05.09.2005
Union Investment: Marktberichte August 2005 / September 2005 mit Ausblick
Köln, den 05.09.2005 (Investmentfonds.de) - Deutschland/Europa
Moderate Kurskorrekturen: Die europäischen Aktienmärkte zeigten sich im August
trotz zwischenzeitlicher Aufwärtsbewegungen per saldo in leicht geschwächter
Verfassung. Negative US-Vorgaben, kräftige Ölpreissteigerungen mit Rekordnotierun-
gen von zuletzt über 70 USD pro Barrel WTI und ein gegenüber dem US-Dollar wieder
anziehender Euro sorgten letztendlich für Kurseinbußen. In Deutschland hatte zudem
ein Rückgang im Ifo-Geschäftsklimaindex die mit dem überraschend kräftigen Anstieg
im ZEW-Index aufkeimenden Konjunkturhoffnungen deutlich gedämpft. Auch das Null-
Wachstum im zweiten Quartal 2005 mit einem sich weiter abschwächenden Konsum trug
im Inland zur Stimmungseintrübung bei. Auf Unternehmensseite blieb das Bild hingegen
überwiegend positiv. Erfreuliche Unternehmensmeldungen wie etwa in Deutschland die
Ergebnisberichte von Allianz, Lufthansa und E.On konnten allerdings nur zeitweise
beflügeln. Auch ein sich wieder rascher drehendes Übernahmekarussel überzeugte nur
zeitweise. So hatte beispielsweise die Ankündigung von adidas-Salomon für Aufsehen
gesorgt, den amerikanischen Konkurrenten Reebok übernehmen zu wollen. Auch TUI über-
raschte mit einem Fusionsangebot für die kanadisch-britische Reederei CP Ships. Als
Übernahmekandidat wurde darüber hinaus der britische Mobilfunkanbieter o2 gehandelt,
an dem die Telekomriesen KPN aus den Niederlanden und die Deutsche Telekom zeitweise
Interesse zeigten. Alles in allem jedoch hatte sich die Stimmung unter den Marktteil-
nehmern im Verlauf eingetrübt. Der DAX, welcher kurzfristig bis auf zehn Punkte an
die 5.000er Marke herangekommen war, notierte zuletzt bei 4.830 Zählern, was im
Monatsvergleich einem Rückgang von gut einem Prozent entsprach. Die Verluste in anderen
großen europäischen Indizes wie dem französischen CAC 40 fielen ähnlich aus. Größer
hingegen waren die Rückschläge in den technologieorientierten Marktsegmenten. So musste
etwa der TecDAX Einbußen von rund zwei Prozent hinnehmen.
Noch Kurspotenzial vorhanden: Der weiteren Entwicklung an den europäischen Aktien-
märkten stehen wir trotz jüngster Korrekturbewegungen zuversichtlich gegenüber. Vor
allem beurteilen wir die Gewinnsituation auf Unternehmensseite optimistisch und
erwarten insbesondere in Deutschland angesichts effektiver Lohnkürzungen und voran-
schreitender Restrukturierungsmaßnahmen sogar noch positive Überraschungen. Hinsicht-
lich der konjunkturellen Entwicklung bleibt der Wachstumspfad sehr moderat, wie die
neuesten Daten bestätigten. Auch die hohen Ölpreisnotierungen deuten in diese Richtung.
Gleichwohl ist davon auszugehen, dass sich die wirtschaftliche Erholung langsam fort-
setzen wird. Hierdurch dürften die Börsen Unterstützung erfahren. Für die europäischen
Märkte, allen voran diejenigen in der Eurozone, ergeben sich durch vergleichsweise
günstige Bewertungen besondere Anlagevorteile. Dies ist auch der wesentliche Grund
dafür, dass wir Bestände in Europa über-, in den USA hingegen untergewichten.
Osteuropa
In Osteuropa hatte die russische Börse mit kräftigen Kurssteigerungen von gut 13
Prozent im RTS-Index die Nase vorn. Erfreuliche Quartalsergebnisse der Unternehmen,
hohe, für die russische Wirtschaft vorteilhafte Ölpreise sowie eine niedrige Bewertung
des Marktes zogen vor allem ausländisches Kapital an. Gefragt waren liquide Werte
aus den Sektoren Energie, Versorger und Telekom. Eine wahre Kursexplosion erlebte
der Ölkonzern Sibneft. Übernahmeabsichten des staatlich kontrollierten weltgrößten
Erdgasanbieters Gazprom hatten seinen Kurs in die Höhe getrieben. Für Aufsehen sorgte
zudem das attraktive Angebot von Petrochina für Petrokazakhstan.
