14.06.2005
Activest: US-Notenbank hält an ihrer Geldpolitik fest
Köln, den 14.06.2005 (Investmentfonds.de) - Im Vorfeld der Rede Greenspans vor dem
gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des Kongresses am 9. Juni war am Markt spekuliert
worden, ob die Fed ihren Zinserhöhungszyklus bald beenden könnte oder zumindest
eine Pause (nach der auf der Offenmarktausschusssitzung vom 30. Juni erwarteten
Leitzinserhöhung) einlegen könnte. Greenspan sah in den jüngsten Anzeichen einer
Abflachungstendenz der amerikanischen Konjunkturentwicklung nicht die Gefahr einer
sich anbahnenden ernsthaften Wachstumsschwäche. Es gäbe bereits Indikationen einer
Erholung bei den Verbraucherausgaben und den Investitionen. Trotz des Preisauf-
triebs in der letzten Zeit sei die nachhaltige Entwicklung der Kerninflationsrate
weiterhin unter Kontrolle. Die US-Notenbank werde an ihrer Geldpolitik der
'maßvollen' Leitzinserhöhungen festhalten.
An den internationalen Börsen wurden die Äußerungen Greenspans als positiv inter-
pretiert, da diese sowohl die Befürchtungen eines Abgleitens in die Rezession als
auch die Ängste vor einer Verschärfung der Geldpolitik der Fed entkräfteten. Zeigte
der US-Dollar noch im Vorfeld der Greenspan-Rede in der ersten Wochenhälfte eine
Abschwächungstendenz, festigte er sich danach deutlich.
Das am Freitag mit 57 Mrd. US-Dollar veröffentlichte amerikanische Handelsbilanz-
defizit für April fiel geringer als der Marktkonsens (58 Mrd. US-Dollar) aus und
kam dem Dollar zusätzlich zugute. In Reaktion auf positive Berichte aus dem ameri-
kanischen Halbleitersektor zogen die Aktienkurse der internationalen Chipwerte
deutlich an. Sowohl Texas Instruments (Dienstag) als auch Intel (Donnerstag) hatten
in ihren Midquarter Updates die Umsatz- und Ertragsprognosen für das zweite Quartal
angehoben. National Semiconductor konnte zudem in dem am Donnerstag veröffentlichten
Quartalsbericht den Marktkonsens deutlich übertreffen. In den nächsten Tagen werden
insbesondere die Quartalsberichte der führenden US-Brokerhäuser im Mittelpunkt des
Marktinteresses stehen.
Vor dem Hintergrund des Näherrückens der nächsten FOMC-Sitzung (am 29./30. Juni)
dürften sich die Zinsspekulationen zunächst etwas setzen, zumal Alan Greenspan mit
seiner Rede vor dem US-Kongress den Markt weitgehend beruhigen konnte. In den
nächsten Tagen sollten insbesondere die neuen Inflationsdaten im Fokus stehen,
gefolgt von den Einzelhandelsumsätzen und den industriellen Produktionsindikatoren.
Dank der anhaltend festen Tendenz des US-Dollars konnten sich die europäischen
Aktienmärkte in der letzten Woche erneut besser in Szene setzen als die Wall Street.
Die Entspannung an der Zinsfront und überwiegend positive Konjunktur- und
Unternehmensmeldungen unterstützten die Aufwärtsbewegung der Aktienkurse. Ent-
sprechend dem Marktkonsens ließ die Bank von England auf ihrer Sitzung vom 9. Juni
die Leitzinsen unverändert.
Quelle: Investmentfonds.de