13.09.2005
Rentenmarkt: Abnehmende Unterstützung zu befürchten
Mainz (ots) - Die internationalen Anleihemärkte erhielten im
August durch gemischte Wirtschaftsdaten sowie nochmals verstärkt
durch die im Zuge des Hurrikans Katrina auf neue Höchststände
getriebenen Ölpreise Unterstützung. Viele Marktteilnehmer änderten -
ähnlich wie bei den zurückliegenden Renditetiefs im Juni - ihre
Erwartungen dahingehend, dass die stark an wirtschaftlichen
Parametern orientierte US-Notenbank mit einer Abschwächung ihrer
geldpolitischen Straffungspolitik reagieren werde. In den USA blieben
dennoch die Juni-Tiefstände unerreicht, während deutsche Zehnjährige
zwischenzeitlich sogar neue historische Tiefs markierten. Der
US-Renditevorsprung hält sich bei aktuellen Verzinsungen von 4,13
bzw. 3,07 Prozent recht stabil im Bereich von rund einem
Prozentpunkt.
Mit Blick auf zwei wichtige Triebfedern für die Weltkonjunktur -
China und US-Konsum - sind die Perspektiven nicht zuletzt bedingt
durch hohe Öl- und Benzinrechnungen nach wie vor mit Unsicherheiten
behaftet. Für die USA allerdings sprechen die niedrigen
Kapitalmarktzinsen sowie staatliche Hilfen im Rahmen des
Wiederaufbaus dagegen, dass die Wachstumsrisiken bereits in 2005
deutlicher hervortreten. Im Gegenteil könnte sogar dank staatlicher
Ausgaben eine wieder stärker investitionsgeleitete Entwicklung
stattfinden. Zunächst aber dürfte im Fokus stehen, dass durch
milliardenschwere Hilfsprogramme der zuletzt günstigere Trend beim
US-Budget zu kippen droht. Vermutlich ist ein Mehrangebot an
US-Staatsanleihen zu verarbeiten, wobei die Nachfrageseite - zuletzt
im Zusammenhang mit der chinesischen Währungskorbentscheidung -
bereits häufiger Anlass für Befürchtungen bot und entsprechend zu
steigenden Renditen führte. Auch eine Verschlechterung der
Inflationsseite ist künftig nicht ausgeschlossen. So zeigen die Daten
zum zweiten Quartal bereits abnehmende Produktivitätssteigerungsraten
(+1,8 nach zuvor +3,2 Prozent). Die allmähliche Besserung am
Arbeitsmarkt führt teils zu Enge-Symptomen (Fachkräftemangel), was
insgesamt auf die Lohnstückkosten wirkt (im zweiten Quartal +2,5 nach
+2,2 Prozent). Und schließlich könnte auch bei den Unternehmen die
Versuchung steigen, hohe Gewinnerwartungen über Steigerungen der
Endabnehmerpreise zu erreichen.
Für Deutschland gelten viele Punkte nur sehr abgeschwächt, aber
selbst hier signalisieren die jüngsten Auftragseingangs- und
Produktionszahlen oder der für August erwartete erste
Beschäftigungszuwachs im Dienstleistungssektor seit 2002 etwas
Schwung für das dritte Quartal. Bei gleichzeitig geringem
Potenzialwachstum kann bereits eine verhältnismäßig kleine
Wachstumsbelebung zu Teuerungseffekten führen. Die europäische
Zentralbank signalisiert ebenfalls erhöhte Wachsamkeit. Eine
Enttäuschung der derzeitigen gesamtwirtschaftlichen
Expansionserwartungen würde derlei Überlegungen zwar rasch den Boden
entziehen. Angesichts des derzeit niedrigen Niveaus der
Kapitalmarktzinsen bieten sich jedoch unter Vorsichtsaspekten eher
Anlagen in vorzugsweise kürzeren Laufzeiten an.
Originaltext: LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=7018
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_7018.rss2
Ihr Ansprechpartner bei der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz:
Bereich: Research
Dr. Stefan Steib
Tel.: 06131 / 13 3588
Fax: 06131 / 13 3143
E-Mail: stefan.steib@LRP.de
LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
Jürgen Pitzer
Pressesprecher
Große Bleiche 54-56
55098 Mainz
Amtsgericht Mainz HRA 3557
Tel.: (0 61 31) 13-28 16
Fax: (0 61 31) 13-25 60
Handy: (01 71) 36 98 345
E-Mail: presse@LRP.de
www.lrp.de
Um Übersendung eines Belegexemplars wird gebeten.
Quelle: news aktuell