05.09.2005
Baring: "BRICKs" - Bausteine für ein Wachstumsportfolio
Köln, den 05.09.2005 (Investmentfonds.de) - Viel wurde schon über die Perspektiven
der so genannten BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) geschrieben.
Diese Länder werden von Vielen als die Wirtschaftsmächte des 21. Jahrhunderts
gehandelt, die in den kommenden 30 Jahren mehr zur weltweiten Produktion beitragen
dürften als die sechs derzeit führenden Industrienationen.
Derartige Prognosen mögen zwar optimistisch sein, doch selbst wenn sich nur ein
kleiner Teil davon bewahrheitet, ist klar, dass die Volkswirtschaften dieser Länder
und die ihrer Handelspartner in aller Welt ein rasches und nachhaltiges
Wirtschaftswachstum erfahren werden, das Chancen für Anleger bietet, die bereit
sind, ihren Anlagehorizont langfristig auszurichten.
Unser Fokus richtet sich seit langem verstärkt auf die schneller wachsenden
asiatischen Volkswirtschaften und entfernt sich zunehmend von den stärker
entwickelten westlichen Ländern. In Bezug auf die Aussichten für China und, in
geringerem Maße, für Hongkong sind wir bereits jetzt optimistisch.
Anleger, die Investitionen in den BRIC-Ländern erwägen, sollten jedoch ein weiteres
Land in Betracht ziehen, das hervorragende Wachstumsaussichten bietet. Es handelt
sich um Korea, und fügt man dem Akronym den Buchstaben "K" hinzu, so sind
Anleger unseres Erachtens gut beraten, ihre Investment-Portfolios zumindest
teilweise aus BRICKs (engl. für "Baustein") aufzubauen.
Die jüngsten statistischen Daten zeigen, dass die koreanische Wirtschaft sich eines
gesunden Wachstums erfreut und das Verbrauchervertrauen stark ansteigt. Und
obgleich der Koreanische Won gegenüber den Währungen der Handelspartner
zugelegt hat, konnten Exportunternehmen dieser Entwicklung trotzen und ihre
Umsätze erheblich steigern. Im Jahr 2004 verdoppelte sich der
Handelsbilanzüberschuss Koreas, wobei die Nachfrage nach LCD-Fernsehgeräten und -Computermonitoren besonders stark war. LG Electronics meldete für Februar 2005
einen im Vorjahresvergleich sieben Mal so hohen Umsatz bei LCD-Fernsehern.
Dieses Exportwachstum wurde zum Teil auch dadurch erzielt, dass sich die
Unternehmen auf andere Möglichkeiten als nur auf den Preis konzentriert haben, um
im Ausland dem Wettbewerb gewachsen zu sein. Wie eine aktuelle Studie zeigt,
waren die fünf größten koreanischen Exporteure weniger von
Wechselkursschwankungen betroffen, da sie nun in Bezug auf Qualität und Preis
konkurrenzfähig sind und häufig einen technologischen Vorsprung haben.
Das führende koreanische Elektronikunternehmen Samsung verbesserte nach der
asiatischen Währungskrise seine Produktlinien, um direkt mit Japans Elektronikriese
Sony um das Premium-Marktsegment zu konkurrieren. Der derzeitige Unterschied
zwischen diesen beiden Unternehmen spricht Bände über den wachsenden Erfolg
vieler koreanischer Exporteure und die Herausforderungen, denen sich viele große
japanische Konzerne nach wie vor gegenüber sehen.
Die Gewinnmarge von Samsung liegt deutlich über der von Sony, das kürzlich für das
zweite Quartal 2005 einen leichten Umsatzrückgang auf USD 14,1 Mio. vorlegte.
Samsung fuhr dagegen im selben Zeitraum bei deutlich geringerem Umsatz einen
Gewinn von USD 1,673 Mio. ein.
Während Sony offenbar die Bürokratie im eigenen Unternehmen zu schaffen macht,
hat Samsung erfolgreich eine schlanke Konzernstruktur bewahrt, in deren Rahmen
Kompetenzen an Front-Line-Manager delegiert werden und fast ein Viertel der
Mitarbeiter im Forschungs- und Entwicklungsbereich tätig ist, um gegenüber der
Konkurrenz einen technologischen Vorsprung zu halten.
