09.06.2005
HSBC: Anleger hoffen auf Machtwechsel und treiben Vorwahl-Hausse an
Köln, den 09.06.2005 (Investmentfonds.de) - Die angestrebten Neuwahlen in
Deutschland beflügeln die Börse. Seit der überraschenden Ankündigung von
Bundeskanzler Gerhard Schröder am 22. Mai 2005 hat der Deutsche Aktienindex
(DAX®) knapp vier Prozent zugelegt.Hingegen kamen die Aktien weltweit
durchschnittlich nur auf knapp ein Prozent. Damit baut sich der seit 1998
immer größer gewordene Bewertungsabschlag deutscher Aktien zügig ab. Geht
es nach dem Votum der Anleger und Analysten, schneidet der DAX® auch in
Zukunft besser als andere Indizes ab.
Jeder dritte Anleger rechnet nach einem möglichen Regierungswechsel mit
weiter steigenden Kursen und kündigt an, auch entsprechend zu investieren.
Das ist das Ergebnis der Anlegerumfrage des Handelsblatts und der Bank
Trinkaus & Burkhardt (siehe „Anleger-Barometer“). Zwar schätzen 42 Prozent
der Anleger den Einfluss der Politik auf die Wirtschaft gering ein und
verneinen, dass Neuwahlen einen Aufschwung bewirken können. Auch ist auffällig,
dass eine Mehrheit von 57 Prozent die Stimmung im eigenen Umfeld als schlecht
beurteilt. Doch 58 Prozent der Befragten glauben, dass die Ankündigung
Schröders bzw. ein tatsächlicher Regierungswechsel Impulse geben und einen
Aufschwung unterstützen werden.
Analysten teilen den Optimismus der Anleger: „Großer Unterschied zu früher
ist, dass eine neue Regierung zwei Jahre Zeit hat, um wirklich viel zu
bewegen“, sagt Rolf Elgeti von ABN Amro in London. Eine CDU/FDP-Regierung
hätte im Bundestag und -rat für mindestens zwei Jahre eine Mehrheit –
selbst dann, wenn sich die Deutschen wie in der Vergangenheit verhalten
und nach der Bundestagswahl die Regierungspartei in anschließenden Landtagswahlen
abstrafen sollten.
Neben der großen politischen Handlungsfähigkeit ist aus Sicht der Hypo-
Vereinsbank (HVB) für den Aktienmarkt „die größte Phantasie mit einer möglichen
Lockerung/Entkoppelung der Finanzierung der Sozialversicherung von den Lohn-
nebenkosten verbunden“. Als Profiteure sieht Analyst Tammo Greetfeld Unter-
nehmen, deren Gewinne wesentlich von der Entwicklung der inländischen Lohn-
kosten beeinflusst werden. Dazu zählt er VW, Thyssen-Krupp, Siemens, MAN,
Lufthansa und Deutsche Post.
Eine mögliche Wende in der Energiepolitik und eine Verlängerung der Restlauf-
zeiten für Kernkraftwerke sollte den Versorgern zugute kommen,weil sich der
Preis für die Produktion einer Kilowattstunde nicht wie derzeit angenommen
um bis zu 15 Prozent erhöhen würde. Hauptnutznießer ist nach Meinung der HVB
Eon, dessen Kernkraftanteil bei fast 50 Prozent liegt. Bei RWE sind es nur
25 Prozent.
Auch wenn sich mögliche Reformen noch nicht in den Firmengewinnen 2006 nieder-
schlagen dürften, wird nach Ansicht der HVB schon die Perspektive darauf dem
deutschen Aktienmarkt überdurchschnittliche Chancen geben. Die Bank hat daher
das Kursziel für den DAX® auf Sicht der nächsten sechs bis zwölf Monate auf
4 800 Punkte angehoben. Gegenüber dem aktuellen Niveau ist das ein Potenzial
von sieben Prozent. Bislang veranschlagten die Bayern den DAX® innerhalb der
nächsten sechs Monate auf 4 575 Zähler. Die HVB glaubt, dass sich der DAX®
wie schon in den letzten Wochen auch künftig besser als der Dow Jones Euro
Stoxx 50® entwickeln wird. „Wie zeitnah die 4 800 Punkte zu unserem Sechsmonats-
ziel erreicht werden, hängt unter anderem auch davon ab, wie schnell der
Reformkurs Konturen gewinnt“, sagt Greetfeld.
Geht es nach den Prognosen etlicher Finanzhäuser, darunter JP Morgan, ABN
Amro, Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank, die italienische Banca Imi und Japans
Nomura Securities, wird sich der von der WestLB errechnete Bewertungsabschlag
deutscher gegenüber amerikanischer Aktien weiter abbauen. Dieser zeigt sich
in der – gemessen an den jährlichen Nettogewinnen – niedrigen Börsenbewertung
der Unternehmen, und er erhöhte sich nach Angaben der WestLB seit Beginn
der rot-grünen Koalition im Herbst 1998 kontinuierlich. Nur im Frühjahr 1999
hatte sich der Abschlag nach dem plötzlichen Abgang des Wirtschafts- und
Finanzministers Oskar Lafontaine kurzzeitig verringert. Damals war der DAX®
binnen weniger Minuten um 5,5 Prozent gestiegen.
Quelle: Investmentfonds.de