09.11.2005
Konjunkturbericht Nov.: Weltwirtschaft bleibt robust
Köln, den 09.11.2005 (Investmentfonds.de) - Die Weltwirtschaft zeigte sich bis
zuletzt in einer guten Verfassung. Die hohen Ölpreise sollten für sich genommen
daran nur wenig ändern. Größere Konjunkturprobleme würden erst dann entstehen,
wenn die Energieverteuerung zu nennenswerten Zweitrundeneffekten bei den Ver-
braucherpreisen führt. Mit moderaten Lohnabschlüssen könnte diese Gefahr jedoch
entschärft werden. Sollte zudem die jüngste Beruhigung an den Ölmärkten länger-
fristig anhalten, ist 2006 mit einer Fortsetzung der lebhaften Weltkonjunktur
zu rechnen.
Die Konjunktur im Euro-Raum hinkt der guten Entwicklung der Weltwirtschaft
sichtlich hinterher. Ein wichtiger Grund für das magere Wirtschaftswachstum ist
die hohe Arbeitslosigkeit. Aber auch zahlreiche Marktregulierungen, ein über-
frachteter Staatssektor sowie die damit verbundenen Haushaltsprobleme belasten
die wirtschaftliche Dynamik. Vor diesem Hintergrund ist auch für 2006 kein
dynamischer Aufschwung in Sicht. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich nur gering-
fügig beschleunigen – von 1,3 % in diesem Jahr auf voraussichtlich 1,6 % im
nächsten Jahr.
Die deutsche Wirtschaft hat die Stagnation aus dem zweiten Quartal überwunden.
Die gute Entwicklung von Auftragszahlen und Stimmungsindikatoren deuten darauf
hin, dass die Konjunktur auch über das dritte Quartal hinaus auf einem Erholungs-
kurs bleibt. Große Schwierigkeiten bereitet aber weiterhin die schwache Ent-
wicklung des privaten Konsums. Hier ist erst im Laufe des nächsten Jahres mit
einer allmählichen Besserung zu rechnen. Die gesamtwirtschaftliche Leistung
könnte dann 2006 um 1,3 % steigen nach einem Plus von 0,9 % im laufenden Jahr.
Mit der Rückkehr der deutschen Wirtschaft auf einen Wachstumspfad verbessern sich
auch die Aussichten auf eine Stabilisierung am Arbeitsmarkt. Anfang 2006 könnte
deshalb der Abbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung allmählich ein
Ende finden. Für eine nennenswerte Zunahme der Beschäftigung in 2006 ist das
prognostizierte Wirtschaftswachstum allerdings zu niedrig, zumal für eine nach-
haltige Reduktion der Arbeitslosigkeit weitere Arbeitsmarktreformen erforderlich
wären.
Die Inflationsrate wird in Deutschland und im Euro-Raum zurzeit ausschließlich
von den Energiepreisen nach oben getrieben. Wegen der schwachen Binnennachfrage,
der großen Beschäftigungsprobleme sowie des scharfen internationalen Wettbewerbs
um Absatzmärkte und Produktionsstandorte bestehen gute Chancen, dass der Preis-
auftrieb nach einem vorübergehenden „Ölpreisbuckel“ ab dem Frühjahr 2006 wieder
nachlässt.
Die anziehende Inflationsrate und die kräftige Geldmengenexpansion erfordern eine
erhöhte Wachsamkeit der europäischen Geldpolitik. Unmittelbarer Handlungsbedarf
für eine Zinsstraffung besteht zurzeit aber nicht. Vielmehr sollte die Europäische
Zentralbank noch abwarten, wie sich Energiepreise und Konjunkturdaten in der
kommenden Zeit entwickeln werden und welche Signale die Lohnpolitik sendet.
Quelle: Investmentfonds.de