07.10.2005
Bankenverband: ''Deutscher Bankenmarkt ist stabil und krisenfest''
Köln, den 07.10.2005 (Investmentfonds.de) - Schon im Vorfeld der Tagungen von IWF
und Weltbank haben sich deutlich zwei zentrale Themen herauskristallisiert: die
Ungleichgewichte im globalen Finanz- und Wirtschaftssystem und – damit im engen
Zusammenhang stehend – die Ölpreisentwicklung. Für die internationale Wirtschafts-
entwicklung gehen hiervon Risiken aus, die unseres Erachtens aber beherrschbar
sind. Das Expansionstempo der Weltwirtschaft dürfte sich aus heutiger Sicht nur
leicht abschwächen. Die konjunkturellen Rahmenbedingungen zur Bekämpfung der
bestehenden Ungleichgewichte bleiben also gut.
Freilich wird der Ölpreis voraussichtlich noch längere Zeit hoch bleiben und damit
dämpfend auf die Weltwirtschaft einwirken. Eine krisenhafte Zuspitzung wie in den
70er und 80er Jahren ist zwar gegenwärtig nicht zu befürchten. Gleichwohl war der
Ölpreis hier in Washington ein wichtiges Thema. Das Maßnahmenpaket, auf das sich
die G7-Länder verständigt haben, weist – wenn es denn mit Leben gefüllt wird – in
die richtige Richtung.
Ungleichgewichte im Finanz- und Wirtschaftssystem
Mit Blick auf die Ungleichgewichte im internationalen Finanz- und Wirtschaftssystem
gilt es, deren Ursachen genau zu analysieren. In den drei großen Wirtschaftsregionen
USA, Asien und Europa stellen sie sich sehr unterschiedlich dar und bedürfen mithin
auch verschiedener Therapieansätze.
Die USA sind dringend aufgefordert, ihr Leistungsbilanzdefizit zurückzuführen. Dieses
Defizit wird im laufenden Jahr voraussichtlich einen neuen Höchststand von mehr als
sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen. Wir alle wissen: Dies ist keine
dauerhaft tragbare Situation und muss im Zusammenhang mit einer inzwischen negativen
Sparquote der privaten Haushalte und den erheblichen Finanzierungslücken in den
öffentlichen Haushalten gesehen werden. Das Budget zu konsolidieren, ist angesichts
der Kosten zur Bewältigung der Naturkatastrophen nicht leichter geworden, wenngleich
das für das kommende Jahr prognostizierte Wachstum der US-Wirtschaft von rund 3%
gewiss Handlungsspielräume eröffnet.
Die Ungleichgewichte in den asiatischen Schwellenländern sind hingegen durch unter-
bewertete Währungen bedingt. Um Aufwertungen am Devisenmarkt entgegenzuwirken, haben
einige asiatische Notenbanken in den letzten Jahren massive Dollarkäufe getätigt und
auf diese Weise die weltweit ohnehin schon reichliche Liquidität zusätzlich erhöht.
Das birgt nun die Gefahr von übertriebenen Preisreaktionen vor allem an den Renten-
und Immobilienmärkten. Eine geordnet verlaufende Aufwertung der asiatischen Währungen
wäre hier hilfreich. Die von der chinesischen Notenbank jüngst vorgenommene Aufwertung
des Remnimbi gegenüber dem Dollar und seine vergrößerte Flexibilität gegenüber Nicht-
Dollar-Währungen zeigen, dass das Problem wohl erkannt worden ist.
Für Japan, das nach einer langen Stagnationsphase eine erfreuliche Entwicklung aufweist,
steht im Vordergrund, durch Strukturreformen den Wachstumskurs zu stabilisieren. Das
Ergebnis der jüngsten Wahlen in Japan bietet hierfür gute Voraussetzungen, denn es ist
ein eindeutiges Wählervotum für die Fortsetzung der Reformen.
Auch in Europa müssen zur Stärkung des Wachstums Strukturreformen in Angriff genommen
bzw. fortgesetzt werden. Dies gilt vor allem mit Blick auf die Flexibilisierung der
Güter- und Faktormärkte. Aber auch die sozialen Sicherungssysteme müssen dringend auf
die demographischen Herausforderungen eingestellt werden. Ohne dies wird es nicht
gelingen, an internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen. Die Lissabon-Strategie
bliebe Makulatur. Sich abzuschotten – ich verweise hier nur auf die Diskussion um die
Dienstleistungsrichtlinie – ist keine Alternative zu einer Politik der Marktöffnung,
Liberalisierung und Befreiung der Menschen und der Unternehmen von überbordender
Verwaltung und Bürokratie.
Wir begrüßen deshalb ausdrücklich, dass sich der Rat der Wirtschafts- und Finanz-
minister Europas (ECOFIN) in seiner jüngsten Sitzung genau für diese Handlungsrezepte
ausgesprochen hat. Erklärungen alleine reichen nicht: Entscheidend ist entschlossenes
Handeln.
Quelle: Investmentfonds.de