22.09.2005
Studie von Roland Berger Strategy Consultants, dem Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft und dem Verband der Automobilindustrie zur Zukunft der Automobilindustrie in Russland
München (ots) - - Autoboom: Zahl der Neufahrzeuge in Russland steigt bis 2014 um sechs Prozent pro Jahr - Internationale Hersteller profitieren besonders - Zahl der ausländischen Zulieferer steigt stark - Wirtschaftliche Rahmenbedingungen entscheidend Der russische Automobilmarkt wird sich binnen zehn Jahren zu einemder wachstumsstärksten Fahrzeugmärkte der Welt entwickeln. So lautetein zentrales Ergebnis einer Gemeinschaftsstudie von Roland BergerStrategy Consultants, dem Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft unddem Verband der Automobilindustrie (VDA), an der 55 führendeinternationale Automobilunternehmen teilnahmen. Der Studie zufolgewird die Zahl der Neufahrzeuge in Russland von 1,3 Millionen im Jahr2004 auf 2,3 Millionen 2014 steigen. Dies entspricht einem jährlichenZuwachs von sechs Prozent. Das Wachstum wird vor alleminternationalen Herstellern zugute kommen: So klettern dieNeuwagen-Importe nach Russland von 300.000 im Jahr 2004 auf 700.000Fahrzeuge 2014. Die Zahl der in Russland montierten ausländischenNeuwagen springt im gleichen Zeitraum von 100.000 auf 800.000. Auchdie internationalen Zulieferer werden von dem Boom profitieren: 43Prozent planen, ihr Russland-Engagement in den nächsten drei Jahrenauszubauen. Wie schnell sich der russische Fahrzeugmarkt demwestlichen Standard nähern wird, hängt entscheidend von denwirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ab. Im Rahmen der Studie wurden im ersten Quartal 2005 55internationale, auch russische Automobilhersteller und Zulieferersowie politische Entscheidungsträger in persönlichen Interviews zurkünftigen Entwicklung des russischen Automobilsektors befragt. Zukunftsmarkt Russland Russland zählt nach China zu den wachstumsstärksten Automärktender Welt. Von 2004 bis 2014 werden dort der Studie zufolge jährlichrund 100.000 Neufahrzeuge mehr zugelassen als im Vorjahr, der Saldosteigt von 1,3 Millionen Neuwagen 2004 auf 2,3 Millionen im Jahr 2014(sechs Prozent p.a.). Immer mehr Russen steigen auf westlicheAutomarken um: Decken russische Autobauer derzeit noch 70 Prozent derNachfrage, werden bis 2014 rund 60 Prozent der Neuwagenkäufe aufinternationale Hersteller entfallen. Davon werden 700.000 PKWimportiert, 800.000 in Russland montiert. Die Zahl russischerNeuwagen wird dagegen von 900.000 im Jahr 2004 auf 800.000 2014zurückgehen. "Die russische Automobilindustrie steht vor einer umfassendenTransformation", sagt Jürgen Reers, Partner im Competence CenterAutomotive bei Roland Berger Strategy Consultants. "Marktstrukturen,Prozesse und nicht zuletzt die Fahrzeuge werden sich westlichenStandards angleichen. Deutsche und internationale Hersteller könnendavon besonders profitieren, weil die russischen Konsumenten mitsteigendem Einkommen auch höhere Ansprüche an Komfort und Sicherheitihrer Autos stellen. Allerdings gilt: Wer in Russland Erfolg habenwill, muss bereits heute marktgerechte Fahrzeugtypen mit attraktivenPreisen entwickeln." Perspektiven für Zulieferer Auch die Zulieferunternehmen können von der boomendenAutokonjunktur in Russland profitieren. Derzeit unterhalten die 20weltgrößten Zulieferer rund 150 Produktionsstandorte in Osteuropa.Erst sechs Unternehmen sind mit insgesamt acht Niederlassungen inRussland vertreten. Der Studie zufolge werden die Automobilhersteller ihre Zuliefererkünftig stärker an der Wertschöpfung beteiligen. So wird der Anteilder Zulieferfirmen an der Wertschöpfung russischer