12.10.2005
SEB Invest: Zinstrend kehrt sich zum wiederholten Mal um
Köln, den 12.10.2005 (Investmentfonds.de) - Die internationalen Rentenmärkte
tendierten im September zur Schwäche. Vorübergehend rückläufige Ölpreise,
höhere Inflationsraten und Zinserhöhungserwartungen brachten die Märkte unter
Druck. Auslandsengagements profitierten im letzten Monat von der Schwäche des
Euros.
Die Experten von SEB Invest halten die gegenwärtige Phase steigender Renditen
sprich fallender Kurse für vorübergehend. Schwächere Konjunkturdaten in der
Folge von höheren Energiepreisen sollten die Zinserhöhungsängste wieder abkühlen.
Viele Faktoren - einfache Wirkung
Mit Beginn des neuen Monats kehrte sich zum wiederholten Male der Zinstrend an den
Rentenmärkten um. Dabei sorgte zunächst die zeitweilige Entspannung der Rohöl-
und Benzinpreise, die nach dem Hurrikan "Katrina" Ende August schockartig gestiegen
waren, für fallende Rentenkurse.
Die zentrale Frage war, wie stark und wie lange die Konjunktur vom Anstieg der
Ölpreise beeinträchtigt würde und wie die Notenbanken hierauf reagieren würden.
Diese stuften die Auswirkungen des Sturmes jedoch als vorübergehend ein und
zeigten keine Neigung einen lockereren geldpolitischen Kurs einzuschlagen. So
erhöhten im September sowohl die kanadische wie auch die US-Notenbank ihre
Leitzinsen. In den USA spielten bei der Zinsentscheidung sicherlich auch die
massiven, das Budget zusätzlich belastenden Finanzhilfen eine Rolle. Energie-
preisbedingt steigende Inflationsraten und tendenziell steigende Inflationser-
wartungen bestätigten im Monatsverlauf die vorsichtige Haltung der Notenbanken.
Schließlich zeigten sich trotz widriger Umstände, beispielsweise kletterte
der Ölpreis mit dem zweiten Sturm im Süden der USA ("Rita") erneut auf die
alten Höchststände, die meisten Konjunkturumfragen im September recht robust.
Die Währung macht's
In lokaler Rechnung konnten sich im September nur wenige kleinere Rentenmärkte
dem allgemeinen Trend entziehen. Von den bedeutenderen Märkten behauptete sich
angesichts gemischter Konjunkturdaten und unveränderter Leitzinsen der EZB
lediglich die Eurozone. Erst in der zweiten Monatshälfte kam der Markt unter
Druck. So erreichte die Inflationsrate mit 2,5 %, den höchsten Stand seit Mitte
letzten Jahres, zudem blieb das Geldmengenwachstum äußerst kräftig und etliche
Konjunkturumfragen zeigten sich überraschend positiv. Wenig Freude machte
dagegen der japanische Rentenmarkt.
Die Renditen stiegen teilweise kräftig an. So wird vor dem Hintergrund der kon-
junkturellen Erholung und der strukturellen Fortschritte wieder über das Ende
der quantitativen Geldpolitik der japanischen Notenbank spekuliert. Der
überraschend deutliche Wahlsieg der Koalition Koizumis schürte zudem weitere
Reformhoffnungen. Am Ende der Performancerangliste fanden sich die USA.
Eine umfassende Schwäche des Euros im September ließ Auslandsengagements in
einem besseren Licht erscheinen. Dabei ragten vor allem die Dollar-Währungen
hervor. So profitierte insbesondere der kanadische Dollar von der Erhöhung der
Leitzinsen anfang des Monats. Von den führenden Rentenmärkten lag dank der
Währung lediglich der US-Markt im positiven Bereich.
Unternehmensanleihen - Sommerflaute
Unternehmensanleihen zeigten im September erneut eine ähnliche Wertentwicklung
wie Staatsanleihen. Die Zinsdifferenzen bewegten sich kaum und liegen weiterhin
auf recht niedrigem Niveau. Lediglich bei einzelnen Titeln ist es zu einer
Ausweitung der Spreads gekommen, wie z.B. bei Tele Danmark Corporation im Rahmen
von Übernahmespekulationen. Das niedrige Renditeniveau bei Staatsanleihen lässt
das Marktsegment weiterhin interessant erscheinen, auch da der Anstieg der
Emissionen nach dem "ruhigen" Sommer bisher ausgeblieben ist. Allerdings stieg
zuletzt die Nettoverschuldung der Unternehmen stärker als die Erträge. Ein
Warnzeichen, das uns zunächst vorsichtiger agieren lässt.
Ausblick - Notenbanken bleiben vorsichtig
Aufgrund der überraschenden Verbesserung der jüngsten Konjunkturumfragen hat
sich der Zinsauftrieb zuletzt fortgesetzt. Damit scheint sich trotz der Hurrikans
und des hohen Ölpreises die Belebung im Industriesektor zu festigen. Der jüngste
Anstieg der Rohöl- und Benzinpreise dürfte jedoch die Preisentwicklung in den
nächsten Wochen weiter belasten. Eine Abschwächung der Konsumausgaben aus diesem
Grund wird jedoch über kurz oder lang auch auf die Industrieproduktion ausstrahlen.
Wir gehen daher davon aus, dass wir uns vorerst in einer Aufwärtsphase eines
"Minizyklusses" im Industriesektor befinden, der in den nächsten Monaten wieder
umschwenken sollte. Da die Notenbanken die direkte Wirkung höherer Energiepreise
auf die Inflation nicht bekämpfen können, fokussierten sie zuletzt die
sog. "Zweitrundeneffekte" sowie die Inflationserwartungen. Ersteres meint
zunächst die indirekte Beeinflussung der Kerninflation, d.h. der Teuerung ohne
Energie und Nahrungsmittel, z.B. in Form höherer Transportkosten. Zu den
"Zweitrundeneffekten" gehören aber auch höhere Lohnabschlüsse, wobei hier die
Erwartung einer dauerhaft höheren Inflation eine zentrale Rolle spielt. Letztlich
wollen die Notenbanken einen sich selbst speisenden "inflationären Prozess"
(Issing) verhindern.
Während Ersteres nicht auszuschließen ist, ist in den USA aufgrund der guten
Konjunktur- und Arbeitsmarktlage die Gefahr höherer Lohnabschlüsse größer als
in der Eurozone. Allerdings sind beiderseits des Atlantiks zuletzt einige
Indikatoren für Inflationserwartungen merklich gestiegen. Insofern dürfte der
Markt in den USA zunächst weitere Zinserhöhungen der FED einpreisen. Von der
EZB erwarten wir jedoch zu-nächst nur eine verschärfte Rhetorik. Wir glauben
weiterhin, dass eine Zinserhöhung hierzulande einer konjunktureller
"Untermauerung" bedarf.
Nicht zuletzt aufgrund des Verkäufermangels ableitbar aus der defensiven Haltung
des Marktes bleiben wir zunächst neutral positioniert. In Erwartung wieder
schwächerer Konjunkturdaten warten wir jedoch auf einen geeigneten Zeitpunkt für
den Einstieg.
Quelle: Investmentfonds.de