Rentenmarkt
Euroland
Wegen der labileren wirtschaftlichen Situation scheint Europa gegenüber den Folgen der
Ölpreishausse anfälliger zu sein als die USA. Wichtige Frühindikatoren wie der Ifo-
Geschäftsklimaindex gaben nach den jüngsten Zuwächsen im August wieder etwas nach.
Das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums ist im zweiten Quartal 2005 ohnehin nur noch
um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Nach den Lichtblicken in den
Vormonaten sind die Hoffnungen auf eine Konjunkturbelebung im zweiten Halbjahr
jedenfalls wieder kleiner geworden – trotz positiver Faktoren wie der Schwäche des
Euro, niedriger Zinsen und der festen Auslandskonjunktur. Nach wie vor fehlen
insbesondere Impulse von Seiten der Binnenwirtschaft. Eine nachhaltige Erholung
setzt vor allem eine spürbare Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt voraus.
An den Rentenmärkten gaben die Renditen nach dem Anstieg im Juli wieder nach. Zehn-
jährige Bundesanleihen rentierten zum Monatsende nur noch mit 3,1 Prozent, nachdem
sie zwischenzeitlich eine Rendite von 3,4 Prozent aufwiesen. Entsprechende Kursgewinne
für die Anleihebesitzer waren die Folge. Inflationsrisiken werden von den Marktteil-
nehmern bislang nicht gesehen, obwohl die Rate im Juli auf 2,2 Prozent gestiegen ist
und damit über dem EZB-Zielwert liegt. Das Geldmengenwachstum befindet sich ebenfalls
spürbar über dem von der Europäischen Zentralbank angestrebten Wert. Leitzinserhöhungen
sind dennoch nicht in Sicht. Die Währungshüter dürften statt dessen an ihrer zurück-
haltenden Geldpolitik festhalten, die Entwicklungen an der Preisfront aber genau im
Auge behalten.
Euro-Outs
In Großbritannien zeichnet sich inzwischen eine Abkühlung der Konjunktur ab. Die Bank
of England reagierte darauf Anfang August mit einer Leitzinssenkung um 25 Basispunkte
auf nunmehr 4,5 Prozent. Allerdings scheint der Druck auf die Preise inzwischen
zuzunehmen. Sowohl auf der Produzenten- als auch auf der Konsumentenebene fiel der
Anstieg in jüngster Zeit stärker als erwartet aus. Dies weckte am Markt Zweifel an
weiteren geldpolitischen Lockerungen der britischen Währungshüter. Im Gleichklang mit
den Rentenmärkten der USA und der Eurozone gaben die Renditen im Berichtsmonat über
alle Laufzeiten jedoch nach. Dabei weist die britische Zinskurve am langen Ende weiter-
hin einen inversen Verlauf auf. In den skandinavischen Ländern gab es keine Veränderungen
in der Geldpolitik. Die norwegischen und schwedische Zentralbank hielten an ihren nie-
drigen Zinssätzen von 2,0 und 1,5 Prozent fest.
In Osteuropa setzt sich der Trend zu sinkenden Zinsen fort. Die ungarische Notenbank
verringerte im August den Leitzinssatz unerwartet stark um 50 Basispunkte auf nunmehr
6,25 Prozent. Anlass für die Zinssenkung war die jüngste Stärke der Landeswährung
Forint. Es ist davon auszugehen, dass der Zinssenkungskurs in diesem Jahr noch weiter-
gehen wird. Die polnische Notenbank senkte in Reaktion auf die Zloty-Aufwertung eben-
falls die Zinsen. Nach der fünften Leitzinssenkung in diesem Jahr liegt der Satz nur
noch bei vergleichsweise niedrigen 4,5 Prozent. In der Folge sind an den osteuropäischen
Bondmärkten im August die Renditen erneut gefallen. Damit setzte sich ein Trend fort,
der bereits das gesamte Jahr 2005 andauert und den Anlegern in diesem Marktsegment
kräftige Kursgewinne bescherte
Quelle: Investmentfonds.de