21.06.2005
Aktienmarkt: Nachlassendes Momentum
Mainz (ots) - Parallel zu einer freundlichen Entwicklung an der
Wall Street und unterstützt durch ein verbessertes Stimmungsbild im
Zuge der avisierten Bundestags-Neuwahlen konnte der DAX in den
letzten Wochen deutliche Zugewinne verzeichnen und sein seit
Jahresanfang etabliertes Seitwärtsband überwinden. Auf Branchenebene
standen vor allem Versorger (Erwartung längerer Kraftwerkslaufzeiten
im Falle eines Regierungswechsels) und Banken (Fusions- und
Übernahmephantasie nach Ankündigung der Fusion zwischen
HypoVereinsbank und Unicredito) im Vordergrund des Anlegerinteresses.
Exportlastige Titel profitierten von einem deutlich nachgebenden Euro
im Nachgang zur Ablehnung der EU-Verfassung in Frankreich und den
Niederlanden.
Auffällig ist gegenwärtig die bemerkenswerte Resistenz der
internationalen Aktienmärkte gegenüber negativen Nachrichten. So löst
beispielsweise der wieder deutlich angestiegene Ölpreis derzeit nicht
die gewohnte Negativwirkung aus. Auch die deutliche Konsolidierung
der US-Frühindikatoren wird von den Marktteilnehmern bisher
weitgehend ausgeblendet. Damit scheint der Aktienmarkt die
konjunkturelle Abschwächung des 2. Quartals lediglich als temporär
einzustufen und blickt vergleichsweise optimistisch in die Zukunft.
Dieser Vertrauensvorschuss muss in den kommenden Monaten allerdings
noch durch eine Trendwende der Frühindikatoren und anziehende
Gewinnsteigerungsraten auf Unternehmensebene untermauert werden.
Eine erste Indikation für die weitere Perspektive könnte die
anstehende Unternehmensberichtssaison in den USA liefern. Zwar
dürften aufgrund vergleichsweise moderater Erwartungen große
Enttäuschungen die Ausnahme bleiben, doch lassen gleichzeitig die
recht ambitionierten Prognosen für das 3. Quartal kaum Raum für
positive Überraschungen im Rahmen der Ausblicke. So liegt
beispielsweise die erwartete Gewinnsteigerungsrate des
US-Finanzsektors für das 3. Quartal aktuell bei +26 Prozent, was
tendenziell auf einen negativen Revisionsbedarf hindeutet. Der häufig
im Blickpunkt stehende Technologiesektor konnte im Rahmen der
jüngsten Unternehmensberichte die Erwartungen in der Mehrzahl zwar
erfüllen, doch generierten selbst positive Ausblicke von
Schwergewichten wie Intel oder Texas Instruments keine zusätzlichen
Impulse, so dass die Aufwärtsbewegung insgesamt zuletzt deutlich an
Momentum einbüßte.
Nach den deutlichen Kursgewinnen der letzten Wochen steigt damit
kurzfristig das Risiko einer Konsolidierung. Trading-orientierte
Anleger sollten Gewinnmitnahmen in Erwägung ziehen. Allerdings
erscheint das Rückschlagspotenzial am deutschen Aktienmarkt derzeit
begrenzt. Sowohl in der historischen Betrachtung als auch im
Relativvergleich mit anderen Regionen befindet er sich nach wie vor
auf einem attraktiven Bewertungsniveau, was für anhaltende Fusions-
und Übernahmephantasie sorgen dürfte. Vor diesem Hintergrund sollten
eventuelle Rückschläge sowohl zeitlich als auch im Ausmaß begrenzt
bleiben und bieten sich daher zum Positionsaufbau/-ausbau an.
Originaltext: LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
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Quelle: news aktuell