13.02.2006
Mittelstand und Globalisierung: Märkte Mittel- und Osteuropas von hoher Bedeutung
Fankfurt/Main (ots) - Die deutschen Mittelständler haben sich aufdie zunehmende Globalisierung der Wirtschaft eingestellt und sind imeuropäischen Vergleich überdurchschnittlich stark internationalengagiert. Das geht aus der aktuellen Studie "Die Globalisierung desMittelstandes Chancen und Risiken" hervor, die die KfW Bankengruppeund der Verband der Vereine Creditreform am Montag in Berlinvorgelegt haben. Fast ein Viertel der kleinen und mittlerenUnternehmen ist demnach im Exportgeschäft aktiv, zwei Drittel dermittelständischen Exporte fließen in Länder der Europäischen Union.Als Ziel von Direktinvestitionen spielen die mittel- undosteuropäischen Länder für den Mittelstand eine sehr viel größereRolle als für die Gesamtwirtschaft. Wesentliches Motiv für dieAuslandsengagements ist die Erschließung neuer Absatzmärkte. Einemögliche Kostenersparnis durch Produktionsverlagerung ist hingegenvon nachgeordneter Bedeutung. "Der Umbruch in den Ländern Mittel- und Osteuropas und die damiteinhergehende Liberalisierung der Märkte gab den Startschuss fürstärkere internationale Aktivitäten deutscher Mittelständler", sagteKfW-Vorstandssprecher Hans W. Reich bei der Vorstellung der Studie.Als weitere Triebkräfte der Globalisierung identifizierten KfWBankengruppe und Creditreform die Verlagerung der Fertigungen vonGroßkunden, denen der Mittelstand folgte, sowie eine aufgrundschwacher Binnennachfrage steigende Attraktivität ausländischerMärkte. Technischer Fortschritt und sinkende Transport- undKommunikationskosten haben zudem die mit Direktinvestitionenverbundenen Fixkosten reduziert und Markteintrittsbarrieren gesenkt.Dies erleichtert kleineren und mittleren Unternehmen, die generellniedrigere Investitionsvolumina stemmen als große, den Schritt insAusland. "Der Mittelstand besinnt sich in Zeiten einer globalisiertenWirtschaft auf eine seiner großen Stärken, nämlich die Flexibilität",fasste Reich die Studienergebnisse zusammen. "Die Unternehmen habensich angepasst: Sie exportieren mehr, investieren im Ausland - underschließen sich neue Märkte." Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium fürWirtschaft und Technologie, Hartmut Schauerte, ergänzte: "DieBundesregierung unterstützt nachdrücklich das Auslandsengagement desMittelstands. Hierdurch wird die Wettbewerbsfähigkeit unsererUnternehmen verbessert und es bleiben qualifizierte Arbeitsplätze inDeutschland erhalten oder werden sogar neu geschaffen. Deshalb werdenwir in dieser Legislaturperiode ein besonderes Augenmerk auf dieauslandsorientierten Mittelständler legen." Die neue Studie liefert erstmals detaillierte Aussagen über Artund Umfang der von kleinen und mittleren Betriebe durchgeführtenDirektinvestitionen. Die Datenlage zu diesem Thema ist bislang sehrlückenhaft, weil die amtliche Statistik aufgrund bestehenderMeldegrenzen die mittelständischen Direktinvestitionen unterzeichnet.Die KfW Bankengruppe und Creditreform haben deshalb gemeinsamversucht, dieses Defizit zu kompensieren. Die jetzt vorgelegte Studiebasiert auf einer Befragung von 4.000 Unternehmen im Herbst 2005, aufDaten des KfW-Mittelstandspanels sowie auf einer Auswertung von 2300KfW-geförderten Auslandsinvestitionen kleiner und mittlererUnternehmen. Zentrale Ergebnisse der Untersuchung sind: - 24 % der deutschen Mittelständler exportieren, dasAuslandsgeschäft trägt im Schnitt 17 % zum Gesamtumsatz allerMittelständler bei. Besonders das Verarbeitende Gewerbe istexportfreudig: Laut Studie beliefern 40 % der befragten Unternehmendieser Branche nicht nur den Heimatmarkt, sondern auch das Ausland.Über alle Wirtschaftsbereiche gilt: Je größer und produktiver einUnternehmen ist, desto ausgeprägter ist seine Exportorientierung - Die Exportquote des deutschen Mittelstandes liegt über demDurchschnitt der 15 "alten" EU-Länder (12 %) und übersteigt auch dieentsprechenden Quoten anderer großer europäischer Volkswirtschaften. - Fast die Hälfte (46 %) aller mittelständischenDirektinvestitionen fließt in die "alte" EU in ihren Grenzen von 2004- ähnlich hoch ist der Anteil für alle deutschen Direktinvestitionenin diesen Staaten. - Eine besondere Bedeutung für die kleinen und mittlerenUnternehmen haben die mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer. 29% des Investitionsvolumens der geförderten Mittelständler flossendorthin. Dagegen hat diese Region nur einen Anteil von 3,5 % an allendeutschen Direktinvestitionen. - Die Beitrittsländer haben zudem im Zeitverlauf für denMittelstand an Bedeutung gewonnen: So gingen zwischen 1986 und 199522 % des Investitionsvolumens der von der KfW gefördertenMittelständler nach Mittel- und Osteuropa, im Zeitraum von 2001 bisheute sind es 29 %. Diese Entwicklung geht zu Lasten der "alten" EU,in der die mittelständischen Direktinvestitionen rückläufig sind (61% ggü. 37 %). - Neben Mittel- und Osteuropa haben weiter entfernte Regionen wieAsien und Amerika als Ziel mittelständischer Direktinvestitionen anBedeutung gewonnen. - Das Outsourcing von Teilen der Produktion an kostengünstigeStandorte spielt auch im Mittelstand eine wichtige Rolle. 65 % derUnternehmen importieren Güter, die im Ausland hergestellt wurden, umdiese dann in ihren Produktionsprozess in Deutschland einfließen zulassen. "Die Globalisierung bietet den deutschen Mittelständlern Chancen -und sie nutzen sie", betonte Prof. Dr. Helmut Rödl, Vorstandsmitglieddes Verbands der Vereine Creditreform. Das Auslandsengagement gehe,trotz häufig anders lautender Befürchtungen, nicht zwangsläufig zuLasten der Arbeitsplätze in den Heimatländern: "WesentlicheInvestitionsmotive sind laut unserer Befragung die Erschließung neuerund die Sicherung bestehender Märkte. Lohnkostenvorteile,Subventionen oder günstigere Bezugsquellen im Ausland spielen eineweniger wichtige Rolle." Die Studie "Die Globalisierung des Mittelstandes - Chancen und Risiken" kann im Internet unter www.kfw.de abgerufen werden.Originaltext: KfW
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Quelle: news aktuell