04.11.2005
Bank Hofmann: Trügerische Ruhe am Devisenmarkt
Köln, den 04.11.2005 (Investmentfonds.de) - Die entscheidende Stütze verleiht
dem "Greenback" die amerikanische Geldpolitik; die USZentralbank setzt den im
Sommer 2004 begonnenen Zinserhöhungskurs entschlossen fort. Diese Marschrichtung
wird mit großer Wahrscheinlichkeit noch bis mindestens Ende Jahr beibehalten.
Man darf daher einstweilen mit einer zumindest stabil bleibenden amerikanischen
Währung rechnen. Allerdings ist zu bedenken, dass diese konsequente Geldpolitik
die beiden die Währung belastenden Zwillingsdefizite der USA in den Hintergrund
drängt, das Leistungsbilanzdefizit und die Lücke des Staatshaushalts. Nach dem
Hurrikan "Katrina" setzten die Marktteilnehmer vorübergehend auf eine Lockerung
der Geldzügel. Der darauf folgende Schwächeanfall der Währung war ein Fingerzeig,
was wohl zu erwarten ist, sobald die Fed das Ende der Zinsschraube signalisiert.
Sollte zu jenem Zeitpunktb die US-Konjunktur von einer empfindlichen Abkühlung
betroffen sein, könnte dies den Auftakt zu einem Dollar-Sinkflug auf neue historische
Tiefstkurse bedeuten.
Fundamental gesehen ist der kanadische Dollar ein attraktiverer "Dollar". Nach
einer zehn Jahre dauernden Abwertungsperiode setzte anfangs 2002 für die Währung
Kanadas eine langfristige Trendumkehr ein. Das zuvor eingebüsste Terrain ließ sich
dabei fast vollständig gutmachen. Der nördliche Nachbar der USA hat eine eindrückliche
Verbesserung genau jener fundamentalen Eckdaten vorzuweisen, welche die Achillesferse
des USD darstellen. Eine gesunde Finanzpolitik beschert der kanadischen Regierung
seit 1997 konstant Haushaltsüberschüsse, und die Wirtschaft wusste die Jahre der
Währungsschwäche zum Aufbau von Exportkapazitäten zu nutzen, so dass die kanadische
Leistungsbilanz seit 2000 positive Saldi verzeichnet. Der CAD dürfte in der absehbaren
Zukunft zu den härtesten Währungen der Welt gehören. Im Gefüge der großen europäischen
Anlagewährungen gibt es wenig Kursphantasie. Die Stabilität des Pfund Sterlings und des
Schweizer Frankens im Verhältnis zum Euro kann als Ausdruck recht solider fundamentaler
Gleichgewichte betrachtet werden. Im Fall des Frankens kann dem Nachteil der Zinsabschläge
der chronisch enorme Leistungsbilanzüberschuss der Schweiz entgegen gehalten werden,
dieser betrug im Jahre 2004 12.0% des Bruttoinlandproduktes gegenüber 0.6% in Euroland.
Zusätzlich kann die Schweiz eine permanent tiefere Inflation von durchschnittlich etwa
einem Prozentpunkt in den letzten zehn Jahren vorweisen. Längerfristig stehen die Karten
des Frankens für wieder deutlich höhere Notierungen gegenüber dem Euro gut. Als Anstoß
bedarf es dazu wohl einer strafferen Geldpolitik der Nationalbank. Dies vor dem
Hintergrund einer merklich zunehmenden Wirtschaftsdynamik. Je viel versprechender sich
im laufenden Jahr die Wirtschaftsindikatoren des fernöstlichen Inselreichs präsentierten,
desto schwächer tendierte der Yen. Dieses Paradoxon kann einzig durch die Zinssituation
erklärt werden. Nach wie vor hält die Bank of Japan die kurzfristigen Leihraten bei Null,
und die Renditen von zehnjährigen JPY-Staatsanleihen liegen beachtlich unter jenen von
USD- bzw. EUR-Papieren. Dies macht zum einen festverzinsliche Yen-Anlagen für Ausländer
unattraktiv.
Zum andern animiert es auch zu so genannten "Carry trades", bei welchen man sich in tief
verzinslichen Währungen verschuldet, um die aufgenommenen Mittel in höher rentierende
Devisen zu investieren. Ein Yen-Steigflug dürfte unter anderem dann in Gang kommen,
wenn sich ein Ende der Nullzinspolitik der japanischen Zentralbank abzeichnet. Dazu muss
indessen die Deflation im "Land der aufgehenden Sonne" eindeutig überwunden werden. Dies
ist gegenwärtig noch keineswegs der Fall, doch rechnen manche Experten mit einer solchen
Entwicklung während des kommenden Jahres. Im Yen "schlummert" damit ein bedeutendes
Aufwertungspotenzial.
Quelle: Investmentfonds.de