19.09.2005
Activest: Kurzfristige Markt-Belastungen nach Wahl
Köln, den 19.09.2005 (Investmentfonds.de) - Das von den Märkten zuvor mehrheitlich
erwartete Szenario einer CDU/CSU/FDP-Regierung und die damit verbundene "Reform-
fantasie" dürften zunächst zurückgeschraubt und aus den Kursen kurzfristig teilweise
wieder herausgepreist werden. Hinzu kommt, dass die Anlaufphase für Sondierungs-
gespräche bzw. konkretere Gesprächsverhandlungen durch den jeweils erhobenen
Führungsanspruch der beiden großen Parteien wohl zusätzlich erschwert und zeitlich
gedehnt werden dürfte. Dennoch sollten sich nach den kurzfristigen Belastungen
die mittelfristig positiven zyklischen Impulse für den DAX einschließlich Bewertung
und Ergebniswachstum sukzessive wieder durchsetzen können.
In Reaktion auf den in der Parlamentswahl deutlich bestätigten Reformkurs von
Ministerpräsident Koizumi konnte Tokio (Börse am Montag geschlossen) mit einer
starken Wochenperformance (+2,9%) im internationalen Vergleich aufwarten. Per
saldo nur moderate Zugewinne verzeichneten hingegen die Hauptindizes an der Wall
Street, nachdem die Anleger vor dem nächsten Fed-Meeting erkennbar in Wartestellung
blieben.
In dem ohnedies sehr verkürzten Wochenprogramm an wichtigen Konjunkturdaten steht
naheliegend das FOMC-Meeting (Dienstag) als zentrales Wochenereignis oben an. Trotz
der im Vorfeld mehrfach gewendeten Szenariodiskussionen im Zuge von "Katrina" sind
die Marktmeinungen schließlich doch wieder im Schwerpunkt auf die frühere Erwartung
eines elften moderaten Erhöhungsschrittes eingeschwenkt. Demnach soll der Fed
Funds-Zielsatz um erneut 25 Basispunkte auf dann 3,75% erhöht werden. Vermutlich
wird die Fed zwar höhere Unsicherheitsmomente in ihrer Prognose für Wirtschafts-
wachstum und Inflationsentwicklung herausstellen.
Gleichwohl ließen diverse Statements von Fed-Gouverneuren wie insbesondere auch
das jüngste Beige Book zur aktuellen Wirtschaftslage in ausgesuchten Regionen durch-
blicken, dass die Fed den Zeitpunkt für eine Zinserhöhungspause vermutlich noch
nicht gekommen sieht. Seit mehreren Monaten verstärken sich die Erwartungen für
konkretere Hinweise auf eine nachlassende Dynamik im US-Immobilienmarkt. Ungeachtet
dessen konnten sich Baubeginne und Baugenehmigungen (ebenfalls Dienstag) nahe ihrer
Rekordniveaus bislang gut behaupten. Dennoch sollten sich in den kommenden Monaten
die Anzeichen für einen überschrittenen Höhepunkt konkretisieren. Leicht schwächer
werden die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland gesehen, deren Erhebungs-
zeitraum noch vor dem Wahltermin lag.
Quelle: Investmentfonds.de