Dieser Fokus auf Innovation und Produktivität spiegelt sich im Aufstieg Koreas in der
Länderrangliste der weltweiten Patentanmeldungen wider und steigert unsere
Zuversicht in Bezug auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Koreas. Korea stellte
im vergangenen Jahr 20% mehr Patentanträge als 2003 und liegt damit nach
Angaben der World Intellectual Property Organisation hinsichtlich der Anzahl
internationaler Patentanmeldungen mittlerweile an siebter Stelle.
Zugegebenermaßen kamen die attraktiven Aussichten für den koreanischen
Aktienmarkt zum Teil bereits in den jüngsten Kursbewegungen zum Ausdruck. Der
Korean Stock Exchange Composite Index liegt annähernd auf Rekordniveau und ist in
den letzten zwölf Monaten um 45% in Landeswährung und um 67% in Euro
gestiegen.
Der Markt hat jedoch noch längst nicht die KGV-Niveaus erreicht, die zum
entsprechenden Vorjahreszeitpunkt oder Anfang 2002 zu verzeichnen waren, was
darauf hindeutet, dass in den kommenden Monaten weiteres Aufwärtspotenzial für
den Markt bestehen dürfte. Koreanische Anleger beginnen indes gerade erst, sich
wieder auf dem Markt zu engagieren.
Derzeit haben die höheren Eigenkapitalrenditen in der Region eine deutlich stabilere
Basis. Während der Phase der asiatischen Spekulationsblase hingegen verfügten
Unternehmen oft über einen hohen Fremdkapitalanteil, was sich unter positiven
Bedingungen als Segen, mit Verschlechterung der Bonität jedoch als ebenso großer
Fluch erwies. Nun hat sich die Situation indes dank einer Reduzierung der
Verschuldung und einer besseren Angebotsdisziplin verbessert. Es zeigt sich ein
wesentlich nachhaltigeres Bild, und koreanische Unternehmen verdienen angesichts
der nunmehr stärkeren Fundamentaldaten unseres Erachtens eine Neubewertung.
In unserer Anlagestrategie haben wir uns bisher auf drei Schwerpunkte konzentriert
– Unternehmen, die vom erhöhten Binnenkonsum profitieren, unterbewertete
Technologietitel und Finanzdienstleister mit gutem Management. Insbesondere der
Finanzsektor profitiert von der Verringerung der Problemkredite und den höheren
Verbraucherausgaben in den letzten Monaten und ist in den aktiven Positionen des
Baring Korea Trust gut repräsentiert.
Inzwischen sind wir auch bezüglich der Perspektiven des Technologiesektors
optimistisch, da dieses Marktsegment nun dem Ende der Abschwungsphase des
Zyklus entgegen geht, nachdem es Ende letzten Jahres einige heftige
Gewinnwarnungen gegeben hatte. Die Konsensschätzung für das Umsatzwachstum
der Branche liegt für dieses Jahr bei derzeit 15% und für das Ertragwachstum bei
lediglich 5%, was unseres Erachtens sehr konservativ ist. Da viele der weltweit
führenden Technologieunternehmen ihren Sitz in Korea haben, betrachten wir Engagements am koreanischen Markt als hervorragende Möglichkeit, an der
bevorstehenden Aufschwungsphase des Technologiezyklus teilzuhaben.
Wir machen auch durch reine Bottom-Up-Analyse attraktive Anlagen ausfindig, die
vom breiteren Markt übersehen wurden und bei denen es sich häufig um
Unternehmen handelt, die sich in einem Restrukturierungsprozess zur Verbesserung
ihrer Eigenkapitalrendite befinden.
Wenngleich wir die Perspektiven des koreanischen Marktes für attraktiv halten, ist
weiterhin auf die hohe historische Kursvolatilität hinzuweisen, die sich unseres
Erachtens in näherer Zukunft nicht abschwächen dürfte. Der koreanische Markt
bietet in unseren Augen die Aussicht auf ein starkes Kapitalwachstum, ist jedoch
unter Umständen nicht für Anleger mit schwachen Nerven geeignet.
Quelle: Investmentfonds.de