19.08.2005
Bankenverband : Konjunkturbericht – August 2005
Köln, den 19.08.2005 (Investmentfonds.de) - Nachdem die Wirtschaft in Deutschland
im zweiten Quartal dieses Jahres lediglich auf dem Niveau des Vorquartals verharrte,
deuten Stimmungsindikatoren und Auftragseingang auf eine Besserung in den kommenden
Monaten hin. Angesichts der lebhaften Weltkonjunktur werden die Exporte dabei die
zentrale Wachstumsstütze bleiben. Zugleich gibt es aber auch erste Anzeichen dafür,
dass sich die Binnenkonjunktur allmählich von der Talsohle löst. Die Hoffnungen für
die Inlandsnachfrage beruhen vor allem auf den Investitionen, die von einer recht
guten Ertragslage der Unternehmen, moderaten Lohnabschlüssen und günstigen
Finanzierungsbedingungen profitieren.
Die deutsche Wirtschaft wird deshalb bereits im dritten Quartal wieder auf einen
Wachstumspfad zurückkehren. Ob sich daraus diesmal auch ein nachhaltiger Aufschwung
entwickelt, ist allerdings noch sehr fraglich. Mit den hohen Rohölpreisen und dem
zuletzt wieder etwas gestiegenen Euro-Kurs gibt es nämlich Risikofaktoren, die die
wirtschaftliche Erholung merklich bremsen können. Zudem darf nicht übersehen werden,
dass das Potenzialwachstum in Deutschland in den letzten Jahren auf ein sehr niedriges
Niveau gesunken ist. Dies wird tendenziell auch die kurzfristige Konjunkturentwicklung
belasten. Nimmt man alles zusammen, dann dürfte das Wirtschaftswachstum in Deutschland
in der zweiten Jahreshälfte nur moderate Zuwachsraten von annualisiert rund 1 ½ %
erreichen. Für das Wirtschaftswachstum im Jahresdurchschnitt 2005 bleibt die Prognose
unverändert bei rund 1 %.
Für eine nachhaltige Trendwende am deutschen Arbeitsmarkt wären diese Wachstumsraten
weiterhin zu gering. Gleichwohl steigen die Chancen, dass sich mit der konjunkturellen
Besserung im zweiten Halbjahr die Lage am deutschen Arbeitsmarkt zumindest stabilisiert.
Saisonbereinigt dürfte die Arbeitslosigkeit deshalb vorerst ihren Höhepunkt erreicht
haben. Zu dieser verhalten optimistischen Einschätzung tragen auch die eingeleiteten
Arbeitsmarktreformen und die bisherige Lohnzurückhaltung bei. Es wäre daher völlig
falsch, den Kurs der moderaten Lohnpolitik gerade jetzt zu verlassen. Kräftige Lohner-
höhungen würden zu einem steigenden Rationalisierungsdruck führen und über eine gerin-
gere Beschäftigtenzahl keinerlei Vorteile für die Massenkaufkraft bringen. Für eine
nachhaltige Reduktion der Arbeitslosigkeit muss allerdings auch ein funktionsfähiger
Niedriglohnsektor entstehen. Hier wären eine deutliche Senkung der Lohnzusatzkosten
sowie die Einführung von Kombi-Lohn-Modellen die richtigen Ansatzpunkte.
Bei der Senkung der Lohnzusatzkosten würde auf mittlere Sicht auch ein höheres
Renteneintrittsalter helfen. Der gegenwärtig vergleichsweise frühe Renteneintritt und
die steigende Lebenserwartung führen nämlich zu einer deutlichen Ausdehnung der
Rentenbezugszeiten. Über die lohnbezogenen Rentenversicherungsbeiträge belastet dies
wiederum die Arbeitskosten. Die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Renteneintritts-
alters könnte diese Belastung nennenswert dämpfen. Dieser offensichtliche Befund sollte
– auch in Wahlkampfzeiten – nicht aus dem Blick verloren werden.
Quelle: Investmentfonds.de