21.06.2005
Rentenmarkt: Wenig Phantasie für neue Kursschübe
Mainz (ots) - Im Zuge schwacher Wirtschaftsdaten aus den USA und
dem Euroraum sowie eher rückläufiger Inflationszahlen setzten
festverzinsliche Wertpapiere bis Ende Mai ihre beeindruckende
Rekordjagd fort. Wenngleich diese Entwicklung durch reichlich
verfügbare Liquidität verstärkt sein dürfte, deutet die zuletzt
beschleunigte Verflachung der Renditestrukturkurven doch auf
verbreitete Konjunkturskepsis. Erst als die Notenbanken in den USA
und Europa Spekulationen über eine Lockerung ihres Kurses eine Absage
erteilten, setzten insbesondere längere Laufzeiten zu einer Korrektur
an. Seit dem Juni-Tief stieg die Verzinsung von zehnjährigen
US-Papieren um 20 Basispunkte auf aktuell knapp 4,1 Prozent,
Bundesanleihen gewannen währenddessen rund 15 Basispunkte auf knapp
3,3 Prozent.
Die Konjunkturdaten aus den USA liefern aktuell ein unscharfes
Bild. Auf der einen Seite hielten zuletzt - von wenigen Ausnahmen wie
der Produktion im Mai abgesehen - die realwirtschaftlichen
Veröffentlichungen nicht mit den Erwartungen Schritt. Auf der anderen
Seite senden das Verbrauchervertrauen (im Mai von 97,7 auf 102,2
Punkte gestiegen) sowie erste regionale industrielle Frühindikatoren
erneut robustere Signale. Insgesamt dürfte es aber nicht zuletzt
angesichts wieder gestiegener Ölpreise noch zu früh sein, bereits auf
ein Ende der Wachstumsdelle zu schließen. Der Dollar jedenfalls
profitierte davon, dass sich die Konjunkturperspektive zumindest
nicht weiter eintrübte und der Zinsvorsprung zehnjähriger
US-Staatsanleihen gegenüber den Euroland-Pendants phasenweise auf
über 90 Basispunkte anstieg. Der Euro seinerseits geriet über die
Zerreißprobe der Währungsunion nach den ablehnenden Volksreferenden
zur EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden unter Druck. Die
Schwierigkeiten in der Union werden eher als Grund für eine künftige
Wachstumsverlangsamung interpretiert und bestätigen damit die ohnehin
recht gedämpfte Expansionsperspektive für die wirtschaftlichen
Schwergewichte des Euroraumes. Ein dauerhaftes Anziehen der
Binnennachfrage bleibt weiterhin ungewiss, solange sich am
Arbeitsmarkt nicht eindeutigere Zeichen für eine Besserung
einstellen. In diesem Licht muss sich auch erst noch erweisen, ob die
politische Wechselstimmung in Deutschland tatsächlich in positive
konjunkturelle Effekte mündet.
In der Summe dürften Bond-Anleger auf Sicht der kommenden Wochen
nur ein überschaubares Risiko eingehen, von der Entwicklung der
Konjunktur oder der Inflation überrascht zu werden. Als
Belastungsfaktor stärker in den Blick rücken könnte aber durchaus der
Ölpreis. Fällt er signifikant, so bekommt eine positivere
Wirtschaftserwartung Auftrieb; Steigt er weiter (hierzulande durch
den schwächeren Euro verstärkt), so zieht das tendenziell erhöhte
Inflationssorgen nach sich. Derzeit bleibt die Angst vor nachhaltigen
Rückschlägen bei Staatspapieren zwar begrenzt. An die künftige
Entwicklung der Renditen längerer Laufzeiten sollten jedoch zugleich
realistische Erwartungen gestellt werden. Ein erneuter Kursschub
scheint ohne eine deutliche weitere Eintrübung der Konjunkturdaten
zunehmend unwahrscheinlich, so dass nach den klärenden Worten der
Notenbanken zur Leitzinsperspektive kürzere Laufzeiten vorzuziehen
bleiben.
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Quelle: news aktuell