• Als der Ifo-Geschäftsklima-Index seinen höchsten Stand seit 14 Jahren meldete,
gerieten europäische Anleihen unter Druck. Die Nachricht steigerte die Erwartungen einer
baldigen Zinsanhebung um einen Viertelprozentpunkt. Die Marktakteure meinten, zusammen
mit dem verbesserten Verbrauchervertrauen gebe der hohe Wert des Ifo-Index der
Europäischen Zentralbank die nötige Rechtfertigung für eine Zinsanhebung.
Quelle: Investmentfonds.de