05.08.2005
HSBC: Weniger Investments durch Terrorangst
Köln, den 05.08.2005 (Investmentfonds.de) - Der Gleichmut und die Tapferkeit der
Londoner Bevölkerung nach dem Anschlag auf die Londoner U-Bahn schienen eine
Botschaft an die Terroristen zu senden: Wir fürchten uns nicht. Doch schon knapp
zwei Wochen später erschütterten die Bilder von Explosionen im ägyptischen Ur-
laubsort Scharm el Scheich die westliche Welt. Und wieder sah man weinende
Menschen, unter ihnen auch Engländer, deren Kommentare nun viel ängstlicher
klangen – verständlicherweise. Das monatliche Anleger-Barometer von HSBC Trinkaus
& Burkhardt und dem Handelsblatt befragte 1.000 Anleger nach ihrer re-
präsentativen Meinung zu der Beeinflussung der internationalen Finanzmärkte
durch den Terror und die Terrorangst der Menschen.
Das Votum der Anleger ist eindeutig. Jeder zweite befragte Anleger glaubt,
dass der internationale Terror dauerhaft die Aktienmärkte belasten wird. Sogar
nahezu drei Viertel der Anleger würden auf ein Investment in Ländern mit
erhöhter Terrorgefahr verzichten. Insbesondere weibliche sowie unter 40-jährige
Anleger äußern ihre Besorgnis über den Einfluss des Terrors auf die Aktienmärkte
und tendieren zu einem Rückzug aus Investments in Ländern, in denen die Terror-
gefahr spürbar ansteigt. Isoliert betrachtet könnte bereits die Terrorangst
der Anleger zu möglichem Druck auf die Aktienmärkte führen.
Allerdings sprechen die Anleger nicht von einer grassierenden Angst, die jedes
Investment in den Schatten stellen kann. Jeder zweite Befragte ist der Meinung,
dass vom weltweiten Terror ein Gewöhnungseffekt ausgeht, der die Aktienmärkte
nicht mehr so stark wie bisher tangieren wird. Diese nüchterne Betrachtung
äußern insbesondere Männer und jüngere Altersgruppen zwischen 18 und 49 Jahren.
Überwiegend männliche Investoren ignorieren denn auch die Terrorgefahren und
würden trotzdem in Länder mit gestiegenen Risiken investieren – gleichwohl
zählt diese Gruppe mit rund 28% insgesamt zur Minderheit.
Besonders in den Emerging Markets scheint die Gefahr der Terroranschläge
höher zu sein als in den Industrieländern. Obwohl zu vermuten bleibt, dass
verhältnismäßig seltene Anschläge in westlichen Ländern einen größeren
Einfluss auf die Aktienmärkte haben als solche in Ländern wie z.B. Russland,
Südafrika oder Brasilien, stellt sich die Frage, wie Anleger, die bereits
investiert sind oder investieren wollen, reagieren. Neben einem Rückzug aus
den betreffenden Märkten bleibt Anlegern ein aktives Risikomanagement durch
eigene Aktivitäten oder, z.B. bei Fonds, durch ein vor Ort ansässiges
Management. Obwohl gemeinhin vermutet wird, dass der direkte Kontakt von
Analysten vor Ort vorteilhaft für die Wertentwicklung von Fonds ist, schätzen
Anleger die Möglichkeiten von Fondsmanagern als sehr gering ein, vor Ort in
Krisensituationen Kursstürze zu mindern oder gar zu vermeiden. Nur ein Drittel
der Befragten traut Fondsmanagern zu, vor Ort durch entsprechendes Krisen-
management die Wirkung von Terroranschlägen auf die Aktienmärkte zu dämpfen.
In dieser Hinsicht hegen jüngere und weibliche Anleger etwas mehr Vertrauen
in den Einfluss der Fondsmanager als ältere und männliche Anleger.
Quelle: Investmentfonds.de