16.09.2005
Templeton: Katrina und die Auswirkungen auf den U.S. Ölpreis
Köln, den 16.09.2005 (Investmentfonds.de) - Wir sind davon ausgegangen, dass die
Ölpreise nachgeben werden, während Erdgas und Ölprodukte weiterhin teuer bleiben.
Für den Rohölmarkt in den USA ändert sich durch Wirbelsturm Katrina de facto nur
wenig. Die Lagerbestände waren aufgestockt worden, die strategischen Ölreserven
sind auf höchstem Stand und was fehlt, kann größtenteils durch Importe ausgeglichen
werden. Die Raffinerien waren jedoch bereits gut ausgelastet und es wird einige
Wochen dauern, bevor die ersten Lieferungen aus dem Ausland eintreffen. Auch werden
die Importe kurzfristig kaum ausreichen, um Produktionsausfälle aufzufangen, mit
denen noch auf Monate hinaus zu rechnen ist. Für Ölprodukte gibt es im Gegensatz
zum Rohöl keine strategischen Reserven.
Die Erdgasversorgung ist gleichermaßen betroffen. Durch Hurrikan Dennis und das
anfangs für die Jahreszeit warme Wetter hatte sich der Angebotsüberhang in den USA
bereits reduziert und wurde durch Katrina gänzlich aufgezehrt. Anders als bei Rohöl
und Rohölprodukten verfügen wir bei Flüssiggas nicht über die nötige Importkapazität,
um die noch bestehenden Produktionsausfälle von 4 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent
(Bcfe)/Tag (10% der US-Produktion) auszugleichen.
Von diesem Szenario dürften vor allem solche Raffinerien profitieren, die an der
Golfküste wenig bis gar nicht präsent sind, aber auch auf Erdgas ausgerichtete
Onshore-Explorations- und Produktionsunternehmen. Noch weitgehend unbekannt bzw.
unklar sind die Auswirkungen auf die Nachfrage. Diese dürfte wohl durch niedrigeren
Bedarf an Vorprodukten (d.h. Chemikalien) in den von Katrina verwüsteten Gebieten
sowie durch die Reaktion der Verbraucher auf höhere Preise bestimmt werden. Bei
geringerer Nachfrage fällt das gesunkene Produktionsvolumen nicht so stark ins
Gewicht, sodass die Lage vielleicht weniger dramatisch ist als zunächst angenommen.
Fred Fromm
Quelle: Investmentfonds.de