15.11.2005
Rentenmarkt: Erhöhte Nervosität
Mainz (ots) -
Seit Anfang September sehen sich Anleiheinvestoren mit ungünstigen
US-Vorgaben, aber auch mit einer Eintrübung des heimischen
Nachrichtenumfeldes konfrontiert. Das bisher unterstellte
Konjunkturkorrektiv durch hohe Rohstoffkosten ist angesichts einer
begonnenen Konsolidierung der Ölnotierungen sowie insgesamt robuster
makroökonomischer Datenlage infrage gestellt, so dass der Blick
verstärkt auf der Teuerungsentwicklung ruht. Da auch die EZB das
Inflationsthema seit einiger Zeit verstärkt aufgreift, besteht die
Sorge, dass ein erster Zinsschritt möglicherweise sogar noch in
diesem Jahr gewagt werden könnte. Infolge der geänderten
Risikowahrnehmung stiegen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen
spürbar (aktuell 3,51 Prozent) und verkürzten dabei ihren
Verzinsungsrückstand gegenüber US-Staatspapieren auf unter 110
Basispunkte. Sowohl US- als auch Euroland-Renditen haben dabei
jeweils technische Abwärtstrends signifikant nach oben durchbrochen.
Die konjunkturellen Signale fielen zuletzt sowohl in den USA als auch
hierzulande positiv aus. Vor allem wichtige industrielle
Frühindikatoren (ISM-Index, Ifo-Geschäftsklima) präsentierten sich im
Oktober robust. In Deutschland entwickelten sich darüber hinaus die
September-Auftragseingänge und die Produktion deutlich besser als
erwartet, und die Exportperspektive wird weiterhin gestützt durch die
derzeitige Schwäche des Euros. Inwieweit davon aber künftig auch der
Private Verbrauch profitieren wird, bleibt ungewiss. Höhere
Energierechnungen dürften zunächst einige Kaufkraft abschöpfen, und
für die USA könnten gestiegene Hypothekenzinsen bremsend auf den für
das Wohlstandsempfinden enorm wichtigen Immobiliensektor wirken.
Statt der konjunkturellen Schwachpunkte stehen jedoch trotz
merklicher Beruhigung der Ölpreise derzeit für die Bond-Investoren
Teuerungsaspekte im Vordergrund. Einerseits weisen die
Preiskomponenten von Einkaufsmanagerumfragen beidseits des Atlantiks
deutlich auf die im Jahresvergleich erhöhten Produzentenpreisniveaus
hin (USA: +6,9 Prozent, Euroland +4,3 Prozent). Auf der anderen Seite
steht die Sorge vor Zweitrundeneffekten. In den USA zogen die Löhne
im Oktober unerwartet stark an und das Beige Book enthält Hinweise
auf erhöhte Preisüberwälzung auf den Endverbraucher. Die EZB spricht
von gestiegenen Risiken und dürfte zusätzlich durch ein Wachstum der
Geldmenge M3 um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr alarmiert sein.
Unter dem Strich dürfen die Rentenmarktakteure zwar nach
substanzieller Verschärfung der Rhetorik seitens der Notenbanken auf
eine Verschnaufpause hoffen. Für Entwarnung ist es jedoch zu früh,
solange sich nicht Sorgen um Kernraten-Effekte bei der Teuerung als
überzogen herausstellen. Eine gewisse - die Grundstimmung belastende
- Anspannung sollte daher erhalten bleiben, zumal selbst bei einem
weiteren Ölpreisrückgang eher die steigende Konjunkturzuversicht im
Vordergrund stehen dürfte. In diesem Umfeld bleibt die erhöhte
Flexibilität von Anlagen in kürzeren Laufzeiten einer im historischen
Vergleich noch immer unterdurchschnittlichen Mehrrendite für längere
Bindungsfristen vorzuziehen.
Originaltext: LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
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Quelle: news aktuell