19.07.2005
Rentenmarkt: Leichte Klimaverschlechterung
Mainz (ots) -
Die in den vergangenen Monaten von den Rentenmarktakteuren noch
überwiegend vertretene Konjunkturskepsis erhielt zuletzt durch die
weltweiten Frühindikatoren und die US-Unternehmensveröffentlichungen
im Rahmen der beginnenden Berichtssaison keine neue Nahrung und
bremste damit die Rekordfahrt bei den Kursen Festverzinslicher
spürbar ab. Trotz eines weiterhin an den steigenden Ölnotierungen
ablesbaren Risikopotenzials sendet nicht nur die US-Wirtschaft
neuerliche Vitalitätszeichen, sondern selbst im Euroraum und in Japan
scheint sich die Zuversicht zu erhalten. Die latente Terrorgefahr
trat nach den Anschlägen von London nur temporär ins Bewusstsein der
Kapitalanleger. Somit wurden trotz weiterhin gegebener
Liquiditätsunterstützung für den Bondmarkt die Rendite-Tiefs, die in
den USA wie im Euroraum im Juni bei jeweils ähnlichen Niveaus
zweifach angetestet wurden (USA bei knapp 3,9 Prozent, Euroland bei
rund 3,1 Prozent) nicht mehr erreicht. Vielmehr dominierte ein von
den USA ausgehender moderater Renditeauftrieb.
Bei einer aktuellen Verzinsung zehnjähriger Anleihen von knapp 4,2
Prozent weisen US-Bonds einen wieder auf rund 90 Basispunkte
gestiegenen Zinsvorsprung gegenüber Euroland-Papieren auf. Dies
spiegelt die ökonomischen Kräfteverhältnisse wider, denn die sich
andeutende Festigung des Verbrauchervertrauens (im Juni 105,8 nach
103,1 Punkte) und des Geschäftsklimas (Juni-ISM 53,8 nach 51,4
Punkte) lässt auf Sicht ein US-Wachstum in der Nähe des
BIP-Expansionspotenzials von ca. 3,5 Prozent realistisch erscheinen.
Auch die Notenbank verzichtete im Zusammenhang mit dem neunten
Zinsschritt innerhalb eines Jahres auf inzwischen 3,25 Prozent auf
Hinweise auf ein Ende der Straffungsrunden und gab damit ein weiteres
Signal gegen Wachstumsbefürchtungen und gegen potenzielle Inflation
zu Protokoll. Trotz der maßgeblich vom kurzen Ende ausgehenden
Abflachung der Renditestruktur bleibt die Zinsstimulanz für die
US-Wirtschaft insgesamt erhalten und könnte insbesondere bei
fallenden Rohstoffpreisen zu einer Wiederbeschleunigung beitragen.
Während im Zuge des fortschreitenden US-Konjunkturzyklus eine
Änderung der Fed-Rhetorik auf einer der nächsten Sitzungen
einzukalkulieren ist, sind Zinsschritte seitens der EZB im
Spannungsfeld zwischen EU-Krise, strukturell bedingten
Haushaltsdefiziten und Konjunkturflaute auf Sicht eher
unwahrscheinlich. Der Inflationsdruck im Währungsgebiet hält sich
zudem aus EZB-Sicht in Grenzen (Projektion für 2006 im Schnitt 1,5
Prozent). Auf der anderen Seite zeichnet sich eine grundlegende
Beschleunigung der Binnenkräfte trotz der jüngsten - zum Teil
währungsbedingten - Stabilisierungstendenz bei
Juni-Konjunkturindikatoren wie Ifo (93,3 nach 92,9 Punkte), INSEE (99
nach 96 Punkte) oder Euroland-Sentimentindex (plus 0,2 auf 96,3
Punkte) noch nicht ab und dürfte das negative Überraschungspotenzial
bei längeren Laufzeiten einstweilen noch begrenzen. Aus Anlegersicht
bleibt jedoch angesichts einer möglichen Bodenbildung bei den
Kapitalmarktrenditen und gleichzeitig riskanter Spekulation auf
Zinssenkungen seitens der EZB eine Positionierung im kürzer- bis
mittelfristigen Laufzeitenspektrum vorzuziehen.
Originaltext: LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
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Quelle: news aktuell