02.09.2005
Mellon: Einschätzungen zur chinesischen Währung
Köln, den 02.09.2005 (Investmentfonds.de) - Die Aufwertung des chinesischen Yuan
am 21. Juli 2005 ist der bisherige Höhepunkt der chinesischen Wechselkurspolitik
in den letzten 50 Jahren. Die Meinungen über die Auswirkungen dieser Maßnahme
gehen jedoch auseinander. Auch die Währungs- und Bondexperten von Mellon kommen
zu unterschiedlichen Einschätzungen.
Thomas Hazuka, Chief Investment Officer bei Mellon Capital Management,
San Fransico, USA:
China hat sich durch seine neue Währungspolitik mehr Spielraum verschafft,
dabei die Kontrolle über die Währung aber nicht aus der Hand gegeben. Der
chinesische Yuan ist an einen Währungskorb gebunden, gegen den die Währung
schwankt. Die genaue Zusammensetzung des Währungskorbes kennen wir allerdings
nicht. Es ist aber anzunehmen, dass der US-Dollar und der Euro die zwei
größten Komponenten darstellen. Je nach dem, ob der Dollar gegenüber anderen
Währungen auf- oder abwertet, wird das interessante Folgen für die chinesische
Währung haben. Falls der Dollar aufwertet, könnte das zu einer Abwertung des
chinesischen Yuan gegenüber dem US-Dollar führen, weil der gesamte Währungskorb
berücksichtigt wird. Nach Meinung von Hazuka war mit der Aufwertung des
chinesischen Yuan zunächst auch ein steigender japanischer Yen zu erwarten.
Aufgrund der regen Handelsbeziehungen zwischen Japan, den USA und China sind
die langfristigen Auswirkungen auf den Wechselkurs des US-Dollars und des Yen
allerdings noch nicht klar. Hazuka spricht dem Euro zukünftig eine größere
Bedeutung zu. Der Euro könnte für China zu einer Art Benchmark-Währung werden.
Stewart Cowley, Investment Leader Fixed Income bei Newton Investment
Limited, London, GB:
Wenn das Geheimnis der Zusammensetzung des Währungskorbes erst einmal ganz
gelüftet ist, ist China offen für die weltweiten Währungsmärkte. Das könnte
negative Folgen haben. Die Fluktuation des chinesischen Währungskorbes von
+/- 0,3 Prozent gegen den Leitkurs könnte eine Aufwertung des Yuan von täglich
0,3 Prozent für einen längeren Zeitraum zur Folge haben. Cowley ist der
Meinung, dass die Lösung des Yuan vom US-Dollar auch eine Art Besänftigung
der USA ist. Die Aufwertung der chinesischen Währung um zwei Prozent hat eher
symbolischen Charakter. Ein weiterer Punkt ist, dass China nun damit beginnen
könnte US-Staatsanleihen zu verkaufen, um andere Währungen zu kaufen. Einiges
deutet darauf hin, dass sich auch Japan und Fernost in Vorbereitung auf die
neue chinesische Währungspolitik vom US-Bondmarkt abgewendet haben. Die
inflationären Auswirkungen eines fallenden US-Dollars könnten die Bondmärkte
ins Taumeln bringen.
Constantine Ponticos, Managing Director Research bei Pareto Investment
Management Limited, London, GB:
Die Aufwertung des Yuan um zwei Prozent hat nur geringe Auswirkungen auf den
Handelsüberschuss Chinas mit den Industrienationen. Die Wettbewerbsfähigkeit
Chinas gegenüber anderen Schwellenländern könnte dagegen bedeutender beeinflusst
werden. Ponticos erwartet, dass die Zusammensetzung des chinesischen Währungs-
korbs langfristig an den Reserven der chinesischen Zentralbank (People's Bank
of China) deutlich wird. Das könnte sich geringfühgig negativ auf den US-Dollar
sowie US-Staatsanleihen, dafür aber positiv auf den japanischen Yen auswirken.
Der Zeitpunkt, den China für die Einleitung dieses Schrittes gewählt hat, sei
gelungen, so Ponticos. Dieser Schritt sollte zudem den Weg für einen erfolg-
reichen Washington-Besuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao im September
diesen Jahres ebnen. Ein bedeutender Effekt der neuen Währungspolitik ist, dass
die chinesische Zentralbank zukünftig Aufwertungen des Wechselkurses relativ
zum Währungskorb durch eine schrittweise Ausweitung des Leitkurses ausführen
kann.
Tom Fahey, Portfolio Manager, Global Bond Strategies bei Standish Mellon Asset
Management Co, Boston, USA:
Vor der Aufwertung konnte China sich auf den festen Wechselkurs verlassen, um
Währungs- und Preisstabilität zu erreichen. Welches Ziel China mit der neuen
Währungspolitik erreichen will, ist noch unklar. Durch diese Unsicherheit wird
die Volatilität an den Märkten zunehmen. Nach Meinung von Fahey könnte das neue
Wechselkurssystem in China größere Sorgen bereiten als das alte, da im Gegensatz
zu früher kein eindeutiges Ziel erkennbar ist. Um das zu beurteilen, sei es
jetzt noch zu früh, aber China könnte sich mit ähnlichen Deflationsproblemen
konfrontiert sehen wie Japan in den letzten 10 Jahren, so Fahey. Die Renditen
chinesischer Anleihen sind bereits recht niedrig, weil Anleger darauf spekulieren,
dass der chinesische Yuan weiter aufwertet. Bisher hat China hierbei nur kleine
Schritte bei der Aufwertung seiner Währung unternommen, weil es die Auswirkungen
auf die Wirtschaft nicht kennt. Eine größere Aufwertung von 10 oder 15 Prozent
scheint daher unwahrscheinlich. China wird diesbezüglich wohl weiterhin nur
kleine Schritte tätigen, was politische Spannungen weiterhin entschärfen sollte.
Quelle: Investmentfonds.de