13.12.2005
Rentenmarkt: Risikobewusstsein gefragt
Mainz (ots) - Ein spektakuläres Rentenjahr war es bis dato trotz unzweifelhafterHöhen und Tiefen nicht. Europäische Anleger können sich beizehnjährigen Anleihen unter dem Strich aber über einen Gesamtertragaus Kursgewinn und Kupon von rund 6,5 Prozent freuen, was demhistorischen Durchschnitt nahe kommt. Anleger in US-Staatspapierengleicher Laufzeit konnten den seit Jahresanfang schmalen Ertrag vonknapp 1,5 Prozent immerhin durch erhebliche Währungsgewinne in Euroauf 15 Prozent aufbessern, nachdem gerade die Währungsbereinigung inden drei Jahren zuvor zu einem negativen Anlageergebnis beiDollar-Papieren geführt hatte. Ohne Frage ist jedoch der Gegenwindseit September insgesamt stärker geworden und hat sich erst aktuellwieder etwas abgeschwächt. Von konjunktureller Seite gehen international weiterhin robusteSignale aus. Dies gilt primär für die USA, aber auch zunehmend fürdie Wirtschaftsentwicklung in Japan und Euroland. Kennzeichnend fürdie USA ist die allmähliche Erholung von den Hurrikan-Verwerfungen,was sowohl eine Korrektur des enorm angestiegenen Industrievertrauensals auch eine Erholung des zunächst massiv gedrückten Konsumklimaseinschließt. Phasenweise rücken zwar Spekulationen umErmüdungserscheinungen des US-Verbrauchs in den Vordergrund, eineBestätigung dafür hat sich allerdings bisher wohl auch dankstaatlicher Hilfsmilliarden sowie Versicherungsleistungen imZusammenhang mit den Hurrikans nicht ergeben. Da für die USA auch imkommenden Jahr mit einer Expansion in Höhe des Potenzialwachstums(ca. 3,5 Prozent) gerechnet wird und sich diese Erwartungshaltungzudem über die letzten Monate als vergleichsweise stabil erwiesenhat, hatte die US-Notenbank bisher keine Veranlassung, ein Ende deslaufenden Leitzinszyklus zu signalisieren. Die jüngste Zinswende imEuroraum wurde demgegenüber seitens der Europäischen Zentralbankschon vorab nicht als Trend deklariert. So wurde denn auch die ersteAnhebung des Mindestbietungssatzes seit Oktober 2000 um 25Basispunkte eher gelassen aufgenommen, während die Notenbankendurchaus wohlwollend registrieren dürften, dass es bisher zu keinemnachhaltigen Anstieg der Inflationserwartungen gekommen ist. Diesgilt auch für Deutschland, obwohl mit der für 2007 geplantenMehrwertsteueranhebung auf 19 Prozent zunächst eine Erhöhung derVerbraucherpreise um über einen Prozentpunkt verbunden sein dürfteund damit auch höhere Lohnforderungen nicht ausgeschlossen werdenkönnen. Per saldo ist Risikobewusstsein mehr denn je gefragt, zumal auchdie Wechselkurse (Euro gegenüber Yen auf höchstem Stand seitEinführung der Gemeinschaftswährung) ins Kalkül gezogen werdenmüssen. Angesichts einer historisch immer noch geringenMehrverzinsung für längere Bindungsfristen und mit Blick auf dasRisiko, dass die Kapitalmarktrenditen nach der aktuellenVerschnaufpause weiter ansteigen, bleiben bei überschaubarenLeitzinsrisiken kürzere Laufzeiten die flexiblere undnervenschonendere Anlage-Variante.Originaltext: LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
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Quelle: news aktuell