Fahrzeugbauer von26 Prozent im Jahr 2004 ansteigen auf 43 Prozent im Jahr 2010. Beiinternationalen Herstellern vergrößert sich der ohnehin schon hoheAnteil von 66 Prozent 2004 bis 2010 auf 70 Prozent. Hinzu kommt, dass die internationalen Automobilproduzenten ihreBeschaffung bei lokal angesiedelten Zulieferern verdreifachen werden,um die Nachfrage in Russland bedienen zu können. Der Anteil deslokalen Einkaufsvolumens schnellt demzufolge von 12 Prozent 2004 auf36 Prozent 2014. Laut Studie wird die Expansion der internationalen Hersteller inRussland bis 2014 die Entwicklung einer leistungsfähigenZulieferindustrie nach sich ziehen. Modernisierung russischer Automobilfirmen Auch für die russischen Hersteller und Zulieferbetriebe eröffnetdie Transformation der Branche neue Chancen. Doch müssen sich dieheimischen Autobauer und Zulieferer konsequent um Modernisierungihrer Abläufe und Produkte bemühen. Dabei bieten Joint Ventures mitausländischen Unternehmen für die Zulieferer eine exzellenteMöglichkeit, um zügig zu internationalen Standards aufzuschließen. 72Prozent der befragten Firmen glauben, dass westlicheUnternehmensbeteiligungen notwendig sind, um die russischeZulieferbranche zu modernisieren. Diese Joint Ventures können beidenSeiten nutzen: Die russischen Zulieferer übernehmen westlicheTechnologie, werden in effizientere Produktionsprozesse eingebundenund können ein modernes Qualitätsmanagement einführen. Ihreinternationalen Partner erhalten Zugang zu russischen Kunden, lokalenBehörden sowie zu bestehenden Marktstrukturen. Wie nötig die umfassende Modernisierung des russischenAutomobilsektors ist, verdeutlicht die im internationalen Vergleichniedrige Investitionsquote: Während in Deutschland 2002 jedesproduzierte Auto Investitionen in Höhe von 2.343 Euro verbuchte,investierten russische Hersteller lediglich 465 Euro pro Fahrzeug.Andere Länder Osteuropas wiesen ebenfalls eine deutlich höhereInvestitionsquote auf: die Tschechische Republik kam auf 1.922 Euroje Fahrzeug, Polen auf 1.606 Euro, die Slowakei auf 1.190 Euro."Während die russischen Hersteller weniger als ein Prozent ihrerUmsätze für Forschung und Entwicklung ausgeben, investiereninternationale Hersteller hier fünf oder mehr Prozent ihresUmsatzes", erläutert Dr. Uwe Kumm, Leiter des Moskauer Büros vonRoland Berger Strategy Consultants. Schreitet die Modernisierung zügig voran, wird sich Russland derStudie zufolge nicht nur als wachstumsstarker Absatzmarkt, sondernauch als attraktiver Fertigungsstandort etablieren. Die russische Politik muss handeln Den Anschluss an den Automobilweltmarkt wird Russland jedoch nurfinden, wenn die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sich weiterverbessern. Dazu zählen die Teilnehmer der Studie niedrigereEinfuhrzölle auf Komponenten für die Fahrzeug- und Modulmontage.Zudem sollen technische Normen verschärft werden, um dieProduktstandards zu heben. Überdies müssen ausländische Investitionenin Russland stärker gefördert werden, etwa durch Investmentagenturenoder Sonderwirtschaftszonen. "Die russische Wirtschaftspolitik steht hier in der Pflicht", sagtDr. Klaus Mangold, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der deutschenWirtschaft. "Sie kann die internationale Wettbewerbsfähigkeit derheimischen Automobilindustrie durch rasches Handeln nachhaltigverbessern. Dadurch würde die gesamte russische Volkswirtschaftgestärkt." Der Studie zufolge würde eine moderne, internationalwettbewerbsfähige Automobilindustrie in Russland rund 66 MillionenArbeitsplätze schaffen.Originaltext: Roland Berger Strategy Consultants
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Quelle: news aktuell